IT-DIRECTOR: Herr Stähler, entscheidet sich ein IT-Verantwortlicher für die Auslagerung der kompletten Unternehmens-IT, wird das bisherige RZ nicht mehr gebraucht. Und auch bei der Entscheidung, ein neues Data Center an einem anderen Standort aufzubauen, hat das alte Rechenzentrum ausgedient. Doch was passiert in solchen Fällen mit dem bisherigen Data Center?
H. Stähler: Es gibt unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten, die abhängig von der Größe des Unternehmens sind: Zum einen eine Nutzungsänderung des Rechenzentrums, z.B. für die Telekommunikation, da Klimatisierung vorhanden ist, zum anderen die Vermietung an andere Anwender. Möglich sind auch die Demontage des Rechenzentrums und die Wiederherstellung des ursprünglichen Gebäudezustandes einschließlich der Entsorgung der demontierten Teile. Grundsätzlich ist auch der Wiederaufbau an anderer Stelle möglich. Gesetzt den Fall, dass das Rechenzentrum in Modulbauweise konzipiert ist, ist dann außerdem eine Verkleinerung oder Vergrößerung möglich.
IT-DIRECTOR: Worauf sollten die Verantwortlichen bei der Organisation des Rückbaus ihres „alten“ Rechenzentrums vor allem achten?
H. Stähler: Bevor die Auslagerung der Daten beginnt, muss ein Daten-Backup an gesicherter Stelle vorgenommen werden. Zudem gilt es, die Sicherheitsvorschriften hinsichtlich Brandschutz, Umweltschutz und Personenschutz einzuhalten, da ein Rückbau meist in genutzten Gebäuden stattfindet. Bei Demontage und Abtransport im laufenden Bürobetrieb ist im Umfeld auf Staubschutz und gesicherte Transportwege zu achten. Beim Rückbau von Kabelführungen und Klimaleitungen müssen die Wanddurchdringungen brandschutztechnisch geschlossen werden. Wichtig bei einer ordnungsgemäßen Entsorgung der Altmaterialien sind Entsorgungsnachweise. Will man den ursprünglichen Gebäudezustand wieder herstellen, müssen auch Brandmeldetechnik, Sprinkleranlage, Gebäudeklimaanlage und Beleuchtung wieder eingebaut werden.
IT-DIRECTOR: Möchte man die ehemaligen RZ-Räumlichkeiten nicht komplett abreißen – für welche Einsatzzwecke sind sie geeignet?
H. Stähler: Möglich ist die Nutzung als Backup-Rechenzentrum und auch der Gebrauch für Telekommunikationsanwendungen, da die Klimatisierung bereits vorhanden ist. Das ist allerdings nur bei kleineren Rechenzentren sinnvoll.
IT-DIRECTOR: Worauf kommt es bei der Entsorgung von „RZ-Altlasten“ wie z.B. ausrangierter Hardware, Löschanlagen, Klima- oder USV-Geräte an – insbesondere unter Nachhaltigkeits- und Umweltaspekten?
H. Stähler: Die Demontage muss unter Einhaltung der Gesundheitsvorschriften, z.B. hinsichtlich Asbest-Isolierstoffen, den Klimaanlagen und deren Kühlmittel sowie den Löschanlagen und deren Löschmittel erfolgen. Gleiches gilt für USV, Verkabelung, Doppelboden usw. Für die ordnungsgemäße Entsorgung aller Demontageteile sind Entsorgungsnachweise erforderlich, beispielsweise für Sondermüll oder Gefahrstoffe. Mit der Entsorgung von Hardware sollte man nur Fachunternehmen beauftragen und einen Nachweis fordern, dass alle Datenträger ordnungsgemäß vernichtet wurden.
IT-DIRECTOR: Mit welchem finanziellen Aufwand ist der Rückbau eines Rechenzentrums verbunden? Welche Kostenblöcke sind am größten?
H. Stähler: Das ist pauschal schwierig zu beantworten, da es von Größe und Ausstattung des Rechenzentrums abhängt. Kostenblöcke sind Klimaanlage, Löschanlage, Brandschutzzellen, USV und Kabeltrassen.
IT-DIRECTOR: Bevor man alles endgültig entsorgt – mit welchen RZ-Bestandteilen – über die Kupferkabel hinaus – lässt sich noch gutes Geld verdienen?
H. Stähler: Das ist mit den Bauteilen möglich, die ohne großen Aufwand wiederverwendbar sind, wie Racks, USV, zum Teil die Verkabelung in Teilen und die Netzersatzanlage. Der Verkauf von Metallschrott wie Kabel oder Rohrleitungen sind eher geringe Einnahmequellen. Löschanlagen, Klimaanlagen, Doppelboden und Sicherheitszelle sind anwenderspezifisch geplante und angefertigte Systeme, die meist nicht wieder genutzt werden können und daher auch schwierig zu veräußern sind.
IT-DIRECTOR: Stichwort Sicherheit: Wie kann man sichergehen, dass beim RZ-Rückbau nicht irgendwo eine Festplatte mit sensiblen Firmendaten liegenbleibt oder verlorengeht?
H. Stähler: Wichtig sind grundsätzlich eine gute Planung und Organisation der Demontage. Dazu gehört auch die Backup-Sicherung aller Daten. Die Entsorgung von Systemen und Datenträgern vertraut man am besten Spezialisten an, die einen Nachweis über vollständige Zerstörung der Datenträger führen.