Beim Umstieg auf Google Apps versprechen die US-Amerikaner mehrere Vorteile: „Postini-Kunden steigen auf eine skalierbarere, zuverlässigere Plattform um, die auf moderner Architektur aufgebaut ist. Die in Google Apps integrierten Features für E-Mail-Sicherheit und -Archivierung sind auf viele Arten leistungsfähiger und flexibler als die Funktionen in Postini", erklärt Adam Swidler, Security Products Manager for Google Enterprise. Überdies positioniert sich der Kunde durch den Umstieg deutlich besser für die Nutzung anderer Google-Apps-Features wie GMail und Docs.
Nicht alle Experten glauben jedoch, dass die Anwender dabei gut weg kommen. So erklärt beispielsweise Bernhard Hecker, Leiter Produktmanagement bei dem Münchner Anbieter Retarus: „Postini-Kunden erhalten nach einem Wechsel zu Google Apps nur noch einen bedingt unternehmensfähigen Mail-Service. Aus Gesprächen mit Kunden wissen wir jedoch, dass sie ihre E-Mail-Kommunikation gerne im Griff haben möchten und es hierzu professioneller Administrationsmöglichkeiten sowie aussagekräftiger Monitoring- und Reporting-Funktionen bedarf.“ Ähnliche Features soll es bei Google Apps zwar auch ab 2013 geben, jedoch ist der Umfang laut Hecker derzeit noch völlig unklar.
Doch damit nicht genug sei es ein nicht unterschätzendes Sicherheitsrisiko, dass jeder Anwender des neuen Dienstes vollen Zugriff auf unerwünschte Mails haben soll, um etwa seinen Spamfilter zu trainieren. Dies war vorher nicht der Fall und ist laut Hecker äußerst unproduktiv. „Zudem blockiert der neue Dienst alle E-Mails, die ausführbare Dateien enthalten. Das lässt sich nicht konfigurieren. Das heißt, Unternehmen, die mit Partnern ausführbare Dateien per Mail austauschen müssen, können das nicht. Ein frei konfigurierbarer Attachment-Blocker, der unerwünschte Anhänge abweist oder an eine definierte Mail-Adresse umleitet, wäre hier sinnvoll", so Bernhard Hecker weiter.
Verständnis für den US-amerikanischen Anbieter zeigt hingegen Danny Reimer, Mitbegründer und CEO Yourtime Solutions. „Der Anbieter bringt mit der Zusammenführung von Postini und Google Apps seine Technologie auf den aktuellen Stand und reduziert die Komplexität für die Kunden“, so Reimer. Da parallele Lösungen in der Regel ein höheres Maß an Aufwand verursachen, bedeute die Integration von Postini hingegen eine Erleichterung des täglichen Arbeitsprozesses. Überdies biete Google Apps neue Potentiale und Anwendungsmöglichkeiten für die Kollaboration im Team wie die parallele Bearbeitung von Office-Dokumenten durch unterschiedliche Mitarbeiter.
Derzeit gibt es nach Herstellerangaben zehntausende von Unternehmen, die Postini-Services nutzen und von der bevorstehenden Migration betroffen sind. Doch was kommt auf diese bei einem Umstieg auf Google Apps zu? Adam Swidler berichtet dazu: „Wir überführen die Kunden auf die Google-Apps-Plattform, welche sie künftig weitestgehend auf dieselbe Weise wie heute Postini nutzen können. Das heißt, sie werden ihren vorhandenen E-Mail-Server nicht durch GMail ersetzen müssen." Die Kunden könnten sich weiterhin auf ihre aktuellen Server wie Microsoft Exchange, Lotus Notes und Groupwise verlassen. „Die einzige Ausnahme sind Kunden von Google Message Discovery (Archivierung), die Lotus Notes/Domino nutzen – für diese Konfiguration planen wir keinen Support", ergänzt Swidler. Im Rahmen der Migration will der Anbieter Tools und Skripte als Hilfe bei der Automatisierung der Tasks sowie zur Sicherstellung eines reibungslosen Übergangs bereitstellen.
