Lodestone Management Consultants über die künftige Rolle von CIOs

Next Generation CIO

Die Rolle des CIOs wird neu geschrieben. Phänomene wie das Social Networking, die Nutzung von Apps und die damit verbundene Forderung nach immer größerer Mobilität erfordern dies ebenso wie technologische Weiterentwicklungen oder die Erweiterung von Geschäftsmodellen. Vier radikale Veränderungen werden laut IT-Beratungshaus Lodestone Management Consultants das Profil des CIOs neu zeichnen.

Norbert Kettner, © Lodestone Management Consultants GmbH

„Die Zukunft des CIO wird mehr integrative Aufgaben und mehr unternehmerische Verantwortung für ihn bereithalten", erklärt Norbert Kettner, Vorsitzender der Geschäftsführung Lodestone Management Consultants GmbH.

Die Zukunft des CIO wird mehr integrative Aufgaben und mehr unternehmerische Verantwortung für ihn bereithalten. Diese Aussage wird durch zahlreiche Studienergebnisse untermauert, primär durch eine aktuelle Befragung der Fachhochschule Ingolstadt, die von März 2011 bis Juni 2011 mehrheitlich CIOs aus Fertigungs-, Service- und Handelsunternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeiter und Umsätzen von jeweils über einer Milliarde Euro zu anstehenden Veränderungen ihrer Rolle als CIOs befragt hat. Die Untersuchung, wie auch weitere Studien namhafter Analysten- und Beratungshäuser aus den Jahren 2007 bis 2011, die in Form einer Sekundärrecherche herangezogen wurden, zeichnen ein klares Bild und lassen letztendlich nur diesen einen Schluss zu. Die Rolle der CIOs wird sich grundlegend ändern.

Vom ERP zum GRP

Die heutigen ERP-Systeme werden von Global Resource Planning-Systemen (GRP) abgelöst. Die Anzahl der ERP-Systeme innerhalb der Unternehmen wird sich verringern. Laut Studie der Fachhochschule Ingolstadt haben nur rund 50 Prozent der befragten Unternehmen weniger als fünf Systeme im Einsatz. In der heutigen vernetzten Welt wird das Unternehmensbild von globalen Prozessen geprägt. Diese erfordern globale Systeme, ansonsten wird sich die radikale Transformation langfristig gesehen nicht rechnen. Für die Unternehmen heißt das, die Zahl ihrer Systeme zu reduzieren. Schon heute besteht der Großteil der IT-Projekte aus der Harmonisierung der ERP-Systemlandschaften. Die meisten multinationalen Unternehmen werden in naher Zukunft weniger als fünf ERP-Systeme nutzen. Die Studie beziffert diese mit 75 Prozent. Mehr als 20 Systeme wird es in keinem der befragten Unternehmen mehr geben. Die Folge: Das Zusammenfassen von globalen Geschäftsfunktionen – im Finanzwesen, im Einkauf oder im Personalwesen – wird zunehmen. Laut einer Studie von PricewaterhouseCoopers aus dem Jahr 2011 glauben 59 Prozent der Unternehmen, dass sich die Zahl von In-house Shared-Services-Centern in den kommenden Jahren erhöhen wird. Die IT lässt sich so über Unternehmens- und Landesgrenzen hinweg standardisieren sowie die Kosten reduzieren und die Effizienz steigern. Nur 15 Prozent sind der Meinung, dass die Services zunehmend dezentral erbracht werden.

Von EVC (Enterprise Value Chain) zu NVC (Network Value Chain)

Die zweite Veränderung zeigt sich an der Wertschöpfungskette. Diese (Enterprise Value Chain) wird sich immer mehr zu einem globalen Netzwerk entwickeln (Network Value Chain). Künftig bemisst sich der Wertbeitrag der IT unter Einbeziehung von Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern. Die CIOs werden sich verstärkt mit der Integration externer Applikationen und Infrastrukturen auseinandersetzen. So werden ganze Funktionsbereiche ausgelagert sowie Lieferanten und Geschäftspartner weltweit stärker in Kerngeschäftsprozesse eingebunden. Die Wertschöpfung wird im Verbund erzielt. Unternehmen werden einen Logistikdienstleister haben, der ihnen die Waren termingerecht und flexibel zum Kunden bringt. Zulieferfirmen werden noch mehr Komponenten für die Endprodukte liefern. Im Automobilbereich werden künftig rund 60 Prozent der Wertschöpfung von Zulieferern erbracht, sagen Schätzungen. Heute liegt der Anteil mit rund 25 Prozent noch deutlich darunter.

