05.09.2017 Digitalisierung sorgt für Optimismus

Innovation in der Cloud

Von: Constantin Gonzalez

Deutsche Unternehmen sehen der Digitalisierung zunehmend optimistisch entgegen. So jedenfalls lässt sich die aktuelle Studie der Bitkom zu diesem Thema zusammenfassen.

In der Vernetzung von immer mehr Bereichen wird eine große Chance gesehen.

Volle 90 Prozent der Befragten sehen in der Vernetzung von immer mehr Bereichen eine große Chance für ihre Firma.

Sahen im vergangenen Jahr noch rund 72 Prozent der befragten Unternehmen in der Digitalisierung eine Herausforderung, so sind es in diesem Jahr nur noch 55 Prozent der Umfrageteilnehmer. Immerhin 72 Prozent von ihnen verfolgen laut Studie eine konkrete Digitalisierungsstrategie. Und auch die Zahl der Skeptiker habe rapide abgenommen: Volle 90 Prozent der Befragten sehen in der Vernetzung von immer mehr Bereichen eine große Chance für ihre Firma.

Der Optimismus ist berechtigt. Schließlich können heute viele Firmen Services anbieten, die noch vor wenigen Jahren weit außerhalb des Kerngeschäfts gelegen hätten. Ein Beispiel dafür ist Kärcher Fleet. Dabei handelt es sich um eine Flottenmanagement-Lösung, die Betreibern von Reinigungsgeräten jederzeit aktuelle Zustandsberichte liefert. So kann ein Facility-Manager über PC, Notebook oder Mobilgerät Maschinendaten wie den Batteriestand, den genauen Einsatzort und die Auslastung abrufen. Der Zugriff erfolgt über ein Web-Portal, das sich an die individuellen Anforderungen des Flottenmanagers anpassen lässt. Dieser Ansatz wäre jedoch kaum ohne eine entsprechend leistungsfähige Cloud-Infrastruktur umzusetzen.

Cloud schlägt teures Rechenzentrum


Kärcher schloss bewusst aus, die Lösung im internen Rechenzentrum zu betreiben. Denn schnellere Markteinführungszeiten und eine agile, auf Abruf skalierbare IT-Infrastruktur waren für das Unternehmen von zentraler Bedeutung. Der Spezialist für Reinigungsgeräte und Hochdruckreiniger arbeitete bereits seit 2012 mit Amazon Web Services (AWS) und entschied sich angesichts der damit gemachten Erfahrung dazu, auch sein erstes Internet-of-Things-Projekt (IoT) mit dem Anbieter durchzuführen.

Ähnliche Gründe bewegten auch Notebooksbilliger.de zum Weg in die Cloud. Der Händler kann sich durch die Nutzung von AWS verstärkt auf die Entwicklung konzentrieren. Gleichzeitig hat der Anbieter die benötigte Rechenleistung, um seinen Online-Shop zu unterstützen. Notebooksbilliger.de führt bis zu 20 große Marketingkampagnen pro Jahr durch. Dabei steigt der Datenverkehr erheblich, da Kunden bei Schnäppchen zugreifen. Weil über Cloud-Services nun jederzeit skalierbare IT-Ressourcen zur Verfügung stehen, können die Entwickler schnell Testumgebungen schaffen. In diesem Bereich erweist sich der hohe Automatisierungsgrad der Bereitstellungsprozesse als Vorteil. In der Cloud ist es für die Entwickler jederzeit möglich Instanzen einzurichten, Tests durchzuführen und sie anschließend wieder abzuschalten.

Neue Wege in der Entwicklung


Das Beispiel Notebooksbilliger.de zeigt, wie sich in Zeiten der Cloud die Generierung von Code entscheidend gewandelt hat. Zugleich erlauben neue Methoden wie „The Lean Startup“ den Test einer Geschäftsidee als „Minimum Viable Product“ und die Optimierung nach Kunden-Feedback im Wochentakt. Parallel dazu setzen sich agile Entwicklungsmethoden wie Scrum oder Kanban weiter durch.

Agilität in der Entwicklung


Ein wichtiger Trend ist die Segmentierung von Teams in kleinere, dafür agilere, Einheiten. Gruppen mit sechs bis acht Mitgliedern können schnellere Entscheidungen treffen und haben die volle Verantwortung über ihren jeweiligen Service – von der Produktidee über die Entwicklung bis hin zum Betrieb. Dabei haben sich so genannte „Continuous Deployments“ bewährt. Hier handelt es sich um kleine und sehr häufige Änderungen bei geringem Risiko. Auch Amazon setzt auf agile so genannte „Two Pizza Teams“ – also Teams, die von zwei großen Pizzas satt werden – und erzeugte 64 Millionen Deployments pro Jahr allein für Amazon.com. Seit 2006 kamen nach diesem Muster für das Cloud-Tochterunternehmen AWS mehr als 3.000 neue Funktionen und Services dazu.

Durch Bausteine aus der Wolke können selbst kleine Teams leistungsfähige, skalierbare, weltweite und sichere Architekturen aufbauen und betreiben. Ein Beispiel dafür ist der Online-Händler Zalando. In Folge des starken Wachstums des Unternehmens hat sich das Entwicklerteam auf mittlerweile mehr als 800 Personen vergrößert. In dieser Konstellation war es den IT-Verantwortlichen wichtig, weiterhin flexibel neue Innovationen voranzutreiben, ohne dabei Compliance und Security zu vernachlässigen. Das Unternehmen entschied sich für einen „Radical Agility“-Ansatz, bei dem die Entwicklerteams als autonome Einheiten und somit wie voneinander unabhängige Startups agieren können.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 09/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Zugleich betreibt Zalando die einzelnen Komponenten seiner Plattform als Microservices, kleine, unabhängig voneinander arbeitende Dienste, die im Zusammenspiel eine größere Gesamtlösung formen. Durch dieses Vorgehen können einzelne Komponenten des E-Commerce-Angebots immer wieder erweitert und verbessert werden, ohne dass dadurch das Gesamtsystem gefährdet würde. Auch hier fiel die Wahl auf AWS.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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