Cyber-Attacken: Interview mit Jürgen Venhorst, Proofpoint

Kühlschrank verschickt Spam

Interview mit Jürgen Venhorst, Director Mid Enterprise & Channel Sales EMEA beim ­Security-as-a-Service-Anbieter Proofpoint, darüber, dass Cyberkriminelle in Zukunft immer mehr „smarte“ Geräte für ihre Attacken nutzen

Jürgen Venhorst, Proofpoint

Jürgen Venhorst von Proofpoint

IT-DIRECTOR: Herr Venhorst, das Internet of Things (IoT) bietet reichlich Potential hinsichtlich der Steuerung von Alltagsgegenständen. Doch kürzlich wurde eine mögliche IoT-basierte Attacke auf jene Geräte bekannt. Wie lässt sich solch ein Angriff nachweisen?
J. Venhorst:
Weltweit untersuchen wir große Spam- und Phishing-Kampagnen. Die Daten stammen sowohl von unseren Kunden als auch von eigenen Netzwerken. Dabei schauen wir uns zunächst ganz genau an, welche IP-Adressen der Absender verwendet hat – wurden gefälschte IPs genutzt oder geben sie Auskunft über die Herkunft? Bei der kürzlich aufgedeckten IoT-Attacke sprachen die Daten für sich und gaben u.a. einen Kühlschrank als Absender preis.

IT-DIRECTOR: Welche Wellen hat das Bekanntwerden der Attacke geschlagen?
J. Venhorst:
Bisher haben Experten nur theoretisch von Sicherheitsrisiken in Verbindung mit Smart-Home- und Internet-of-Things-Netzwerken gesprochen. Dies ist die erste IoT-basierte Attacke, die tatsächlich nachgewiesen werden konnte. In der Regel wurden hierbei dreimal täglich 100.000 E-Mails an Unternehmen und Privatpersonen verschickt. Dabei kamen 25 Prozent des Gesamtvolumens von IoT-Geräten. Im Vergleich zu anderen Phishing-Kampagnen ist das eher eine geringe Zahl. Cyberkriminelle werden aber in Zukunft immer mehr Smart Devices für ihre Attacken nutzen.

IT-DIRECTOR: Warum sind die mit dem Internet verbundenen Geräte wie Heimnetzwerkrouter, Fernseher oder Kühlschrank so leicht angreifbar?
J. Venhorst:
Weil sie in der Regel gar nicht oder nur schlecht geschützt sind. 60 bis 70 Prozent der Heimrouter sind beispielsweise noch mit dem Werks- oder einem leicht zu knackenden Konfigurationspassword geschützt. Smart Devices verfügen oftmals über unzulängliche oder gar keine Sicherheitssoftware.

IT-DIRECTOR: Welche Anwender „intelligenter“ Geräte sind bei den Angreifern beliebt?
J. Venhorst:
Generelles Ziel von Cyberkriminellen ist es, Zugang zu sensiblen und wertvollen Daten zu erhalten. Daher sind im Prinzip vor allem Unternehmen jeder Größe, aber auch Privatpersonen gefährdet. Zusätzlich verwischt heute die Grenze zwischen privatem und beruflichem IT-Gebrauch zunehmend – Stichwort „BYOD“ (Bring Your Own Device). So kann Malware aus dem privaten Netzwerk seinen Weg ins Unternehmen finden.

IT-DIRECTOR: Welchen Schaden können IoT-basierte Attacken anrichten?
J. Venhorst:
Auf der einen Seite entsteht für die Unternehmen ein enormer wirtschaftlicher Schaden. Im Durchschnitt liegen die Kosten einer erfolgreichen Attacke bei rund 500.000 Euro. Neben den hohen direkten Kosten spielt aber auch der entstandene Reputationsschaden eine große Rolle. Beispielsweise möchten rund 40 Prozent der Kunden geschäftlich nichts mit Unternehmen zu tun haben, die einer Phishing-Attacke ausgesetzt sind bzw. waren.

IT-DIRECTOR: Welche Sicherheitsmaßnahmen sind zukünftig sinnvoll?
J. Venhorst:
Unternehmen sollten zum einen ihre Mitarbeiter sensibilisieren, aber auch technisch auf dem neuesten Stand sein. Die größte Herausforderung ist die Erkennung der Bedrohung. Intelligente Sicherheitslösungen untersuchen etwa zunächst die Merkmale der üblichen E-Mail-Kommunikation und können dank dieser Big-Data-Analysen schnell Abweichungen erkennen – und zwar bevor sich die Attacke ausbreitet.

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