15.11.2016 Elektroschrott reduzieren

IT-Recycling: So wird gebrauchte Hardware wieder salonfähig

Von: Kathrin Zieblo

Die Zyklen, in denen elektronische Geräte ausgetauscht werden, haben sich in den letzten Jahren immer weiter verkürzt. Was passiert mit dieser ausrangierten Hardware aus Konzernen?

Salon

Dank IT-Recycling kann gebrauchte Hardware wieder salonfähig gemacht werden.

Wer hätte es gedacht? Die Herstellung von IT-Geräten verschlingt mehr Energie, als diese während ihrer Lebenszeit verbrauchen. „Bis zu 60 Prozent seines CO2-Verbrauchs verbraucht ein Gerät in der Herstellung und beim Transport an seinen Bestimmungsort. Auf die eigentliche Nutzung entfallen nur 40 Prozent der gesamten Emissionen“, berichtet Alexander Jauns, Geschäftsführer der Green IT Solution GmbH. Da liegt der Gedanke doch nahe, jene Hardware so lange wie nur möglich nutzen, damit die Öko-Bilanz zumindest einigermaßen positiv ausfällt. Denn anstatt sich immer gleich nach einem Ersatz umzuschauen, wenn beispielsweise die Performance schwächelt, kann es sich lohnen, „Zeit für Wartung und Diagnose in bestehende Systeme zu investieren“, rät Jauns. Manchmal ist es völlig ausreichend, einzelne Bestandteile wie eine schnellere Grafikkarte, Festplatte oder einen neuen Prozessor einzusetzen, um das Leistungsniveau wieder anzuheben. „Bei Kundenprojekten konnten wir immer wieder feststellen, dass die Unternehmen voreilig alte Systeme ersetzen wollten, ohne die Ursachen der Leistungsabfälle eruieren zu haben“, so der Green-IT-Solution-Geschäftsführer. Hinzu kommt, dass, „die Technik einen Leistungslevel erreicht hat, auf dem auch ältere Geräte für den normalen Büroalltag völlig ausreichend sind“, führt Michael Bleicher, Geschäftsführer der BB-Net Media GmbH an. Die Langlebigkeit der Produkte ist aus technischer Sicht also durchaus ge­geben.

Dies entspricht aber so gar nicht der heutigen Konsumgesellschaft – getrieben von Herstellern und Produktvermarktern. „Die Gründe, warum Technik in Unternehmen ausgetauscht wird, sind vielfältig und haben oft nichts damit zu tun, dass die Geräte oder die Technologie an sich überholt bzw. nicht mehr zeitgemäß ist“, so Jauns. Vielmehr spielen dabei etwa steuerliche Gründe oder interne Firmenrichtlinien eine Rolle, wie er weiter ausführt. Auch feste Updatezyklen der IT können dazu führen, dass sich Unternehmen für neue Hardware entscheiden. An dieser Stelle ist es ratsam zunächst genau zu definieren, was wirklich benötigt wird und auch der Vergleich zwischen neuer und gebrauchter Hardware kann lohnenswert sein.

Elektroschrott reduzieren


Doch wohin nun mit den ausrangierten Geräten, die ja keinesfalls wertlos sind? Die Zusammenarbeit mit einem zertifizierten Entsorgungsfachbetrieb, der sich auf das Recycling und die Wiederaufbereitung sowie den Verkauf spezialisiert hat, ist empfehlenswert. „Nur so sind die fachgerechten Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte gewährleistet und die Geräte tauchen sicher nicht auf Mülldeponien in Entwicklungsländern auf“ rät Ilka Harbich, Managerin Business Develop bei Sims Lifecycle Services. Denn in der Vergangenheit ist es nicht selten zum sogenannten Mülltourismus gekommen, bei dem als Gebrauchtgeräte deklarierte Hardware über illegalen Export nach Afrika oder Indien verschifft wurde. Das Problem dabei war nicht vorrangig die Tatsache, dass ein Großteil der Geräte dem europäischen Wirtschaftskreislauf entzogen wurde, sondern vielmehr die Bedingungen unter denen die Arbeitskräfte vor Ort mit zum Teil hochgiftigen Wertstoffen in Berührung gekommen sind.

Darüber hinaus ist die unwiederbringliche Löschung aller Daten ein besonders wichtiger Aspekt, der bei der Auswahl des Entsorgers, berücksichtigt werden muss. Weil sich die meisten gelöschten Daten mehr oder weniger aufwendig wiederherstellen lassen, ist hier Sorgfalt geboten. „Bei der Datenvernichtung muss der Dienstleister in der Lage sein, die Daten nach den bestehenden nationalen und internationalen Standards zu vernichten. Dies kann durch professionelle Lösch-Software mittels Mehrfachüberschreibung oder durch die physikalische Vernichtung der Datenträger erfolgen. Der Kunde sollte Wert auf einen transparenten Prozess und eine vollständiges Reporting legen“, gibt Ilka Harbich zu bedenken.

