Recycling von IT-Geräten

Nachfrage nach Refurbished-Hardware steigt

Wiederaufbereitete Hardware – sogenannte refurbished Geräte – werden immer häufiger auch von IT-Abteilungen von Unternehmen angefragt. Worauf es bei der Auswahl zu achten gilt, berichtet Alexander Jauns, Geschäftsführer Green IT Solution GmbH.

Alexander Jauns, Green IT Solution

„Die Nachfrage nach refurbished IT-GEräten ist in den letzten Jahren sehr stark angestiegen", weiß Alexander Jauns, Green IT Solution, zu berichten.

IT-DIRECTOR: Herr Jauns, die Zyklen, in denen Unternehmen elektronische Geräte austauschen, haben sich in den letzten Jahren immer weiter verkürzt. Was passiert mit dieser ausrangierten Hardware?
A. Jauns:
Geräte werden zwar in den Unternehmen immer schneller ausgetauscht, dies bedeutet aber nicht, dass diese Hardware nicht weiter verwendet werden können. Die Gründe warum Technik in Unternehmen ausgetauscht wird sind vielfältig und haben oft nichts damit zutun, dass die Geräte oder die Technologie an sich überholt ist bzw. nicht mehr zeitgemäß ist.

Häufige Gründe für einen Austausch können z.B. feste Updatezyklen der IT-Hardware sein, wie (z.B. aller drei Jahre, wegen steuerlichen Gründen oder internen Firmenrichtlinien oder auch ein Wachstum der Firma, sodass die Geräte nicht mehr den Anforderungen einer wachsenden Nutzerzahl gewachsen sind. Firmen die sehr hohe technologischen Ansprüche haben wie z.B. Unternehmen im Telekommunikationsbereich oder Serviceprovider (Rechenzentren) tauschen durchaus häufiger Technik aus, da diese nicht mehr auf dem neusten Stand sind. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass diese Geräte nicht noch in anderen Unternehmen eingesetzt werden könnten, welche einen geringeren Anspruch (z.B. niedrigere Bandbreite) benötigen.

Wir von der Green IT Solution GmbH versuchen daher immer festzustellen, ob die Geräte noch einen relevanten Marktwert haben und wiederverkauft werden können. Eine Entsorgung oder Verschrottung ist für uns die letzte und auch die schlechteste Variante. Erst wenn wir feststellen, dass Geräte keinen Marktwert mehr haben oder irreversibel beschädigt sind, empfehlen wir unseren Kunden die Geräte entsorgen. Alternativ bieten wir den Unternehmen an, die Geräte zu spenden. Es gibt zahlreiche Organisationen, die z.B. IT-Hardware aus Europa für Schulen und Univertäten in Afrika oder anderen Ländern spenden. Aber auch Berufsschulen und Behindertenwerkstätten sind oft über eine solche IT-Spende sehr dankbar.

IT-DIRECTOR: Welche Formen des Recycling gibt es grundsätzlich?
A. Jauns:
Die Green IT Solution GmbH ist kein Recycling Unternehmen. Wir arbeiten lediglich mit professionellen IT-Entsorgungs-Unternehmen zusammen. Wir haben uns vor allem auf den An- und Verkauf von gebrauchter Netzwerktechnik spezialisiert.

IT-DIRECTOR: Was passiert mit den recycelten Materialien?
A. Jauns:
Wie beim normalen Abfall wird auch der Industrieschrott in seine Grundbestandteile zerlegt und die gewonnenen Rohstoffe werden für die Herstellung neuer Produkte verwendet. Ein Verfahren, dass mit Hinblick auf die immer knapper werdenden Rohstoffe zum Glück auch immer mehr an Bedeutung gewinnt.

IT-DIRECTOR: Wie hoch ist der Anteil wiederverwendbarer Materialien, was ist tatsächlich Müll?
A. Jauns:
Dies ist grundsätzlich abhängig vom jeweiligen Produkt. Kunststoffe, Metalle und Legierungen, die einen sehr großen Anteil eines gesamten Produkts aufweisen, können für aufbereitet und wiederverwendet werden.

IT-DIRECTOR: Im Frühjahr war zu lesen, dass Apple rund eine Tonne Gold aus ausgemusterten Geräten zurückgewonnen hat. Von welchen finanziellen Werten ist in Zusammenhang mit Recycling bei deutschen Großunternehmen die Rede?
A. Jauns:
In nahezu jedem Handy stecken – wenn auch nur in winzigen Mengen – Goldanteile. Bei diesen geringen Mengen kann man kaum von finanziellen Werten sprechen. Für die Wiederverwendung in neuen Produkten ist dies aber durchaus ein deutlicher finanzieller Vorteil.

IT-DIRECTOR: In welchen Branchen und Unternehmensbereichen kommen Refurbished-Geräte in deutschen Großunternehmen zum Einsatz?
A. Jauns:
Letztendlich kommen in allen Branchen gebrauchte Geräte zum Einsatz: Kleine und mittelständische Unternehmen, größere internationale Konzerne (bis zu Dax-Unternehmen), staatliche Unternehmen, Krankhäuser, Universitäten und sogar das Militär. Dabei spielt die Branche kaum eine Rolle, denn bei der immer größer werdenden Bedeutung der IT-Technik und auch deren Einsatzmöglichkeiten, hat inzwischen jedes Unternehmen einen gewissen IT-Bedarf, Tendenz steigend.

