Um Klarheit und ein gemeinsames Verständnis des Begriffs Sicherheitsarchitektur zu finden, helfen Standards wie etwa die ISO/IEC 27000-Reihe für Informationssicherheits-Management oder das SABSA-Framework (Sherwood Applied Business Security Architecture). Beide unterscheiden sich in ihrer Ausrichtung. Die ISO-Standardfamilie bezieht sich auf Sicherheits-Management und fordert bereits dedizierte funktionale Überwachungsbereiche, um die Inhalte von Sicherheitsprogrammen festzulegen. Wie etwa:
Die ISO-Standards enthalten ebenso Anleitungen, welche Handlungsoptionen eine Organisation im jeweiligen Bereich hat. Bei der Zugriffskontrolle sind das beispielsweise Benutzerregistrierung, Passwort-Management, Authentifizierung oder Berechtigungsprüfung.
SABSA hingegen orientiert sich am Business. Es gliedert eine Organisation in verschiedene Ebenen auf, um deren jeweilige Anforderungen zu verstehen. Dadurch kann die IT-Sicherheit an den individuellen Geschäftsbedürfnissen und dem jeweiligen „Risikoappetit“ ausgerichtet werden. Das SABSA-Modell besteht aus sechs unterschiedlichen Ebenen. Jede für sich stellt eine andere Sichtweise auf das Unternehmen und damit auf die Arten von notwendigen Sicherheitskontrollen dar. Es basiert auf dem „Zachman-Framework“ und nutzt in Analogie hierzu die beiden Dimensionen Architekturebene und einfache Fragepronomen. Jeder Architekturebene ist jeweils eine Rolle zugeordnet, die berücksichtigt werden muss.
Sechs Fragen für mehr Sicherheit
Mit den sechs nachfolgenden Fragen können die Verantwortlichen im Sicherheitsprogramm die Anforderungen der Stakeholder auf jeder Unternehmensebene ermitteln:
Bei SABSA wird also der Fokus nicht auf funktionelle, individuelle Silos gelegt. Es wird nicht aufgelistet, was in jedem dieser Silos behandelt werden sollte. Der Ansatz ist vielmehr, alle Sicherheitsaspekte über die verschiedenen Ebenen hinweg zu betrachten. Am Beispiel der Zugriffskontrolle stellt sich dies wie folgt dar:
Ein Unternehmen, welches wissen will, was in einem Sicherheitsprogramm adressiert werden soll, startet am einfachsten mit der ISO-27000-Reihe. Diese gibt konkrete Aussagen zu den benötigten Bausteinen. Die meisten Unternehmen beginnen jedoch nicht auf der grünen Wiese und haben schon viele der in der ISO27k genannten Bestandteile eingeführt. Hier fehlt zumeist noch eine geeignete übergreifende Sicherheits-Governance, welche jedoch zwingend über alle Ebenen hinweg betrachtet werden sollte. Wenn folglich ein holistischer Ansatz gefragt ist, hilft das SABSA-Modell weiter. Gleichwohl dies für viele zunächst komplizierter erscheinen mag, führt dieser Ansatz zu einer Sicherheitsarchitektur, die sich aus den Geschäftsanforderungen begründet. Schlussendlich lässt sich zweifelsohne festhalten, sowohl die ISO27k-Familie als auch SABSA sind Rahmenwerke zur Unterstützung von Sicherheitsspezialisten. Beide sind zielführend, um einen sinnvollen Ansatz für das eigene Sicherheitsprogramm zu finden. Auch wenn mit beiden Ansätzen Aufwände verbunden sind: Es lohnt sich diese Herausforderung zu meistern, um das eigene Unternehmen – seine Daten und Assets – sicher zu schützen.
*Dr. Silvia Knittl ist IAM Solution Architect bei der Accessec GmbH
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