Vertrauen verspielt

Immer weniger mögen die US-Cloud

Der NSA-Skandal kostet der Cloud das Vertrauen: Zehn Prozentpunkte mehr Skeptiker und ein Ende ist nicht in Sicht.

Es wird nicht einfach für US-Cloudservices, im deutschen Markt weiter zu wachsen, denn immer weniger Leute trauen ihnen über den Weg. Die Bedenken, persönliche Daten bei einem US-amerikanischen Anbieter in der Cloud zu speichern, waren schon immer vorhanden. Vor gut einem Jahr ergab eine Studie von Convios Consultung im Auftrag des Magazins Focus eine Skeptikerquote von 27 Prozent.

Vor wenigen Tagen erschien die Nachfolgestudie für 2013. Und siehe da, der Anteil der Bedenkenträger ist seit dem vergangenen Jahr um 10 Prozentpunkte auf 37 Prozent gestiegen. Doch es sind nicht nur Microsoft oder Google, bei denen das Vertrauen abbrückelt. Auch für größere deutsche Anbieter wie T-Online oder GMX sinkt der Vertrauensvorschuss.

“Die Studie, die dem FOCUS vorliegt, zeigt einen besonders hohen Zuwachs in den Altersgruppen zwischen 30 und 49 Jahren, aber auch in den älteren Gruppen”, schreibt “Netzökonom” Holger Schmidt in seinem Blog. Nur die ohnehin geringen Vorbehalte Jugendlicher zwischen 14 und 19 Jahren seien kaum gestiegen.

Die Vermutung liegt nahe, dass bei den Älteren mit jeder Enthüllung das Vertrauen in die Cloud weiter sinken wird - und damit auch das Vertrauen der Entscheider in den Unternmehmen. Einige US-Cloudservices leiden bereits unter Kündigungen wegen Prism. Laut Forrester Research könne das zu einem Branchenverlust von 280 Milliarden Dollar führen. Es gibt aber auch Gegenstimmen, die von einem weiteren Wachstum ausgehen.

Das ist sicher nicht falsch, denn der Weg zurück zur Graue-Kisten-IT ist den Unternehmen verstellt. Cloudservices haben zu viele Vorteile, um darauf zu verzichten. Eine aktuelle Umfrage des US-amerikanischen CIO-Journals ergab, dass ein Großteil der Befragten die Public Cloud in Zukunft verstärkt einsetzen will.

Dazu passt die Meldung, dass SAP die Geschäftsanwendungen aller in Deutschland aktiven Unternehmen auch in einem lokalen Rechenzentrum betreiben will. Auf Anforderung von Kunden in Australien soll dort ebenfalls ein Rechenzentrum aufgebaut werden. Auch andere europäische Cloudanbieter wollen die USA als Rechenzentrumsstandort meiden.

Die Frage ist natürlich, ob die lokale Lösung wirklich deutlich sicherer ist als die US-Cloud. Letztlich dürften nur vom Kunden vor der Übertragung in die Loud stark verschlüsselte Daten sicher genug sein. Die Frage ist aber, ob die Cloud in diesem Fall so viele Vorteile hat. Letztlich schnurrt alles auf die Frage zusammen, welche Unternehmen das Vertrauen ihrer Kunden wirklich verdienen.

Bildquelle: Patrick Seesko / pixelio.de

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