06.04.2017 So verändert KI die Firmenwelt

Künstliche Intelligenz ist Chefsache

Eine aktuelle Studie von Sopra Steria Consulting geht davon aus, dass Künstliche Intelligenz (KI) heute die Prozesse beeinflusst und morgen die gesamte Unternehmensstrategie verändern wird.

Wie KI die Unternehmen verändert

Künstliche Intelligenz verändert schon heute die Art, wie Organisationen agieren und Entscheidungen treffen.

Künstliche Intelligenz verändert schon heute die Art, wie Organisationen agieren und Entscheidungen treffen. Sieben von zehn Managern erwarten außerdem, dass KI bis zum Jahr 2025 einen großen bis sehr großen Einfluss auf die Unternehmensstrategie haben wird. Das sind die Kernergebnisse einer Studie, für die Sopra Steria Consulting im Februar 2017 über 200 Geschäftsführer, Vorstände und Führungskräfte aus Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern befragt hat.

In fast jedem zweiten deutschen Unternehmen (46 Prozent) ist Künstliche Intelligenz Chefsache und die Geschäftsführung treibt selbst den Einsatz voran, lautet ein weiteres Ergebnis der Studie. Dabei stellen die Befragten bereits heute deutliche Veränderungen in Form von Kosteneffekten bei Prozessen und Abläufen in fast allen Firmenbereichen fest. Dennoch ist der Einfluss der KI auf die Unternehmensstrategie bei mehr als jedem zweiten Befragten (57 Prozent) noch relativ gering. Nach Ansicht der befragten Führungskräfte wird sich das in Zukunft jedoch deutlich verändern: Mehr als 70 Prozent der Entscheidungsträger prognostizieren für ihr Unternehmen ab 2025 einen großen bis sehr großen Einfluss der KI auf die Firmenstrategie.

„Künstliche Intelligenz kann Innovationen beschleunigen und ganz neue Geschäftsmodelle ermöglichen“, sagt Urs M. Krämer, CEO bei Sopra Steria Consulting. „Wir haben mit unserer Studie festgestellt, dass KI-Lösungen schon heute die notwendige Reife haben, um die Effizienz einzelner Prozesse signifikant zu erhöhen. Jetzt geht es darum, das Thema nicht nur auf der operativen, sondern auch auf der strategischen Ebene anzugehen, um das technologische Potential auszuschöpfen und echten Nutzen für Kunden und Mitarbeiter zu schaffen.“

KI soll den Unternehmen helfen, die stetig wachsende Datenflut zu beherrschen, sagen 41 Prozent der Befragten, ebenso viele setzten auf die Reduzierung von Arbeitskosten. Die Beschleunigung von Prozessen (36 Prozent) und die Verringerung von Routineaufgaben (34 Prozent), sowie die Bewertung von Informationen (31 Prozent) sind weitere häufig genannte Ziele.

Chatbots im Praxiseinsatz

Auch auf der Kundenseite werde das Innovationspotential von KI gesehen: Immerhin 37 Prozent sagen, dass sie ihre Angebote mit Hilfe von KI besser auf Kundenbedürfnisse zuschneiden können. Zudem erhoffen sich die Befragten eine zielgenauere Kundenansprache (34 Prozent) und eine bessere User Experience (30 Prozent). 17 Prozent wollen KI nutzen, um ganz neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.

Derzeit wird KI laut Studie hauptsächlich in Form von Chatbots eingesetzt, bei dem Roboter über Chatfenster einfache Auskünfte erteilen. Die größten Einsatzbereiche der Zukunft werden vor allem in intelligenten Automatisierungstechnologien und digitalen Assistenten gesehen: Jeder Zweite sieht in der Automatisierung (49 Prozent) das größte Potential für die Unternehmensentwicklung, 43 Prozent setzen auf digitale Assistenten. Für jeden Dritten bieten aber auch die Bereiche Knowledge Management Software (37 Prozent) sowie intelligente Sensorik (33 Prozent) große Chancen.

IT (32 Prozent) und Produktion bzw. Operations (30 Prozent) sind momentan die Unternehmensbereiche, in denen KI am häufigsten eingesetzt wird. In beiden Bereichen hat KI einen positiven Einfluss vor allem auf die Kosten. In Zukunft wollen jeweils fast die Hälfte der Befragten (45 Prozent) KI in den Bereichen Kundenservice und Human Resources nutzen, 40 Prozent planen den Einsatz in der Beschaffung.

Sorge um den Datenschutz

Beim Einsatz von KI im eigenen Unternehmen fühlt sich fast jeder zweite Befragte (48 Prozent) derzeit noch von unausgereiften Technologien ausgebremst. Mangelndes Know-how und fehlendes Verständnis für die Möglichkeiten von KI seitens der Mitarbeiter sind für 36 bzw. 40 Prozent der Befragten eine große Herausforderung, und jeder Dritte sorgt sich um den Datenschutz. Bedenken herrschen aber auch wegen eines möglichen Abbaus von Arbeitsplätzen (28 Prozent) und 27 Prozent befürchten KI-basierte Entscheidungen nicht nachvollziehen zu können.

Dennoch will die Mehrheit der Firmen künftig verstärkt in KI-Technologien investieren. Aktuell stehen in mehr als jedem zweiten Unternehmen die Ausgaben für KI mindestens gleichberechtigt neben anderen Investitionen. Sechs von zehn Führungskräften rechnen in den nächsten fünf Jahren mit einem höheren Stellenwert.

Konkrete Handlungsempfehlungen

Parallel zur Studie hat Sopra Steria Consulting gemeinsam mit dem FAZ-Institut den „Managementkompass Künstliche Intelligenz“ veröffentlicht. Dieser zeigt u.a., welche Potentiale künstliche Intelligenz kurz- und mittelfristig bieten kann und welche Vorteile Unternehmen schon jetzt haben. Gleichzeitig verweist er auf mögliche Implikationen von Automatisierungsmaßnahmen für die Arbeitswelt und bietet eine Übersicht über unterschiedliche Anwendungsbereiche wie Vertrieb & Service, Beratung (am Beispiel von Bankberatung), Personalmanagement und Kundendienst.

Mit einer Checkliste können Unternehmen die Roadmap für den Einstieg in KI konkret planen, indem sie ihre eigene Position bestimmen, ihre IT-Infrastruktur auf Tauglichkeit überprüfen und die Unternehmensprozesse darauf abklopfen, inwieweit sie sich für KI-Pilotprojekte eignen. „Was für die gesamte digitale Transformation gilt, lässt sich auf künstliche Intelligenz übertragen: Den größten Nutzen erzielen Unternehmen, wenn sie Aktionismus vermeiden und stattdessen ihre KI-Strategie in ihre Gesamtunternehmensstrategie einbetten“, so Krämer.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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