Die Vorgehensweisen mit ausrangierten Altgeräten lassen sich grob in drei Kategorien einordnen: Die Aufbereitung noch funktionierender Geräte, die Verwertung einzelner Komponenten bis zur Zerlegung und Rückgewinnung nicht mehr brauchbarer Hardware.

An erster Stelle steht die Aufbereitung sowie der Weiterverkauf, weil „das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) es als höchstes Gut benennt, wenn Ware wieder in den Zweitmarkt kommt und erneut verwendet wird“, berichtet Michael Bleicher. Sämtliche Komponenten der Hardware werden dazu getestet. Was nicht einwandfrei funktioniert oder veraltet ist, wird ausgetauscht. „Dazu erfolgt eine optische Aufbereitung, ein neues Betriebssystem und schon haben wir ein hochwertiges Verkaufsgut“, ergänzt der Bb-net-Media-Geschäftsführer.

Ressourceneffizienz ist gefragt


Sowohl Privatpersonen als auch Mittelständler, bei denen das Budget beim Hardware-Einkauf eine Rolle spielt, haben sich mit dem Thema „Gebrauchte Hardware“ auseinandergesetzt. „Zugegeben ist die Nachfrage im Vergleich zum gesamten Investitionsvolumen im IT-Markt eher gering. Das ist aber dem Umstand geschuldet, dass viele Entscheidungsträger in den Unternehmen solche Möglichkeiten gar nicht kennen oder aufgrund von falschen Vorurteilen nicht in Betracht ziehen“, schätzt Jauns die Situation ein.

Als Alternative zum Verkauf bieten sich auch Spenden an. „Allerdings sollte man nicht zu vorschnell handeln, denn es gibt einige Fallstricke zu beachten. Ein wichtiger Punkt ist die Lizenzierung von Software wie Betriebssystemen. Der Segen eines gespendeten Computers kann für eine gemeinnützige Stelle schnell zum Fluch werden, wenn Vorwürfe illegaler Raubkopien aufkommen“, rät Michael Bleicher zur Vorsicht. Ist ein Gerät defekt oder die Wiederaufbereitung nicht lohnenswert, verbergen sich meist noch funktionierende Einzelkomponenten, die etwa zu Reparaturzwecken verwendet werden können, sowie wertvolle Rohstoffe darin. Michael Bleicher schätzt, dass es sich um etwa zehn Prozent Edelmetalle und besondere Rohstoffe handelt, die zur Rückgewinnung in Frage kommen.
Dass vermeintlicher Elektroschrott bares Geld wert sein kann, bewies der Umweltbericht von Apple im Frühjahr 2016: Demnach konnte im vergangenen Geschäftsjahr durch das Recycling von ausgemusterten Geräten rund eine Tonne Gold gewonnen werden.

Viel wichtiger als der monetäre Gewinn, ist allerdings die Tatsache, dass der Abbau bzw. die Vernichtung von Elektroschrott deutlich belastender für die Umwelt ist, als die Rückgewinnung von Sekundärrohstoffen. Die Wiederverwendung und das Recycling gebrauchter Computer-Hardware gewinnen an Interesse. Vor allem deshalb, weil das Thema Ressourceneffizienz in den letzten Jahren beispielsweise aufgrund massiver Preissteigerungen auf dem Rohstoffmarkt und schwindenden Vorkommnisse zentraler geworden ist. „Gebrauchte Hardware ist mittlerweile salonfähig. Die Gründe dafür sind neben dem geringen Investitionsaspekt auch die sehr gute Qualität und das Thema Nachhaltigkeit“, so Ilka Harbich. Nicht nur der Umwelt zliebe sollten Unternehmen also besser zweimal nachdenken, bevor das zwei Jahre alte Smartphone ausrangiert wird.


Sammeln und recyceln

Seit rund einem Jahr arbeitet der NABU (Naturschutzbund Deutschland) mit Telefónica Deutschland beim Thema Altgeräterückgabe zusammen. Mehr als 100 Millionen ausrangierte Handys, Smartphones und Tablets schlummern in deutschen Haushalten. Umweltgerecht aufbereitet können solche Geräte dringend benötigte Ressourcen wie Gold, Silber, Palladium und Kuper dem Markt zuführen. Fachmännisch aufbereitet haben sie als Gebrauchtgerät großes Potential.

Um die Rohstoffrückgewinnung und die Wiederaufbereitung so einfach wie möglich zu gestalten, stellt O2 einfache Sammelmöglichkeiten zur Verfügung. Um die professionelle und zertifizierte Vernichtung etwaiger persönlicher Daten kümmert sich der Mobilfunkbetreiber. Geschäftskunden können eine eigene Sammelbox bestellen und diese mit mindestens 30 Geräten abholen lassen. Für jedes abgegebene Gerät spendet O2 einen Betrag an den NABU, der in Naturschutzprojekte investiert.


Bildquelle: Thinkstock/iStock

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