Lizenzmanagement in virtuellen Umgebungen ist ein Thema, das laufend für Spannung sorgt.
Server als virtuelle Umgebungen zu betreiben, bringt einige Vorteile: eine bessere Auslastung der IT-Kapazitäten, höhere Verfügbarkeit und Flexibilität sowie niedrigere Kosten. Rein technisch gesehen stellt die Bereitstellung einer virtuellen Version von Hardware, Betriebssystem, Anwendung, Speichergerät oder Netzwerkressource keine große Herausforderung mehr dar. Hingegen lassen sich die Kostenvorteile nur dann nachhaltig realisieren, wenn virtuelle Server auch korrekt lizenziert werden. Keine leichte Aufgabe, wie sich in der Praxis zeigt.
Die Lizenzierungsmodelle der IT-Hersteller orientieren sich zum Teil immer noch an den physikalischen Geräten und sind nur bedingt auf virtuelle Umgebungen ausgelegt. Dabei verändern sich virtuelle Serverwelten permanent: Hardware und virtuelle Server werden hinzugefügt oder entfernt und Patches, Upgrades oder neue Softwareversionen installiert. Der einfachste Fall liegt vor, wenn auf der Hardware sämtliche Programme in einer virtuellen Maschine betrieben werden. Hier lassen sich die Lizenzen nach wie vor eindeutig einem Gerät zuordnen. Häufiger aber wird virtualisierte Software zwischen physikalischen Geräten hin und her geschoben. Damit entfällt die eindeutige Zuordnung.
Hinzu kommt, dass Server in den unterschiedlichsten Szenarien virtualisiert werden. Dabei bringt jedes Szenario ganz spezifische Anforderungen an das Lizenzmanagement mit sich. Das reicht von der Installation mehrerer Softwareserver auf einer Hardware bis hin zu umfangreichen IT-Umgebungen, die als Cluster betrieben werden. Dadurch entsteht Spannung im Lizenzmanagement.
Ein typisches Beispiel ist die Lizenzierung von Microsoft Windows Server. Hier kann zwischen mehreren Varianten gewählt werden. Die Datacenter Edition erlaubt den Betrieb einer beliebigen Anzahl virtueller Instanzen und wird auf Basis von Prozessoren und Client Access Licenses (CAL) lizenziert. Lizenz-Compliance setzt u.a. voraus, dass genaue Kenntnisse vorliegen, welche virtuelle Maschine wie viele Prozessoren benötigt und zu welcher Hardware diese Prozessoren gehören. Nicht alle gängigen Softwarelösungen für das Lizenzmanagement sind in der Lage, dies richtig und vollständig zu erkennen und abzubilden.
Seitens der Hersteller erfahren Unternehmen wenig Unterstützung beim Lizenzmanagement: Sie treffen auf Lizenzierungsmodelle, die heterogen, technisch schwierig zu erfassen oder teils für virtuelle Maschinen gänzlich ungeeignet sind. Gebräuchliche Server-Lizenz-Modelle wie PVU oder RVU können auf die Hardware oder eine virtuelle Maschine angewendet werden. Im zweiten Fall müssen Unternehmen nachweisen, auf welchem Gerät die virtuelle Maschine läuft. Dies kann problematisch werden, wenn die eingesetzten Hardwarekomponenten durch Virtualisierungstechnologien wie Xenserver, Hyper-V oder vSphere in der virtuellen Umgebung möglicherweise nicht mehr erkannt werden. Um sicherzustellen, dass die angeschafften Lizenzen zur genutzten Hardware passen, ist eine zuverlässige Erkennung, auf welcher Hardware eine virtuelle Maschine läuft, aber zwingend nötig.
Weil die Modelle so heterogen sind, schafft schon der Austausch einer einzigen Softwarekomponente eine neue Lizenzsituation – stets begleitet vom Risiko der Unterlizenzierung. Wird dies erst im Fall eines Audits durch einen Hersteller offenbar, können die fälligen Nachlizenzierungskosten die Einsparungen durch die Virtualisierung sehr schnell zunichtemachen.
