Ralph Haupter gibt einen Ausblick

IT-Trendthemen 2012

Welche großen Trendthemen stehen 2012 auf der Agenda? Welche Ideen und kreativen Konzepte schaffen es im kommenden Jahr nicht nur in der IT-Welt, sondern auch in Wirtschaft und Gesellschaft neue Impulse zu setzen? Ralph Haupter, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, gibt einen Ausblick über interessante Trendaspekte:

Ralph Haupter,  © Microsoft Deutschland

Ralph Haupter, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, über IT-Trends für 2012.

Vernetzte Geräte: Smart Systems und das Internet der Dinge

In der Hauptstadt des Vereinigten Königreiches twittert die Themse fröhlich ihren Wasserstand, die berühmte Tower Bridge teilt mit, wann sie ihre Schranken für Schiffe öffnet und wieder schließt – und Londons Taxifahrer danken es ihr. Es ist faszinierend. Bald wird jede Energiesparlampe ihren Status melden, jedes Auto Standort und Vektoren. Und selbst der berühmte Internetkühlschrank kommt zu späten Ehren, wenn er automatisch Milch auf den digitalen Einkaufszettel setzt, der in Supermarktnähe auf dem Smartphone aufpoppt. 50 Milliarden Geräte sollen laut Cisco bis 2020 im „Internet der Dinge“ vernetzt sein und produzieren eine Datenmenge, die uns technologisch vor neue Herausforderungen stellt und damit weitere Trends bedingt: Big Data und Cloud Computing.

Von Business Intelligence zu Prognostik: Big Data und Extreme Information Processing

Ähnlich wie die Rechenpower wächst die Datenmenge exponentiell. Laut IDC verdoppelt sich das weltweite Datenvolumen etwa alle 18 Monate. Einerseits ermöglicht die Masse an Daten neue Erkenntnisse, andererseits ist sie immer schwerer beherrschbar. Anwender verbringen mehr Zeit mit der Suche nach Informationen als mit deren Analyse. Unternehmen sind davon abhängig, nahezu in Echtzeit die richtigen Entscheidungen auf Basis valider Analysen treffen zu können.

Produktivitätsvorteile und Wertschöpfung entstehen dann, wenn wir in diesem Kontext Business Intelligence auf Abruf organisieren können und damit beginnen, Big Data für kluge Prognostik und schlaue Kundenservices zu nutzen. Das allerdings setzt extreme Rechenpower voraus, die nur mit den skalierbaren Kräften des Cloud Computing darstellbar ist.

IT aus der Steckdose: Cloud Computing und Virtualisierung

Das Thema Cloud Computing wird uns noch eine Weile beschäftigen, und das ist auch gut so. Denn erstens haben wir längst noch nicht hinreichend begriffen, wie wir mit nahezu unbegrenzter Rechenpower kreativer, kommunikativer, innovativer, produktiver und effizienter werden können, obwohl die Technik schon längst bereitsteht. Zweitens gilt es aufzuklären, dass der Weg in die Cloud nicht nur über eine „Entweder-Oder-Entscheidung“ führt. Vielmehr lassen sich längst individuelle Anforderungen an Cloud Services und Softwarelösungen auch in IT-Strategien einbinden, die die eigene Infrastrukturen mit berücksichtigen. Drittens gilt es schließlich, die Themen Datenschutz und Sicherheit in der Cloud offensiv anzugehen. Hier haben wir die Führung im Cloud Computing übernommen.

Consumerization of IT

Aus Business-Perspektive beschreibt der Ausdruck Consumerization of IT nichts weniger als den Einzug „privater“ IT-Nutzungsgewohnheiten an den Arbeitsplatz. Was, wenn der Geschäftsführer die neuesten Zahlen auf seinem neuen Tablet lesen will oder wenn Mitarbeiter ihr privates Smartphone für den beruflichen Mailverkehr nutzen wollen? Beispiel Social Web – für uns als Privatpersonen eine Selbstverständlichkeit, aber im Unternehmen unter dem Stichwort „Enterprise 2.0“ auch eine Herausforderung. So werden zwar ganz neue Beziehungen innerhalb des Unternehmens und zu Kunden, Lieferanten und der Öffentlichkeit gestiftet. Doch die Kommunikationsfreiheit stößt an Grenzen, wenn sensible Informationen oder Sicherheitsbestimmungen betroffen sind. Wie wir als Unternehmen mit dem Phänomen umgehen können, entscheidet langfristig auch über unsere Wettbewerbsfähigkeit.

Corporate Technical Responsibility

Wenn neue IT-Technologien die Art und Weise verändern, wie wir als Menschen, als Unternehmen und als Gesellschaft miteinander leben, lernen, arbeiten und kommunizieren – in welcher besonderen Verantwortung stehen dann die Unternehmen, die sie ermöglichen? Diese besondere Verantwortung bezeichne ich als „Corporate Technical Responsibility“ (CTR), ein Begriff, unter dem wir bei Microsoft eine gesellschaftliche Debatte angestoßen haben, die weiter an Fahrt gewinnt. Wie steht es um die Verantwortung mit Daten und Identitäten, wie um die Sicherheit in Anwendung und Bereitstellung neuer IT-Technologien? Wie steht es um deren Marktzugänglichkeit und wie gewährleisten wir Transparenz in der Kommunikation und Aufklärung? Aus meiner Sicht befindet sich die IT-Wirtschaft in Deutschland am Rande einer Vertrauenskrise und muss eine noch aktivere Rolle in öffentlichen Debatten einnehmen, muss erklären und überzeugen – dafür setzen wir uns ein.

Bildquelle: © Microsoft

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