Michael Page, Vertriebsleiter bei Aastra Deutschland
IT-DIRECTOR: Herr Page, welchen Stellenwert besitzt die telefonische Kommunikation in deutschen Großunternehmen aktuell im Vergleich zu anderen Kanälen wie E-Mail, Instant Messaging oder sozialen Netzwerken?
M. Page: Natürlich läuft aktuell ein großer Teil der täglichen Kommunikation über Medien wie E-Mail, Instant Message & Co. ab. Das Telefon ist aber nach wie vor für viele Personen die erste Wahl, wenn persönliche, wichtige und eilige Dinge kommuniziert werden müssen. Diese persönlichere Komponente des Kontaktes wird im Geschäftsleben immer ein wichtiger Faktor bleiben. In den kommenden Jahren werden sich allerdings noch stärker Videolösungen durchsetzen. Die tägliche, persönliche Kommunikation erweitert sich dann um ein Bild.
IT-DIRECTOR: Blickt man auf aktuelle UC-Projekte – auf welche Art und Weise telefonieren die Mitarbeiter bevorzugt: mit Software-UC-Client (Softclient) und Headset, mit klassischem oder schnurlosem IP-Telefon?
M. Page: Wir beobachten deutlich, dass in den meisten Unternehmen noch klassische oder DECT-Telefone den Ton angeben. Softclients spielen insgesamt eine eher kleine Rolle. Dennoch verzichten viele Mitarbeiter nicht auf ein Headset: Sie schließen es über entsprechende Schnittstellen einfach an ihr Telefon – ob schnurgebunden oder schnurlos – an.
IT-DIRECTOR: Welche Vor- und Nachteile sprechen für die Nutzung von Headsets beziehungsweise von IP-Telefonen?
M. Page: Wichtigster Vorteil von Headsets ist sicherlich, dass die Mitarbeiter beide Hände beim Telefonieren frei haben. Sie können sich während des Gesprächs Notizen machen oder parallel im Internet nach Informationen recherchieren. Je nach Headsets kann es allerdings sein, dass die Tonqualität im Vergleich zum Telefonhörer geringer ausfällt. Wir statten unsere Telefone mit der Firmware „Aastra Hi-Q“ aus. Sie basiert auf dem Breitbandcodec G.722 und erhöht die Sprach- und Klangqualität spürbar. Sowohl der Telefonhörer als auch Headset-Anschlüsse und Freisprecheinrichtungen sind so konzipiert, dass Hi-Q optimal zum Tragen kommt.
IT-DIRECTOR: Wie wichtig ist den Anwenderunternehmen das Design der IP-Telefone? Wie wichtig die Ergonomie?
M. Page: Sowohl das Design als auch die Ergonomie der Endgeräte haben einen gewissen Einfluss auf die Entscheidung, für welches Kommunikationssystem sich ein Unternehmen entscheidet. Vor allem das Display sollte gut ablesbar sein. Wichtiger aber sind Punkte wie intuitive Bedienungsführung und hohe Leistungsvielfalt. Die Anwender möchten möglichst viele Funktionen, die sie ohne Schulungsaufwand nutzen können.
IT-DIRECTOR: Wie ist es generell um die Sprachqualität bei Unified Communications bestellt? Welchen Einfluss haben die eingesetzten UC-Endgeräte auf die Sprachqualität?
M. Page: Die Sprachqualität bei UC-Projekten hängt maßgeblich von zwei Faktoren ab: den Endgeräten bzw. der eingesetzten Hardware sowie der Netzqualität. Man benötigt eine gewisse Bandbreite, um Voice-over-IP-Projekte mit einer guten Sprachqualität zu gewährleisten. Gleichzeitig sollten die Endgeräte möglichst Breitbandcodecs unterstützen. Sowohl Hörer, Freisprecheinrichtung und Headset-Anschlüsse müssen entsprechend ausgestattet sein.
IT-DIRECTOR: Welche Merkmale und Funktionalitäten sollten IP-Telefone für den Business-Einsatz auf jeden Fall aufweisen können? Auf welche Features können Anwender in der Regel eher verzichten?
M. Page: Welche Funktionen wichtig sind hängt ganz vom Anwender ab. Generell kann man sagen, dass sich die Nutzer in Deutschland traditionell an eine Vielzahl von Features gewöhnt haben. IP-Systemtelefone bieten daher in der Regel ein Gesamtpaket an, vom Besetzlampenfeld bis zur Chefsekretär-Funktion. SIP-Telefone, also Telefone, die dank des offenen Standards SIP auch an Telefonanlagen anderer Hersteller funktionieren, haben dagegen in der Regel eine weitaus geringere Vielfalt an Funktionalitäten. Angeregt durch die Nachfrage haben aber Hersteller wie wir die Grundfunktionen von SIP-Endgeräten erweitert, so dass sie mittlerweile ein ähnlich breites Leistungsspektrum wie IP-Systemtelefone bieten.
IT-DIRECTOR: Über welche Zertifizierungen bzw. Standards sollten die UC-Endgeräte verfügen?
M. Page: Zertifizierungen für Telefone gibt es für spezielle Unternehmensanwendungen bzw. Umgebungen, in denen sie eingesetzt werden. So haben unsere Telefone 6725ip und 6721ip beispielsweise eine Microsoft-Lync-Zertifizierung. Damit wird gewährleistet, dass sie den von den Redmondern genau vorgegebenen Leistungsumfang erfüllen.
IT-DIRECTOR: Betrachtet man die Investitionen in ein UC-Projekt – wie viele davon fallen auf die Beschaffung, Einführung und den Betrieb bzw. die Wartung der Softclients/Headphones bzw. IP-Telefone?
M. Page: Das hängt ganz vom Umfang einer UC-Installation ab, also davon, wie viele zusätzliche Funktionen neben der reinen Telefonie in diesem Projekt realisiert werden sollen. Je umfassender der UC-Gedanke umgesetzt wird, desto geringer fällt natürlich der Kostenanteil der Telefonie aus. Die Kostenspanne von Beschaffung, Einführung, Betrieb und Wartung der Telefone liegt dabei je nach Projekt zwischen 30 und 80 Prozent.
IT-DIRECTOR: Welche Unterschiede hinsichtlich der Anschaffungs- und Betriebs-/Wartungskosten gibt es zwischen Headset, klassischem oder schnurlosem IP-Telefon?
M. Page: Das ist pauschal schwer zu beantworten. Es gibt sowohl bei Telefonen als auch bei Headsets unterschiedliche Qualitäten, von Basis über Comfort bis Premium. Vergleicht man beispielsweise zwei Produkte jeweils aus dem Premiumbereich, so gibt es preislich keinen gravierenden Unterschied.
IT-DIRECTOR: Wie sieht die Lebensdauer von Headphones bzw. IP-Telefonen aus – insbesondere im Verhältnis zu anderen im Unternehmen vorhandenen Hardwarekomponenten?
M. Page: Die Lebensdauer von Telefonen und Headsets hängt natürlich ebenfalls von der Qualität der jeweiligen Produkte ab. Tendenziell ist ein Telefon aber langlebiger als ein Headset. Im Vergleich zu anderen Hardwarekomponenten – also beispielsweise einem PC oder Laptop – halten Telefone länger.