Herausforderungen meistern

Kernprozesse in der Wolke

Bislang laufen nur 10 bis 15 Prozent geschäftskritischer ­Applikationen in der Cloud. Welche Herausforderungen muss man meistern, um auch solche Applikationen ­erfolgreich in der Wolke zu betreiben?

Wolke, Bildquelle: Thinkstock/Hemera

Besitz ist längst nicht mehr das A und O des Erfolgs: Unternehmen nutzen Infrastruktur, Plattformen und Software zunehmend als Services aus der Cloud. Wie Bausteine setzen sie eine Dienstleistung auf die andere. Sie beziehen Rechenleistung, Speicherplatz, Datenbanken, Office- und Desktop-Anwendungen wie Strom aus der Steckdose. Alles ist standardisiert, replizierbar, skalierbar, messbar und wird vom Provider transparent in Rechnung gestellt. Im Allgemeinen wird nach Verbrauch bezahlt. Oder die Anwender entrichten einen Preis pro Arbeitsplatz und Monat für ein ERP-System, das sie aus dem Appstore eines IT-Dienstleisters beziehen.

Aber was ist mit den geschäftskritischen Kernanwendungen eines Großunternehmens, beispielsweise einer Versicherung oder einer Bank? Sie sind als interne Eigenentwicklungen meist hochkomplex und nicht standardisiert. Dennoch lohnt es sich auch hier, die Vorteile der Cloud – unter Beachtung einiger Besonderheiten – auszunutzen.

Bei sensiblen Applikationen kommt es vor allem auf die Hochverfügbarkeit mit minimalen Ausfallzeiten an. Obwohl es in der Cloud deutlich weniger Ausfälle gibt, wirken diese sich dafür meist viel gravierender aus, da ohne besondere Absicherung alle Nutzer des Cloud-Services betroffen sind und die Fehlersuche deutlich komplexer ist. Mit teilweise fatale Folgen: Fällt während des boomenden Weihnachtsgeschäfts das Warenwirtschaftssystem aufgrund eines falschen Datenbankeintrages für wenige Stunden komplett aus, kann das ein Großunternehmen finanziell stark belasten und zu Unverständnis bei Mitarbeitern und Kunden führen.

Die Telekom beispielsweise hat einen Weg gefunden, um die Ausfallsicherheit dauerhaft zu erhöhen. Dazu verfolgt sie eine Strategie mit doppeltem Boden. Grundlage ist die Segmentierung der Cloud-Infrastruktur: Dabei werden die Arbeitsplätze in den Telekom-Shops über verschiedene Segmente an die IT-Infrastruktur angebunden, wobei jeweils rund 20 Prozent einem Segment zugeordnet sind. So stehen den Mitarbeitern auch dann, wenn ein Segment ausfällt immer noch die Rechner in den anderen Sektoren zur Verfügung. Dank der Virtualisierung können sie sogar während des Kundengesprächs per „Sessionroaming“ den Arbeitsplatz wechseln. Für den Fall, dass die virtualisierten Arbeitsplatzsysteme aus der Cloud nicht erreichbar sind, z. B. bei einem Netzausfall, stehen noch einige Fat Clients als Notfalllösung bereit.

Als weitere Herausforderung eines Cloud-Anbieters gilt es, die über Jahre gewachsenen Legacy-Systeme des Anwenders in die service-orientierte Applikationslandschaft zu integrieren und die bestehende Software-Infrastruktur cloud-fähig zu machen. Dieser Aufwand ist erforderlich, um einen weiteren Vorteil der Cloud zu erzielen: die Reduktion von Komplexität. Kritische Anwendungen lassen sich nicht ohne Weiteres mit festen Schnittstellen einkaufen. Das führt gegenüber unkritischen Standarddiensten aus der Wolke zu einer höheren Preiskurve. Doch auch wenn es anfangs nicht immer danach aussieht, am Ende machen sich die Grundarbeiten bezahlt. Trotz des Aufwands für Fallback-Szenarien in der Cloud, um Applikationen hochverfügbar zu machen und in die vorhandene IT-Architektur zu integrieren, können Unternehmen bis zu 30 Prozent ihrer Betriebskosten einsparen.

Neben der Verfügbarkeit und der Integrationsfähigkeit ist Datensicherheit die dritte Herausforderung, der sich IT-Verantwortliche in der Cloud stellen müssen. Große Dax-Konzerne verzeichnen täglich eine riesige Anzahl größtenteils automatisierter Angriffe auf die eigenen Systeme. Wer auf diese Bedrohungen keine guten Antworten parat hat, sollte sich gut überlegen, ob er seine kritischsten Daten in eine Cloud-Umgebung geben will.

Hier ist festzuhalten, dass die meisten Großunternehmen einen Paradigmenwechsel durchführen müssen. Nur wenn offen im Verbund über Sicherheitsrisiken gesprochen wird, können Maßnahmen ergriffen werden, die allen helfen. Wird weiterhin nur auf die eigene IT geschaut, wird sich nichts ändern. Werden allerdings im Verbund Informationen zu Sicherheitsvorfällen ausgetauscht, können alle Mitglieder proaktiv geschützt werden. Die Aktionsgeschwindigkeit im Netzwerk muss gegen die Bedrohungen eingesetzt werden, beispielsweise durch gegenseitigen Austausch der IP-Adressen der Angreifer. Wird ein Angriff von einem privaten Rechner von Kunden registriert, stehen Provider in der Pflicht, dem Kunden zu helfen. Im ersten Schritt muss der Kunde informiert werden, dass er wahrscheinlich unwissend Schadsoftware auf seinem Rechner hat, und im zweiten Schritt muss ihm bei der Beseitigung und dem künftigen Schutz vor weiteren Schädlingen geholfen werden.

 

Süße Fallen aufstellen
Rund 90 über den Globus verteilte „Honeyspots“ sollen Hacker in eine Falle locken. Attackiert der Angreifer einen solchen Spot statt des eigentlichen Ziels, ist seine IP-Adresse bekannt und das eigentliche Ziel kann vor Angriffen dieser IP geschützt werden. Langfristig können Angriffsmuster von Hackern studiert werden, auch geografisch: Die meisten Angriffe werden aus Russland, China und Deutschland registriert.
Im Internet: www.sicherheitstacho.eu

 

Bildquelle: Thinkstock/Hemera

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