Unternehmen sollten sich bereits vor der Virtualisierung eines Servers sowie im Rahmen ihres Change-Managements mit den lizenzrechtlichen Auswirkungen auseinandersetzen und prüfen, wie und ob die jeweiligen Lizenzmetriken später korrekt gemessen und administriert werden können. Dazu gehören mittel- und langfristige Überlegungen, welche Software virtualisiert werden soll und wie deren Lizenzmetrik aussieht. Lizenzmanagement muss also in die IT-Strategie unbedingt einbezogen werden.
Die zuverlässige Einhaltung der lizenzrechtlichen Bestimmungen lässt sich durch den Einsatz einer zertifizierten Lösung für das Software Asset Management (SAM) gewährleisten. Diese erkennt die genutzten IT-Komponenten dann automatisch. Bei der Auswahl eines Tools zur Inventarisierung sollten Unternehmen vor allem darauf achten, dass sie die eingesetzte Hard- und Software vollständig erkennt. Die Erkennungsrate der am Markt angebotenen Lösungen schwankt beträchtlich und liegt zwischen 60 und annähernd 100 Prozent. Zudem muss die Lösung lückenlos dokumentieren, auf welcher Hardware oder virtuellen Maschine eine Software in der Vergangenheit installiert war und welche Ressourcen sie verwendete. Diese vollständige Historie fordern Prüfer bei Lizenzplausibilisierungen von den Unternehmen ein. Es bietet sich deshalb an, die Aussagen der Hersteller in einem Proof of Concept genau zu prüfen.
Außerdem erlaubt eine ausgereifte Lösung, alle gebräuchlichen Lizenzmetriken abzubilden. So muss die SAM-Lösung in der Lage sein, Server-Lizenz-Metriken diverser Hersteller, darunter auch RVU, PVU sowie Zugriffslizenzen für virtuelle Umgebungen und Hosts, den Ergebnissen der tagesaktuellen Inventarisierung gegenüberzustellen. Sie sollte es natürlich auch ermöglichen, die eingesetzte Virtualisierungstechnologie, etwa VMware ESX, zu inventarisieren. Denn nur so erfährt die IT, welche virtuelle Maschine auf welchem Hypervisor-Knoten läuft.
Lizenzmanagement in virtuellen Umgebungen ist ein Thema, das laufend für Spannung sorgt. Mit strategischer Planung und dem Einsatz hochleistungsfähiger SAM-Tools können Unternehmen die Vorteile der virtuellen Welt für sich voll ausschöpfen und gleichzeitig Lizenz-Compliance sicherstellen.
Lizenzmetriken
Auf dem Markt existiert eine Vielzahl an Lizenzmetriken verschiedener Hersteller. Diese Metriken sollte ein SAM-Tool heute mindestens beherrschen:
CAL: Client Access Licenses ( CAL) werden entweder einem Gerät oder einem Nutzer zugewiesen. Eine Nutzer-CAL berechtigt einen bestimmten Nutzer zur Verwendung einer beliebigen Anzahl von Geräten, von welchen er auf die Serversoftware zugreifen darf. Eine Geräte-CAL lizenziert ein Gerät für die Verwendung durch eine beliebige Anzahl von Nutzern, die von diesem Gerät aus auf Instanzen der Serversoftware zugreifen dürfen.
CPU und PVU: Bei den Metriken Central Processing Unit (CPU) und Processor Value Unit (PVU) werden Prozessoren gezählt. Einige Hersteller verlangen zusätzlich die Anzahl der Prozessorkerne zu berücksichtigen. Häufig muss noch die Leistungsfähigkeit, die vom Prozessortyp abhängt, einbezogen werden.
Pro Core: Bei der Pro-Core-Metrik werden Prozessorkerne gezählt. Beim Microsoft SQL Server müssen beispielsweise immer mindestens vier Kerne pro Prozessor lizenziert werden – auch dann, wenn nur zwei Kerne auf dem einzigen Prozessor vorhanden sind.
RVU: Eine Lizenz nach Resource Value Units (RVU) basiert auf der Anzahl der Einheiten einer bestimmten Ressource, die von einem Programm genutzt oder verwaltet wird. Dies können z.B. CAL, CPU, Größe des Arbeitsspeichers, Anzahl von Datenbanken oder auch Größe des Backups sein.
Quelle: Deskcenter Solutions
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