Als Hauptmotiv für die Errichtung von Private Clouds nennen viele Anwender die konsequente Weiterführung des service-orientierten Gedankens bei der Erbringung von IT-Leistungen. Diese hatte mit der flächendeckenden Virtualisierung von Rechenzentren ihren Anfang genommen. Nun geht es darum, eine noch industrialisiertere Bereitstellung von IT-Services bei gleichzeitig noch höherem Grad an Standardisierung und Skalierbarkeit zu ermöglichen. Nach der Wandlung der traditionellen IT-Infrastrukturen in virtualisierte IT-Umgebungen ist die Weiterentwicklung hin zur Private Cloud folglich die nächste logische Stufe.
Generell gilt, dass eine virtualisierte IT-Landschaft nicht mit einer Private Cloud gleichzusetzen ist, sie ist vielmehr deren Basis. Eine Private Cloud geht über den Status der reinen Virtualisierung hinaus, da die IT-Ressourcen über das gesamte Unternehmen hinweg – nicht nur über einzelne Organisationseinheiten – gebündelt werden. Workloads können nahtlos zwischen physischen Servern und zwischen Rechenzentren verschoben werden, was die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der Services im tatsächlichen Moment der Anfrage deutlich verbessert. Hierzu tragen technische Verfahren wie beispielsweise Live-Migration mit Windows Server 2008 R2 Hyper-V bei, die über eine Vielzahl von Servern hinweg stattfinden können.
Klar definierte Services
IT-Infrastrukturthemen rücken auf diese Weise aus dem Blickfeld der Unternehmensführung, die sich stattdessen auf die geschäftlichen Anforderungen konzentrieren kann. Durch die zentrale Bündelung und Bereitstellung der Ressourcen verbessert sich natürlich auch die Hardware-Auslastung. Es müssen nicht fortwährend neue Systeme angeschafft werden, weil sich das Potential der vorhandenen viel besser ausschöpfen lässt. Weitere Einsparungen ergeben sich daraus, dass die dezentrale Verwaltung der über das Unternehmen verstreuten virtuellen Maschinen aufgrund der Bündelung entfällt.
Aber nicht nur auf operativer Seite lassen sich signifikante Verbesserungen erzielen, sondern auch auf betriebswirtschaftlicher. Dass sich Ressourcen den jeweiligen Abteilungen und Mitarbeitern ganz nach Bedarf zur Verfügung stellen lassen, erleichtert Ingenieuren und Programmierern die Entwicklung und Anpassung geschäftlicher Anwendungen. Sie erhalten die benötigten Infrastruktur-Services und virtuellen Maschinen on demand, um Entwicklungs- und Testprozesse zu unterstützen. Auf diese Weise können Unternehmen schneller auf verändertes Kundenverhalten oder generelle Marktverschiebungen reagieren.
Der Einstieg in die Welt des Cloud Computing im Rahmen einer Private Cloud ist einfacher als es zunächst scheint. Im Wesentlichen geht es um die…
Der erste Schritt in die Cloud, die Optimierung der bereits vorhandenen virtualisierten Unternehmensrechenzentren, zielt auf eine verbesserte Skalierbarkeit, die die physischen Ressourcen kosteneffizient gebündelt nutzt: innerhalb eines Rechenzentrums oder über mehrere Rechenzentren hinweg. Die Vorteile liegen auf der Hand: Bereits getätigte Investitionen in Virtualisierungstechnologien auch anderer Anbieter lassen sich dabei idealerweise weiterverwenden. Auch der Administrationsaufwand sinkt.
