Der Handel steht vor der Herausforderung, seine Kunden über alle Vertriebskanäle hinweg zu bedienen und kurzfristig auf wechselnde Trends und Nachfrageschwankungen zu reagieren. Ob im eigenen Ladenlokal oder dem Webshop, per Smartphone-App oder über den Konzessionsverkauf – der Kunde nutzt heute je nach Situation jeden Kanal, um sich über Produkte zu informieren und Käufe abzuschließen. Liefert ein Händler nicht, wann und wo der Kunde es wünscht, hat er schnell sein Geschäft verspielt.
Händler müssen dazu in der Lage sein, Warenlieferungen im Transit kurzfristig umzuleiten, wenn sich die regionale Nachfrage ändert. Fragen Käufer einen ausverkauften Artikel in einem lokalen Shop nach, muss der Händler das Produkt rasch anfordern oder über einen anderen Kanal anbieten können, wenn er den potentiellen Käufer nicht verlieren will. Um Kundenwünsche und Marktanforderungen flexibel zu erfüllen, brauchen Händler eine hohe Transparenz über die Bestände und Transaktionen in ihrer Lieferkette. Das erlaubt ihnen, kurzfristig steuernd in Beschaffungs- und Transportprozesse einzugreifen.
Klassische Lösungen wie ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning) mit punktuellen EDI-Verbindungen (Electronic Data Interexchange) zwischen Händler, Logistikdienstleister und anderen Lieferkettenteilnehmern erfüllen diese Anforderungen oftmals nicht. Die Lieferkette ist zu komplex und zu heterogen. Insbesondere internationale agierende Unternehmen arbeiten mit Hunderten von Lieferanten, zahlreichen Transportunternehmen – vom Ocean Carrier bis zum lokalen Spediteur – und mitunter Tausenden von Vertriebspartner zusammen. Ihre Lieferketten sind weltumspannende Wertschöpfungsnetzwerke mit einer Fülle von Handelspartnern, die je eigene IT-Systeme mit unterschiedlichen Datenbeständen und -formaten betreiben.
Vor diesem Hintergrund investieren Handelsunternehmen viel Geld in Infrastruktur und Software, um ihre Lieferketten zu automatisieren. Dennoch verfügen nur wenige über eine Lösung, die alle Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette einschließt. Das Problem ist hausgemacht, denn häufig versuchen die Händler, ihre Lieferketten mit traditioneller Unternehmenssoftware zu managen. Diese dient jedoch vorrangig zur internen Prozessautomatisierung. ERP-Systeme sind stark auf interne Daten und Prozesse ausgerichtet. Sie besitzen teilweise eine eigene, proprietäre IT-Infrastruktur, die es Unternehmen erschweren kann, Informationen mit anderen Netzwerkakteuren auszutauschen. Die Lösung für das Problem können cloud-basierte Supply-Chain-Plattformen liefern, die Informationen aller angeschlossenen Wertschöpfungsteilnehmer empfangen und zur Verfügung stellen. Statt EDI-Verbindungen für jeden einzelnen Partner zu entwickeln, richtet ein Unternehmen nur eine Schnittstelle zur zentralen Plattform ein. Aktualisiert etwa ein Teilnehmer den Status eines Transports, werden alle seine Partner sofort darüber informiert. Dem Händler gibt das volle Transparenz über alle Teilschritte der Lieferkette: von der Bestellung bei seinen Lieferanten über die Auftragsannahme, Produktion, Verpackung, Etikettierung, Verschiffung, Verzollung und den Transport bis zur Belieferung des jeweiligen Vertriebspartners. Ändert sich der Kundenbedarf, kann der Händler jederzeit in den Prozess eingreifen und kurzfristige Änderungen vornehmen.
Ein Beispiel: Der Konzern Nestlé, einer der größten Lebensmittelhersteller der Welt, verwendet das Cloud-Netzwerk von GT Nexus als onlinebasierte Plattform, um Seefracht für jährlich über 300.000 Container global einzukaufen und zu verwalten. Die Netzwerkverbindungen der Plattform ermöglichen es zudem, elek-tronische Rechnungen und Nachrichten zum Transportstatus von den Carrieren sofort zu erfassen und mit hinterlegten Verträgen und Raten zu vergleichen.
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