Kommentar von Jörg Mecke, Comparex

Mit Ecken und Kanten

Kommentar von Jörg Mecke, Area Chief Technology Officer Germany bei Comparex, über betriebs- und sicherheitsrelevante Aspekte bei einem Desktop-as-a-Service-Modell

Jörg Mecke, Comparex

Jörg Mecke, Comparex

Die meisten IT-Verantwortlichen denken bei Infrastruktur „as a Service“ zunächst an die Bereitstellung von Serverkapazitäten. Bei näherer Betrachtung wird schnell klar, dass sich „as-a-Service“-Konzepte auch für die Bereitstellung von Desktops eignen – sowohl für stationäre als auch mobile Rechner. Bei allen Cloud-Diskussionen in Unternehmen und Rechenzentren kommt die Sprache also früher oder später auf den Desktop. Aber Vorsicht: Er ist schwerer zu beherrschen als der Server. Damit die Vorteile von „Desktop as a Service“ auch voll zur Geltung kommen, sollten verschiedene Aspekte beachtet werden, die vor allem betriebs- und sicherheitsrelevant sind.

In den meisten Unternehmen kommen zehn Desktops auf einen Server. In jedem Fall führen die zahlreichen kleinen Maschinen auch auf einem virtuellen Host zu einer nicht unerheblichen Last. Das Lastaufkommen lässt sich schwerer prognostizieren, weil es sehr viel stärker schwankt als beim Server. Immer wenn Kriterien wie „viele Einheiten“ und „stark schwankend“ zusammenkommen, ist eine Cloud-Lösung eine Überlegung wert. Für den Nutzer bedeutet dies zunächst eine Umgewöhnung. Denn er hat den Client auf seinem Schreibtisch im Griff und sieht ihn als sein persönliches Werkzeug. So weiß er, wie er an Daten und Anwendungen kommt und wie er vermeintliche Schwachstellen umgeht. Bei einem Cloud-Szenario ist das Rahmenkonzept ein ganz anderes. Zusätzliche Abschottungsmechanismen müssen vermeiden, dass ein Anwender die Gesamtinfrastruktur beeinflusst. Dies gilt auch für Schadsoftware, die in einer Cloud noch sensibler zuschlagen kann. Aus diesem Grund wird eine „As-a-Service“-Infrastruktur für Desktops anders betrieben als die für Server, denn längst ist allen klar: Die meisten Angriffe kommen von innen – ob mit oder ohne Absicht.

Zwei identische Desktops in einem Netzwerk zu finden, ähnelt bei manchem Unternehmen der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Jeder Mitarbeiter bekommt, was er braucht. Eine Cloud lebt aber von Transparenz, Standardisierung und Warenkörben, nach denen abgerechnet wird. Genau diese Standardisierung ist eine große Herausforderung: Funktionsgleiche Software muss konsolidiert werden. In Großunternehmen nutzen im Durchschnitt zehn Anwender eine Applikation. Eine zusätzliche Herausforderung stellen Spezialanwendungen mit nur fünf bis zehn Nutzern dar – etwa „AutoCAD“ für das Facility-Management eines großen Unternehmens.

Hinzu kommt, dass die Client-Software von ihren Entwicklern für den Client konzipiert wurde und sich selten für hochautomatisierte, zentralisierte Infrastrukturen eignet. Aspekte wie Interoperabilität und Isolation werden bei der Entwicklung schon einmal außer Acht gelassen. Daher ist es eine Herausforderung, Anwendungen in ein Cloud-Projekt zu integrieren. Unter Umständen ist dies überhaupt nicht erlaubt, denn die Lizenzbestimmungen können eine solche Nutzung implizit oder explizit ausschließen.

Letztlich ist alles im Rahmen von „As-a-Service“-Konzepten machbar. Allerdings müssen IT-Abteilung und Geschäftsführung die Einführung realistisch planen und die Anforderungen der Endanwender einbe­ziehen. Die Cloud macht vieles einfacher und schneller – manchmal auch günstiger. Doch der Erfolg steht und fällt mit der Akzeptanz der ­Nutzer.

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