Von Projekt zu Portfolio

Die Komplexität neuer Technologien steigt im Netzwerkzeitalter drastisch. Verursacht wird dies durch Smartphones, Tablet-PCs oder andere mobile Endgeräte. Aber auch das Internet trägt durch Foren, Blogs oder soziale Netzwerke dazu bei. Zugleich ist es ein „Quell“ neuer Technologien. Mehr als 50 davon gilt es unter einem Kosten-Nutzen-Aspekt und hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit zu beurteilen.

Laut einer Studie von Capgemini aus dem Jahr 2011 stehen derzeit Virtualisierungstechnologien weit oben auf der Agenda. Ebenfalls hoch im Kurs stehen das Stammdaten- und Risikomanagement sowie die Integration von Standard- und Individualsoftware, wobei sich der Grad der Umsetzung zum Teil deutlich unterscheidet. Ist die Virtualisierung in vielen Unternehmen bereits Realität oder wurde sie zumindest in Angriff genommen, besteht beim Stammdaten- und Risikomanagement vielerorts noch Nachholbedarf. Und dann stehen ja noch Cloud Computing, Mobile Devices, User Interfaces, Smartphones, Tablet-PC mit unterschiedlichen Betriebssystemen und Social Media aus.

Ein neues Schlagwort heißt folglich Portfolio-Management. Nur dadurch werden sich die unterschiedlichen, hochkomplexen IT-Architekturen, Geräte und Infrastrukturen sowie deren Prozesse bewerten und managen lassen – hinsichtlich ihres Nutzens, hinsichtlich der Kosten, hinsichtlich der Sicherheit. Der Beitrag von Portfolio-Projekten zum Unternehmenswert und der IT-Strategie wird zu einer Schlüsselmessgröße, um nicht unrentable Projekte anzugehen.

Von Sekundär zu Primär

Die vierte radikale Veränderung wird die IT an sich aufwerten. Denn diese darf aufgrund ihrer Wichtigkeit für die Unternehmen nicht mehr nur als indirekte Funktion der Wertschöpfungskette und damit als Cost Center gesehen werden. Es gilt, die IT vielmehr als direkte Funktion zu betrachten, da sie einen direkten Wertbeitrag für die Unternehmen leistet. Noch hat sich dieser Gedanke nicht festgesetzt, was die Studie der Fachhochschule Ingolstadt belegt. Nur etwas mehr als ein Viertel (27 Prozent) der CIOs attestierte sich selbst, Treiber bei der Optimierung der Prozesse zu sein, während alle anderen sich eher in einer unterstützenden Funktion sehen (69 Prozent) oder sagen, dass die IT in nur geringem Maß dazu beiträgt (4 Prozent). Und das, obwohl zukünftig jeder Kernprozess der Wertschöpfungskette zum Großteil von der IT abhängen und der Durchdringungsgrad von derzeit 59 Prozent auf 88 Prozent im Jahr 2015 anwachsen wird.

Wenn die IT aber so wichtig wird, und wenn die Unternehmen aufgrund der neuen Anforderungen des Netzwerkzeitalters in neue Technologien wie Cloud Computing zusätzlich investieren müssen, dann muss sich die IT auch an den Prozesskosten messen lassen. Heute hat die IT laut Studie der Fachhochschule Ingolstadt aber in keinem Unternehmen die Kostenverantwortung. Zu 32 Prozent obliegt diese den Fachabteilungen. In 42 Prozent der Fälle zeichnen sich IT und Fachabteilungen gemeinsam verantwortlich. 26 Prozent erheben die Prozesskosten erst gar nicht. Bereits heute zeigt sich, dass die CIOs, die als Mitglied der Geschäftsleitung direkt an den CEO berichten (31 Prozent), strategisch(er) agieren können als beispielsweise ihre Kollegen, die dem CFO (41 Prozent) oder dem COO (8 Prozent) unterstellt sind. Auch Nutzen und Wertbeitrag sind höher, und sie können ihre Rolle als innovative Triebfeder besser ausfüllen.

Auf die nächste Generation von CIOs warten zahlreiche Herausforderungen in Form von vier radikalen Veränderungen. Im Netzwerkzeitalter wird er zum Chief Integration Officer werden, der sich mit dem Zusammenspiel äußerst flexibler Architekturen, multiplen Plattformen, netzwerkorientierten Organisationen und kollaborativen Prozessstrukturen auseinandersetzen kann. Will der CIO künftig erfolgreich sein, muss er direkt der Geschäftsführung unterstellt werden. Nur so kann er mehr wirtschaftliche Verantwortung übernehmen und mit einer netzwerkorientierten IT-Strategie einen größeren Wertbeitrag zum Unternehmen leisten als bisher.

Bildquelle: © Lodestone Management Consultants GmbH

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