Bessere Servicequalität
Die Standardisierung sorgt in der Folge für eine gleichbleibend hohe Qualität der IT-Services. Wichtig ist dies neben den verbesserten Test- und Entwicklungsmöglichkeiten vor allem für die Vereinfachung der Bereitstellung, Absicherung und Verwaltung der verwendeten Prozesse und die Etablierung garantierter Service Level Agreements (SLA). Nur wenn diese SLA klar definiert sind, kann die IT-Abteilung wie ein interner Dienstleister auftreten und die entsprechenden Services abrechnen. Darüber hinaus lassen sich standardisierte Prozesse automatisieren, so dass den Nutzern die eigenständige Provisionierung und Dekommissionierung virtueller Maschinen möglich ist, ohne dass die IT-Abteilung tätig werden muss. Dies entlastet die Administratoren im Rechenzentrum von aufwendigen Routinediensten und gibt ihnen Zeit, Prozesse zu verbessern und damit das Geschäft voranzutreiben.Letzteres, das Vorantreiben des eigentlichen Kerngeschäfts, steht hinter allen Bestrebungen in Richtung Private Cloud: Das Ziel ist es, dass die unternehmenseigene IT künftig wie ein Cloud-Anbieter auftreten kann. Ihre Leistungen werden klar messbar, sowohl die verursachten Kosten als auch ihr Beitrag zur Wertschöpfung. Überdies profitieren auch die Endnutzer von einem klaren Abrechnungsmodell: Über ein Self-Service-Portal können Anwender aus den Fachabteilungen IT-Dienste, die für ihre Arbeit erforderlich sind, selbst provisionieren.
Soviel zur Theorie. Zahlreiche Unternehmen haben den Schritt in Richtung Public Cloud bereits vollzogen. Eines davon ist Lionbridge, ein Anbieter von Übersetzungs- und Testing-Services sowie Entwicklungslösungen mit Hauptsitz im US-Bundesstaat Massachusetts. Der Dienstleister unterstützt Unternehmen weltweit dabei, die sprachlichen und kulturellen Wünsche ihrer Kunden zu erfüllen, indem z.B. Produkte und Webinhalte angepasst werden. Lionbridge beschäftigt rund 4.200 Mitarbeiter in 26 Niederlassungen weltweit und arbeitet mit rund 85.000 unabhängigen Übersetzungspartnern zusammen.
Private Cloud in der Praxis
Da das Dienstleistungsunternehmen auf die Fachkenntnis der Experten bezüglich einer großen Vielfalt an Sprachen, Dialekten und Technologien angewiesen ist, muss das Unternehmen mit seinen Mitarbeitern und Auftragnehmern, die auf der ganzen Welt verteilt sitzen, problemlos zusammenarbeiten können. In der Vergangenheit unterhielt Lionbridge ein Netzwerk an Rechenzentren in verschiedenen Ländern. Die verteilten Ressourcen aufrechtzuhalten, verursachte allerdings beachtliche Kosten und stellte das Unternehmen vor administrative Herausforderungen. Um diesen Herausforderungen entgegen zu treten, hat das Unternehmen seine globalen Rechenzentren zu einem einzigen Standort konsolidiert. So hat Lionbridge mit Hilfe von Virtualisierung seine IT-Infrastruktur vereinfacht sowie eine Private-Cloud-Umgebung realisiert. Mit dem Testen verschiedener Virtualisierungslösungen hatte Lionbridge im Frühjahr 2008 begonnen, heute beinhaltet die Private-Cloud-Architektur des Unternehmens zwei Serverfarmen mit 16 physischen Servern, die mit dem Windows-2008-R2-Betriebssystem basierend auf Hyper-V-Virtualisierungstechnologie arbeiten, sowie eine variable Anzahl an virtuellen Maschinen.
Um die internen IT-Prozesse noch weiter zu vereinfachen, nutzt Lionbridge zudem das Microsoft System Center Virtual Machine Manager Self Service Portal 2.0, welches der Private-Cloud-Infrastruktur hinzugefügt wurde. Dadurch ist es nun sowohl für die Anwender als auch für die Administratoren leichter, neue Systeme einzuführen; außerdem wird der Kundenservice verbessert. Durch die Reduzierung der Administrationskosten spart Lionbridge letztlich Zeit und Geld.
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