Gasline setzt auf ERP

Ohne Knick in der Leitung

Mit einer auf Open Source basierenden ERP-Lösung bildet die Netzgesellschaft Gasline alle Prozesse strukturiert ab.

Glasfaser, Bildquelle: Gasline

Glasfaserleitungen gehören zu den schnellsten Datennetzen der Welt. Eines der größten Netze dieser Art in Deutschland gehört der Gasline.

Glasfaserleitungen gehören zu den schnellsten Datennetzen der Welt. Eines der größten Netze dieser Art in Deutschland gehört der Gasline: Die Telekommunikationsnetzgesellschaft deutscher Gasversorgungsunternehmen stellt ihren nationalen und internationalen Kunden Lichtwellenleiterinfrastruktur zur Nutzung bereit. Damit die mit dem Leitungsmanagement zusammenhängenden kaufmännischen und technischen Abläufe reibungslos funktionieren, müssen viele Prozesse ineinandergreifen. Über die verschiedenen Funktionsbereiche und Abteilungen bei Gasline hinweg waren dafür verschiedene IT-Lösungen im Einsatz, die auf Excel und Access basierten. Mit der Folge, dass Daten in der technischen Verwaltung, im Controlling und im Einkauf redundant gehalten wurden. Prozess­brüche verhinderten, dass Abläufe und übergreifende Auswertungen automatisiert werden konnten. „Wir bedienen den mit Abstand größten Dark-Fibre-Kundenstamm Deutschlands mit unseren Dienstleistungen. Mit zunehmender Kundenzahl stießen wir mit unserer Datenhaltung an die Grenzen“, sagt Christof Emmerichs, verantwortlich für Geschäftsentwicklung und Kundenmanagement bei Gasline.

Die Netzgesellschaft suchte also nach einer Softwarelösung, mit der unterschiedliche Vertragstypen wie Anmietung, Vermietung, Gestattung, Kauf und Verkauf detailliert abgebildet werden konnten. Das System sollte zudem in der Lage sein, anhand der zu den Verträgen und Leistungsverpflichtungen hinterlegten Entgelte automatisiert die Rechnungslegung vorzunehmen. Eine wesentliche Anforderung war auch die Agilität: „In unserem Geschäft ist es besonders wichtig, flexibel auf die Marktanforderungen zu reagieren. Wir suchten also eine Software, die die Prozesse strukturiert abbildet – dabei aber schnell an sich ändernde Rahmenbedingungen angepasst werden kann“, so Emmerichs. „Für diese Anforderungen gab es auf dem Markt keine Standardlösung.“

Den Ausweg bietet hier eine Individualentwicklung. Die herkömmliche Entwicklung einer Individualsoftware bedeutet jedoch neben dem finanziellen auch einen enormen zeitlichen Aufwand. Der Prozess von der Anforderungsdefinition, Spezifikation, Analyse und Konzeption über die Implementierung und Qualitäts­sicherung bis hin zum Rollout und schließlich der produktiven Nutzung erfordert im besten Fall mehrere Monate. In vielen Fällen haben sich in der Zwischenzeit jedoch die Anforderungen der Fachabteilungen geändert oder weiterentwickelt.

Lösung nach dem Baukastenprinzip

Die richtige Lösung für Gasline hatte Novabit mit dem Open-Source-ERP-Baukasten Nuclos. Damit können Unternehmen individuelle ERP-Lösungen umsetzen. Dazu setzt die Lösung auf eine generische Abbildung prinzipieller Prozessmechanismen und nicht auf vorgefertigte Prozesse – ein wesentlicher Unterschied zu herkömmlicher ERP-Software: Der Baukasten beinhaltet bereits alle Bausteine und möglichen Abläufe zur Abbildung vieler denkbarer Unternehmensprozesse. Diese sind generisch abgebildet, wobei die Softwaretechnologie konsequent von der Geschäftslogik, d. h. der Abbildung der konkreten, fachspezifischen Anforderungen, getrennt ist. Immer wiederkehrende Grundfunktionalitäten und Abläufe sind mit Hilfe von Metadaten beschrieben und in der Basis abgelegt. Sie lassen sich dann ausschließlich durch Konfiguration, also ohne Programmierung von Softwarecodes, und zur Laufzeit des Systems auf konkrete Anwendungsfälle einstellen, erweitern oder modifizieren.

