„Der Berater kommt heute als Schnittstelle zwischen IT- und Fachabteilung ins Spiel", sagt Dr. Oliver Niese, Director Professional Services beim SAS Institute.
Durch aktuelle „Trendthemen“ wie das Internet der Dinge oder Big Data hat sich vor allem die Rolle der IT-Abteilung in den letzten Jahren in Unternehmen stark verändert – neue Technologien etwa bei der Analyse großer Datenmengen (Big Data Analytics) durch In-Memory-Datenhaltung und High-Performance Analytics ermöglichen etwa die wirtschaftliche Umsetzung neuer Anwendungen und Geschäftsmodelle für Unternehmen.
Das Potential dieser neuen Technologien kann aber nur ausgeschöpft werden, wenn IT- und Fachabteilung gemeinsam Hand in Hand arbeiten. Deshalb etabliert sich die IT-Abteilung in Unternehmen zunehmend als Geschäftspartner, um die Fachabteilung zu beraten und somit die Akzeptanz für technologische Innovationen im Unternehmen voranzutreiben. Dafür fehlen jedoch intern oftmals die Ressourcen oder Kompetenzen. Der Berater kommt hier als Schnittstelle zwischen IT- und Fachabteilung ins Spiel.
Die gebündelte Kompetenz eines Beraters aus IT-Wissen und betriebswirtschaftlicher Sicht schafft die Grundlage, um wirklich zu verstehen, wofür die Technologie eigentlich eingesetzt wird – und welche Anforderungen erfüllt sein müssen. Kunden erwarten heute entsprechendes Know-how aus einer Hand und eine vollumfassende Beratung. Gesucht wird ein Berater, der sich in die Unternehmensprozesse und -ziele hineindenken kann. Dazu passend zeichnet sich der Trend ab, dass klassische IT- und Fachberatung immer enger zusammenrücken.
Ein Beispiel für die interdisziplinäre Vorgehensweise ist das Kampagnenmanagement in der Marketingabteilung. Fachlich geht es darum, „wie“ man eine Kampagne durchführt. Dazu müssen u.a. bestimmte Kundengruppen segmentiert und selektiert werden. Hierfür wird ein Fachberater benötigt, der versteht, nach welchen Kriterien selektiert wird, bzw. wie die vor- oder nachgelagerten Prozesse aufgebaut sind. Zusätzlich wird technisches Know-how notwendig, um zum Beispiel Kanäle anzubinden oder festzustellen, welche Daten mit welchem Aufwand zur Verfügung gestellt werden können. Der Berater muss in diesem Fall mit der Marketingabteilung kommunizieren können um im Anschluss mit der IT-Abteilung die technische Umsetzung zu übernehmen.
Mit den erweiterten Kompetenzen ist der Berater in der Lage, eine zunehmend wichtige Rolle mit mehr Verantwortung zu übernehmen. Unternehmen müssen nicht mehr das komplette Risiko für IT-Projekte selbst tragen, neue Geschäftsmodelle lassen sich quasi ohne Nachteile umsetzen. Werden heute Projekte primär aufwendig als Werkverträge ausgeschrieben oder abruforientierte Beratungsaufträge vergeben, so können zukünftig partnerschaftliche Umsetzungsmodelle zwischen der IT- und Fachabteilung mit dem Berater in den Vordergrund treten. Dies geht von Risk-/Reward-Modellen (Risiko-/Chancenverteilung zwischen den Vertragspartnern) über erfolgsabhängige Honorierungen (Basisvergütung mit einer im Vorfeld definierten Erfolgsbeteiligung) bis hin zu einer Wertschöpfungspartnerschaft (etwa eine Vereinbarung, orientiert am kommerziellen Erfolg des Projekts).
Insgesamt kommt dem Berater heute eine wichtigere Rolle zu. Die Bündelung von IT- und Fachwissen in einer Instanz bringt enorme Kosten- und Zeitvorteile für die Unternehmen. Über erfolgsorientierte Vertragsmodelle übernehmen Berater auch unternehmerisches Risiko und erlauben es so dem Kunden, schneller und risikoärmer neue Geschäftsmodelle zu testen.