19.11.2015 Home Office und flexible Arbeitszeiten

IT-Fachkräfte: SAP-Berater und App-Entwickler gesucht

Von: Ina Schlücker

Interview mit Andreas Wartenberg und Martin Krill, Geschäftsführer bei der Hager Unternehmensberatung, über die Nachfrage nach IT-Fachkräften, insbesondere nach SAP-Beratern und App-Entwicklern, sowie moderne Arbeitsplatzkonzepte wie Home Office und flexible Arbeitszeiten

  • Andreas Wartenberg, Hager Unternehmensberatung

    Andreas Wartenberg, Geschäftsführer bei der Hager Unternehmensberatung

  • Martin Krill, Hager Unternehmensberatung

    Martin Krill, Geschäftsführer bei der Hager Unternehmensberatung

IT-DIRECTOR: Herr Wartenberg, wo bzw. auf welche Weise finden die IT-Verantwortlichen großer Unternehmen und Konzerne heutzutage passende Fachkräfte für Ihre IT-Abteilung?
A. Wartenberg:
Natürlich streben viele große Unternehmen und Konzerne an, über klassische Medien wie Stellenanzeigen, Job-Messen, Direktansprachen, etc. die passenden Fachkräfte und Spezialisten selbst zu rekrutieren. Da aber heutzutage die Nachfrage nach IT-Spezialisten sehr ausgeprägt ist und somit der Pool an qualifizierten Personen verknappt ist, kommen viele IT-Verantwortliche auf uns als Personalberatung zu.

IT-DIRECTOR: Welche Experten werden von den IT-Abteilungen hiesiger Großunternehmen derzeit besonders nachgefragt?
A. Wartenberg:
Es gibt sogenannte ‚Dauerbrenner‘, zu denen SAP-Berater und auch App-Entwickler gehören. Jedoch liegt im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung die Nachfrage verstärkt in den Themenbereichen Security, Architecture, Data Scientist und Analyst. Auch Spezialisten für neue Technologien sowie Projekt- und Programmmanagement werden zunehmend gesucht.

IT-DIRECTOR: Wie sieht das aktuelle Gehaltsgefüge von IT-Spezialisten aus? Wer ist ein „Schnäppchen“ und für welche Experten muss man tiefer in die Tasche greifen?
A. Wartenberg:
Ein ‚Schnäppchenmarkt‘ ist unter den IT-Spezialisten heutzutage nicht vorhanden. Dies beruht darauf, dass alle Unternehmen, ganz gleich welcher Größe, Internationalität oder Branchenausrichtung sie zugehören, auf Technologiespezialisten angewiesen sind. Der Markt hat hierbei starken Einfluss auf die Gehälter, was auch bedeutet, dass diese regional unterschiedlich sind und natürlich auch in größeren Metropolen am höchsten sind.

IT-DIRECTOR: Inwieweit bemühen sich IT-Abteilungen von Großunternehmen um Festanstellungen – oder werden IT-Freelancer bevorzugt?
A. Wartenberg:
Der Einsatz von Freelancern ist noch immer von der betriebswirtschaftlichen Kalkulation geprägt. Abhängig von Projektdauer und auch Inhalt führen personelle Engpässe sicherlich zu gelegentlichen Einsätzen von Freelancern. Jedoch müssen die Vor- und Nachteile im Einzelfall genau abgewogen werden.

IT-DIRECTOR: Welche Auswirkungen haben agile Projektmethoden wie Scrum auf das Personalgefüge hiesiger IT-Abteilungen?
A. Wartenberg:
Agile Projektmethoden wirken sich organisatorisch auf die Zusammenarbeit aus und auch darauf, wie Projektarbeit organisiert wird. Damit einhergehend muss auch die Abstimmung (Requirements and final delivery) mit den Fachabteilungen modifiziert werden. Die Scrum-Entwicklungsmethode ändert häufig Verfahrensabläufe innerhalb der IT-Abteilungen, insbesondere im IT-Projekt-Management.

IT-DIRECTOR: Herr Krill, wenn man die passenden IT-Fachkräfte gefunden hat – mit welchen Vergünstigungen bzw. „Schmankerln“ lassen sich diese langfristig ans eigene Unternehmen binden?
M. Krill: Es gibt – neben den monetären Anreizen – unterschiedliche attraktive Angebote, die Unternehmen einsetzen, um IT-Fachkräfte langfristig an ihre Unternehmen zu binden. Möglich sind zum Beispiel flexible Arbeitsplatzregelungen wie ‚Home Office‘ oder flexible Arbeitszeiten. Außerdem gibt es Mitarbeiter-Versorgungsprogramme wie beispielsweise Mitgliedschaft im Fitnessstudio, Übernahme von Kinderbetreuungskosten, etc. Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Personalentwicklungs- und Förderprogramme sowie Weiterbildungsmöglichkeiten an, um auch ihre fachliche Kompetenz durch Zertifizierungen auszubauen.

IT-DIRECTOR: Inwieweit stellt das Abwandern von IT-Experten ins „gelobte“ Silicon Valley ein Problem für hiesige IT-Verantwortliche dar?
M. Krill:
Es gab schon immer in allen Bereichen Menschen, die es ins Ausland gezogen hat. Auch die, die es an den ‚Nabel der IT-Welt‘ ins Silicon Valley zieht, sind keine neue Erscheinung. Flächendeckend kann man keinen Engpass an Fachkräften verspüren.

IT-DIRECTOR: Wo liegen aktuell die größten gesetzlichen und organisatorischen Hürden für Unternehmen, die Nicht-EU-Fachkräfte in Ihren IT-Abteilungen beschäftigen möchten?
M. Krill:
In vielen Branchen kann der deutsche Arbeitsmarkt nach wie vor die Nachfrage nach Fachkräften nicht befriedigen. Für manche Unternehmen ist es daher naheliegend, auch im Ausland nach Bewerbern zu suchen, um personelle Lücken zu schließen. Um Mitarbeiter aus dem Ausland auch langfristig an das Unternehmen zu binden, sollten Unternehmen dem Mitarbeiter bei Arbeitsbeginn auch integrationsbegleitende Maßnahmen, wie beispielsweise Training und Coaching, sowie Sprachkurse etc. bieten

Mit der Einführung der sogenannten ‚Blue Card EU‘ im August 2012 wurden die gesetzlichen und auch bürokratischen Hürden reduziert. So ist es für IT-Fachkräfte möglich, eine Arbeitsgenehmigung von vier Jahren zu erhalten, wenn sie einen Hochschulabschluss und einen Arbeitsvertrag, der ein Mindestgehalt von 46.400 Euro ausweist, nachweisen.

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