Schrittweite Realisierung

Nach der Spezifikationsphase, in der Gasline und Novabit gemeinsam die Anforderungen an das Basissystem definierten, folgte im zweiten Schritt die direkte Umsetzung. Hierbei nutzte der Infrastrukturanbieter die Vorteile der iterativen Anwendungsdefinition, wie sie Nuclos ermöglicht. Dazu gehören eine Vielzahl generischer Mechanismen wie dynamische Datenstrukturen und Layouts, Prozess- und Regelmaschinen, Mechanismen zur Unterstützung von Reporting und Formularwesen, Rollenmanagement und Berechtigungskonzepte, ereignisgesteuerte Geschäftsregeln oder Benutzerprofilunterstützung. Diese Mechanismen ermöglichten die Modifikation der fachlichen Funktionalitäten des Systems direkt durch die Fachanwender. Die Realisierung der Anwendung erfolgte dabei schrittweise. Der Projektfortschritt konnte am laufenden System getestet, durch die Fachbereiche überprüft und bei Bedarf direkt zur Laufzeit des Systems angepasst werden. Diese Vorgehensweise hebt die bisherige Grenze zwischen „design time“ und „run time“ auf und ermöglicht verkürzte Phasen für den Entwurf und die Tests sowie eine von Releasezyklen unabhängige Pflege.

Die anschließende Migration der Altdaten erfolgte dann reibungslos. Schritt für Schritt konnten die Daten nach einer vorbereitenden Datenbereinigung auf Knopfdruck in die neue Lösung übernommen werden. „Die iterative Vorgehensweise, wie sie uns die Lösung ermöglichte, hat die Realisierung des Projekts wesentlich beschleunigt. Der Zeitaufwand war verglichen mit einer Individualentwicklung oder der Anpassung einer Standardlösung, die es aber gar nicht gab, wesentlich geringer“, erklärt Emmerichs.

Heute arbeitet Gasline mit einem durchgängigen System für das Kunden- und Vertragsmanagement seiner Anmiet- und Vermietverträge, insbesondere bei der Rechnungslegung und im Controlling. Es bildet die Verträge auf die Leistungsverpflichtungen und technischen Gewerke ab, automatisiert die periodische Rechnungslegung und unterstützt die Arbeitsabläufe wie etwa die Übergabe der generierten Rechnungen an SAP zur Buchung. „Wir stellen Verbesserungen im Ablauf und der Transparenz unserer abgebildeten Geschäftsprozesse fest“, lautet das Fazit von Christoph Emmerichs. So habe sich mit dem Einsatz des neuen ERP-Systems die Datenkonsistenz verbessert, auch die Abrechnung und das Controlling konnten optimiert werden. „Prozesse müssen verbindlich eingehalten werden“, so Emmerichs weiter. Diese positiven Effekte können sich noch verstärken, wenn weitere Anforderungen mit der Lösung abgedeckt und auf derselben Basis umgesetzt werden. So soll das System nach der ersten Konsolidierungsphase weiterentwickelt werden und dann auch Lösungen im Bereich des Kundenbeziehungs- und des Auftragsmanagements anbieten. Ebenfalls geplant ist eine Online-Schnittstelle zu SAP.

 

Über Gasline
Die „Gasline Telekommunikationsnetzge­sellschaft deutscher Gasversorgungsunternehmen mbH & Co. KG“ verfügt über ein  deutschlandweit flächendeckendes Licht­wellenleiternetz mit einer Trassenlänge von über 9.500 km. Mehr als 100 nationale und internationale TK-Unternehmen nutzen das Netz, das in mehr als 100 Städten an Tele­häuser, PoPs (Points of Presence) und ­Serviceanbieter angeschlossen ist.
Im Internet: www.gasline.de

 

Bildquelle: Gasline

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok