Ralf Benzmüller, Leiter der G Data SecurityLabs
IT-DIRECTOR: Herr Benzmüller, durch welche Angriffe von Viren, Trojanern oder Würmern wurde die Sicherheit der Unternehmens-IT zuletzt besonders stark gefährdet?
R. Benzmüller: Unternehmen sind ständig Gefahren ausgesetzt. Der kontinuierliche Strom an neuen Bots, Spionageprogrammen, Adware und gefälschten Virenschutzprogrammen setzt auch Betrieben stark zu. Für Unternehmen stellen aber Würmer wie Conficker, die sich im lokalen Netzwerk verbreiten und einfache Passwörter nutzen, um Zugang zu Freigaben zu erhalten, eine spezielle Gefahr dar. Immer mehr Unternehmen werden auch gezielt angegriffen, um persönliche Daten von Kunden oder vertrauliche Firmeninformationen auszuspähen. Eine weitere Gefahrenquelle sind die Webauftritte von Firmen. Immer wieder werden Webapplikationen angegriffen, um die Zugangsdaten zu Webseiten zu erbeuten oder die Funktionen der Webseite zu missbrauchen, um so Daten zu stehlen oder Schadcode auszuliefern.
IT-DIRECTOR: Welcher Methoden und Technologien bedienen sich die Angreifer dabei? Mit welchen Raffinessen gehen sie vor?
R. Benzmüller: Die gängigsten Angriffsmethoden auf Webserver sind u.a. das Ausnutzen von Sicherheitslücken (Cross Site Scripting), das Verändern von Webanwendungen (Session Riding), Code Injection (Einschleusen von Schadcode) und Wörterbuchangriffe, die auf Logins mit schwachen Passwörtern zielen. Die Angriffe sind dabei oft gezielt und werden immer raffinierter: Häufig werden Sicherheitslücken in aktuellen Dokumentenformaten (z.B. Word, Excel, PDF) oder Multimediadateien ausgenutzt.
Technisch ausgereift sind auch die gezielten Angriffe. Oft werden im Vorfeld Informationen über die Firma und ihre Mitarbeiter aus sozialen Netzwerken wie Facebook, LinkedIn etc. zusammengetragen. Die entsprechenden Mitarbeiter bekommen dann Bewerbungen, Angebote, Mahnungen, die im Hintergrund Sicherheitslücken ausnutzen, um Spionageprogramme zu installieren. Diese Programme durchsuchen das gesamte Netzwerk nach interessanten Informationen, installieren sogenannte Keylogger und tarnen sich mit Rootkits, die sich immer tiefer im System festsetzen – neuerdings sogar im Bios.
IT-DIRECTOR: Welche sind die häufigsten Einfallstore in die Unternehmen?
R. Benzmüller: Momentan sind Webseiten der häufigste Infektionsweg. Dateianhänge in E-Mails spielen bei Cyberkriminellen keine große Rolle mehr. Dagegen stehen URLs, die auf mit Schadcode verseuchte Webseiten verweisen, im Fokus der Täter. Immer häufiger werden auch die Autostartmechanismen von USB-Sticks und anderen USB-Datenträgern zur Verbreitung von Schadprogrammen genutzt.
IT-DIRECTOR: Wie können solche undichten Stellen am besten und schnellsten geschlossen werden?
R. Benzmüller: Die Autostartfunktion von Windows sollte möglichst deaktiviert sein. Gegen USB-Sticks gibt es Software zur Gerätekontrolle. Gegen schädliche Webseiten helfen Webfilter und Securitylösungen, die den HTTP-Datenverkehr überwachen. Daneben sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter schulen und sie so für die Thematik sensibilisieren.
IT-DIRECTOR: Mit welchen Abwehrmechanismen können die Sicherheitsverantwortlichen ihre Unternehmens-IT – kurz- und langfristig – am besten vor Attacken schützen?
R. Benzmüller: Ein Unternehmen kann nur durch aufeinander abgestimmte Sicherheitskomponenten geschützt werden. Dabei ist eine umfassende und leistungsstarke Sicherheitslösung für Unternehmen die beste Möglichkeit, um das Unternehmen gegen Angriffe und Schadprogramme abzusichern. Die technischen Lösungen müssen durch eine durchdachte Sicherheitsarchitektur und adäquate Nutzerrichtlinien (Policies) ergänzt werden.
IT-DIRECTOR: Wie sollten Sicherheitsverantwortliche reagieren, wenn ein Angriff erfolgreich war und Unbefugten der Zugriff auf Netzwerke und Daten ermöglicht wurde? Wie kann man schnell für Schadensbegrenzung sorgen?
R. Benzmüller: Zunächst einmal gilt es die Attacke bzw. den vermeintlichen Schaden abzuschätzen. Dann ist es sinnvoll, die betroffenen Rechner vom Netz zu nehmen. Im nächsten Schritt sollte eine ausgiebige Analyse erfolgen, mit der die Tragweite des Schadens und einzuleitende Maßnahmen ermittelt werden können. Daneben sollten auch der CISO, der Datenschutzbeauftragte und die Unternehmensleitung informiert werden. Eventuell muss die Information auch an Kunden und die zuständigen Behörden weitergegeben werden.