IT-DIRECTOR: Wie gefragt ist „IT-Remarketing“? Welche Geräte kommen dafür in Frage?
A. Jauns:
Zugegeben ist die Nachfrage im Vergleich zum gesamten Investitions-Volumen im IT-Markt eher gering. Dies ist aber eher dem Umstand geschuldet, dass viele Entscheidungsträger in den Unternehmen solche Möglichkeiten gar nicht kennen oder aus Grund von falschen Vorurteilen nicht in Betracht ziehen. Trotzdem ist in den letzten Jahren die Nachfrage an gebrauchten bzw. refurbished IT-Geräten sehr stark angestiegen. Wiederaufbereitet Hardware erhält, nach dem sie refurbished wurde, wieder die gleiche Qualität und Funktionalität wie Neuware.

Unsere Kunden profitieren bei gebrauchter Hardware von langen Garantiezeiten von zehn Jahren, was die gesetzlichen Garantiezeiten und freiwillige Gewährleistungsfristen von ein bis zwei Jahren deutlich übersteigt. Warum wir das tun: Der Grund hierfür ist einfach. Wir sind von unserer Qualität so überzeugt, dass wir diese Überzeugung so auch zum Ausdruck bringen möchten. Außerdem überzeugt die meisten Kunden überwiegend der Preis. Durch die langen Garantiezeiten können so Preisvorteile von bis zu 70 bis 80 Prozent gegenüber dem Neupreis erzielt werden. Das heißt teure Investitionen können durch den Einsatz von gebrauchter Hardware aufgefangen werden.

Ein zusätzlicher Aspekt für Firmen ist auch der Umweltgedanke. Firmen ist Nachhaltigkeit und ein gewisses Umweltbewusstsein wichtig geworden. Man muss bedenken, das ein IT-Gerät bis zu 60 Prozent seines CO2 Verbrauchs in der Herstellung und beim Transport an seinem Bestimmungort verbraucht, d.h. auf die eigentlichen Nutzung entfallen nur 40 Prozent gesamten Emissionen. Für die Green IT Solution GmbH hat sich gezeigt, dass sich besonders Netzwerkkomponenten für die Wiederaufbereitung eignen. Diese Geräte haben einen niedrigen Verschleiß und kommen meinst vom Kunden aus einer staubfreien und unbelasteten Umgebung, sodass der Aufwand für das Refurbishment im Vergleich zu anderen Geräten gering ist. Zusätzlich sind Netzwerkkomponenten sehr preisstabil, sodass hier auch noch nach fünf Jahren ein hoher Restwert vorhanden ist.

Aber auch Telefone, Laptops, Desktop-PC eigenen sich sehr gut für den Refurbish-Markt, hierbei ist aber der Aufwand für die Wiederaufbereitung wesentlich höher und die auch die Wiedervermarktung schwieriger. Wiederaufbereitete Geräte müssen nicht zwangsläufig verkauft werden.

IT-DIRECTOR: Sind Spenden eine Alternative?
A. Jauns:
Definitiv. Wie bereits erwähnt, versuchen wir die Geräte, falls wir keine Abnehmer finden, zu spenden. Hierfür gibt es zahlreiche Organisationen wie z.B. viaafrika.com. Bisher haben wir aber auch Geräte an schulischen Einrichtungen gespendet oder an öffentliche Organisationen.

IT-DIRECTOR: Wie präsent ist das Thema „Ressourceneffizienz“? Was können Unternehmen verbessern?
A. Jauns:
Die meisten Unternehmen versuchen bereits umweltbewusst und ressourceneffizient zu arbeiten. Wir erfahren immer, dass bei den Unternehmern nicht nur der finanzielle Aspekt eine Rolle spielt, sondern auch zunehmend immer mehr der Umweltschutz und Nachhaltigkeit eine höhere Bedeutung gewinnt. Wir finden das gut, aber für wirksamen Umweltschutz müssen alle mitziehen. Die Bedeutung des Umweltschutzes ist in den Köpfe aller angekommen, aber Entwicklung steht erst am Anfang.

Im ersten Schritt sollten sich Unternehmen bemühen, ihren internen Informationsaustausch über ihren eigenen Hardwarebestand zu verbessern. So beobachten wir immer wieder, dass Unternehmen nur unzureichend standortübergreifend vernetzt sind. So wird Hardware zusätzlich gekauft, welche an anderen Standorten überflüssig oder gar auf Lager und einsatzbereit ist.

Zusätzlich sollten Unternehmen mehr Zeit für Wartung und Diagnose ihrer bestehenden Systeme investieren. Bei Kundenprojekten konnten wir immer wieder feststellen, dass die Unternehmen voreilig alte Systeme ersetzen wollten ohne die Ursachen der Leistungsabfälle eruiert zu haben. In vielen Fällen sind es kleine Bauteile, die ausgetauscht werden müssten oder falsche Konfigurationen der Hardware, die zum „Einbruch“ der Leistungsfähigkeit führten und führen. Daher lautet unser Credo: Prüfen und gezielt austauschen und erweitern, statt neu bauen und vor allem neukaufen. Außerdem empfehlen wir immer den Vergleich zwischen neuer und gebrauchter Hardware. Dabei sollten die Unternehmen ihre Anforderungslisten für ein Hardwareprojekt immer prüfen lassen, ob benötigte Neuware nicht auch als entsprechende Gebrauchtgeräte verfügbar ist.

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