Kommentar von Rüdiger Baumann, Zimory

Jeder macht, was er will

Kommentar von Rüdiger Baumann, CEO von Zimory, über notwendige Standards im Cloud-Computing-Geschäft

Rüdiger Baumann, Zimory

Rüdiger Baumann, Zimory

Würde die TK-Industrie so arbeiten wie die IT-Industrie, dann könnten wir heute nicht problemlos über Ländergrenzen hinweg telefonieren und Daten austauschen. Die Endgeräte wären deutlich teurer und weniger leistungsfähig. Der Telefonie-Markt wäre ein komplett anderer – geprägt von Monopolisten und eingeschränktem Umsatzpotential. Dass das weltweite mobile Telefonieren heute so normal ist, ermöglicht vor allem der GSM-Standard.

Was hat das mit Cloud Computing zu tun? Cloud Computing ist eine der wichtigsten technologischen Entwicklungen der letzten Jahre, die den Umgang mit IT-Ressourcen schon in naher Zukunft revolutionieren wird. Es bietet fantastische Möglichkeiten, die Agilität der IT-Infrastruktur zurückzuerobern und gleichzeitig die Explosion der IT-Kosten in den Griff zu bekommen. Flexible Nutzungs- und Zahlungsmodelle verbunden mit einer großen Auswahl an Angeboten verschiedener Provider: Für jeden Service das Angebot nutzen zu können, welches hinsichtlich Kosten oder Qualität am besten passt – das sind die Freiheiten, die ein CIO braucht. Doch völlig verschiedene, kaum zu vergleichende Cloud-Angebote mit unterschiedlichen Schnittstellen, Service Level Agreements und Vertragsbedingungen erschweren die Auswahl. Langwierige Auswahlprozesse und Verhandlungen erdrücken jede Flexibilität. Kein Wunder, dass der Cloud-Markt nur schwer in Schwung kommt. Das Problem lässt sich leicht zusammenfassen: Es fehlen Standards. Entscheidungsträger zögern, wissen nicht, ob sie dem Hype um Cloud Computing trauen können. Der Markt muss hier mit einheitlichen Schnittstellen und vergleichbaren Cloud-Services Sicherheit schaffen und die Portabilität zwischen verschiedenen Providern ermöglichen.

Es ist Zeit, neutrale Standards für die Cloud zu schaffen. Leider sind die Diskussionen in den Standardisierungsgremien zäh und geprägt von industriellen und politischen Interessenkonflikten. Das Ergebnis bisher: schwache Kompromisslösungen. Hier wird noch viel Engagement notwendig sein. Neue Ansätze sind deshalb gefragt: Wie wäre etwa ein neutraler, herstellerunabhängiger Handelsplatz, an dem sich Angebot und Nachfrage gleichberechtig gegenüberstehen und wo Services zu vergleichbaren und fairen Konditionen gehandelt werden?  Ein solcher Marktplatz hätte den Vorteil, dass er neutrale Standards und ausgewogene Konditionen zwischen den Handelspartnern mit sich bringt. Der Ein- und Verkauf von Cloud-Kapazitäten könnte genauso schnell und sicher wie der Handel von Aktien an einer Wertpapierbörse funktionieren.

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