Telcos als Inhalteanbieter

Markteintritt mit der Brechstange

Die Telekom braucht Geld, um das Glasfasernetz auszubauen. Und das soll von allen kommen: Den Endkunden, aber auch den Anbietern von Netzdiensten.

Kommunikationstechnologie von gestern

Der heimische Breitbandanschluss ist ja nicht zum ersten Mal ein Aufregerthema: Er ist langsamer als vereinbart und wird in Zukunft gedrosselt, sobald ein paar Bytes zu viel durch die Leitung rauschen.

Natürlich geht es um Geld. In einer aktuellen Studie wird die Vereinigung der Europäischen Telekom-Netzbetreiber (European Telecommunications Network Operators' Association, ETNO) deutlich: Sie fordert drei Dinge, um eine “eine möglichst effektive Marktteilnahme” zu erreichen.

Erstens geht es um freie Preisgestaltung, zweitens um Freiraum für die Entwicklung neuer Dienste und drittens um die Freiheit, ein europaweites Geschäft aufzubauen. Genauer: Die Telcos wollen die Freiheit “Tätigkeiten zu bündeln”, was vermutlich auch Fusionen einschließt.

Denn tatsächlich dürften die notwendigen Investitionen in Glasfaser nicht so ohne weiteres zu stemmen sein. In einigen Ländern, an erster Stelle Frankreich; gibt es für den Breitbandausbau ein staatliches Investitionsprogramm. In anderen Ländern, an erster Stelle Deutschland, wird “hinten” politisch zu “vorne” umdefiniert.

Doch sobald sich mit Breitband richtig viel Geld verdienen lässt, wird auch die notwendige Bandbreite in der Erde verlegt. Allerdings hat das Voraussetzungen, nämlich funktionierende Geschäftsmodelle. Der Knackpunkt ist in der zweiten Forderung der ETNO verborgen: Neue Dienste.

Je mehr sich “das Netz” von einem vermarktbaren Produkt zu einer reinen Infrastruktur für alles andere verwandelt, desto weniger verdienen die Anbieter daran. Wirklich viel Geld können Unternehmen bereits heute, aber erst recht in naher Zukunft mit den richtigen Internetdiensten verdienen.

Eine potentielle Cashcow sind zum Beispiel Dienste für TV- und Videostreaming. Bereits heute gibt es erfolgreiche Anbieter und es werden regelmäßig mehr. Das Problem der Telekom dabei: Sie hat zwar mit Entertain den passenden Dienst, muss aber angesichts der Konkurrenten um Kunden fürchten.

Was macht also der Netzbetreiber in dieser Situation? Richtig: Die Verfügungsgewalt über das eigene Netz ausbeuten und die Daten der netzlosen Konkurrenz drosseln. Denn die Drossel wird nur bei Datenmengen wirksam, wie sie üblicherweise durch Videostreaming entstehen.

Gleichzeitig bittet er die ausgebremsten Anbieter mit Datenvorfahrt (“Managed Services”) zur Kasse.  Und darum geht es, um diese zusätzlichen, vom Anbieter und vom Endkunden zusätzlich zu bezahlenden Vorfahrtdienste. Drossel und Vorfahrt hängen eng zusammen, denn ohne Drossel gäbe es für die Kunden ja kaum einen Grund, Vorfahrtdienste zu buchen.

Die Telekom schafft also ein Problem (Langsames freies Internet) und zieht dann lächelnd die Lösung (Schnelles “gemanagtes” Internet) aus dem Hut. Das hört sich nach einem Markteintritt mit der Brechstange an. Andere Anbieter versuchen das ebenfalls und nutzen dabei kreative Tricks.

So beklagt Johannes Nill, der Geschäftsführer des FritzBox-Herstellers AVM in einem Interview mit der Wirtschaftswoche, “dass Internet-Anbieter Kunden vorschreiben, mit welchen Endgeräten sie online gehen.” Einzelne Provider rücken die Zugangsdaten nicht mehr raus, sondern nutzen eine Autokonfiguration, die aber nur bei eigenen Geräten funktioniert.

Der Grund ist laut Nill leicht zu erkennen: “Die Netzbetreiber wollen kontrollieren, welche Internet-Dienste ihre Kunden nutzen und welche sie ihnen – gegen Zuschlag – verkaufen können.” Die Regulierungsbehörde schreite gegen den Hardwarezwang nicht ein, weshalb Nill und 15 andere Hersteller beim Bundeswirtschaftsministerium protestiert haben.

Die Wirtschaftswoche vermutet, dass es letztlich darum gehe, der Telekom die absolute Herrschaft über ihr Netz zurückzugeben. Nur so könne sie die Preise bestimmen und von allen Marktteilnehmern kassieren. Denn anders bekäme sie das Geld für den Breitbandausbau nicht zusammen. Da umfangreiche staatliche Investitionen wie in Frankreich nicht in die politische Landschaft passen, hat diese These einiges für sich.

Bildquelle: Dieter Schütz / pixelio.de

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