Der Umstieg auf Google Apps ist jedoch nicht zwingend. Allein in Deutschland gibt es zahlreiche Anbieter, die für wechselwillige Postini-Anwender lukrative Migrationspakete geschnürt haben. So hat etwa Retarus eine Alternative in petto: „Postini-Kunden erhalten bei uns ein komplettes Lösungsset für E-Mail-Sicherheit, inklusive Virus Protection, Spam- und Backscatter-Schutz, Attachment-Blocker und Mail Encryption von TLS bis S/Mime. Auch unterstützen unsere Managed E-Mail-Services Unternehmen bei der Einhaltung von Compliance-Anforderungen, also von national wie international übergreifenden rechtlichen Regelungen sowie internen Policies", beschreibt Bernhard Hecker. Dabei finde die Datenverarbeitung gemäß den jeweiligen lokalen Anforderungen statt, auf Wunsch auch nach strengen europäischen Datenschutzrichtlinien und ausschließlich in deutschen Rechenzentren. „Zudem erhalten die Kunden eine administrative Steuerung: Unser webbasierendes mehrsprachiges Administrationsportal bietet granulare Konfigurationsmöglichkeiten auf Domain- und Benutzerebene, leistungsfähige Analysefunktionen sowie ein umfassendes und detailliertes Reporting", so Hecker.
Die Antispameurope GmbH aus Hannover fängt betroffene Kunden ebenfalls auf: „Allen wechselwilligen Nutzern stellen wir unseren Spamfilter-Service bis zum Ende ihrer Google-Postini-Vertragslaufzeit kostenlos zur Verfügung. Der Wechsel zu unserem Angebot lässt sich dabei jederzeit durchführen. Bei Vorlage des bisherigen Vertrags ändern sich nicht einmal die Konditionen – so erhalten Neukunden das Produkt eines deutschen Sicherheitsanbieters zum Google-Preis", berichtet Oliver Dehning, Geschäftsführer bei Antispameurope. Inbegriffen sei eine umfängliche Betreuung im Rahmen der Migration: „Wir bieten jedem Kunden die Möglichkeit, die Ersteinrichtung per Webcast gemeinsam mit unseren Consultants durchzuführen. So lernt er von Beginn an die Funktionsmöglichkeiten und das Handling unseres Control Panels kennen und kann zudem nachverfolgen, dass die Umstellung ohne Unterbrechung des E-Mail-Verkehrs vonstattengeht", so Dehnung weiter.
Im Anschluss daran könne der Kunde vorhandene Einstellungen wie individuelle Black- und Whitelists oder Routingeinstellungen importieren, bevor als letzter Schritt die MX-Einträge der Kundendomain auf den Antispameurope-IP-Adressbereich geändert werden. Ähnlich verläuft eine Umstellung bei dem Berliner Anbieter Eleven: „Um unsere Managed E-Mail Security nutzen zu können, müssen lediglich der MX Record umgestellt werden, so dass eingehende E-Mails über unsere Server geleitet werden, und die Filtereinstellungen im Kundeninterface vorgenommen werden", erklärt Sascha Krieger, Head of Corporate Communications bei Eleven. Die Einrichtung soll für den Kunden nicht länger als 30 Minuten dauern, anschließend sei die Lösung sofort und ohne Justierungsphase voll einsatzfähig.
Auch Eleven unterbreitet Anwendern einen einfachen Postini-Ausstieg. „Wir offerieren betroffenen Nutzern eine einfache Migration auf unsere Services an. Dabei rechnen wir die Restlaufzeit des laufenden Postini-Vertrags an, so dass Neukunden unsere Lösung bis zu zwölf Monate lang kostenlos nutzen können“, berichtet Sascha Krieger. Hiermit biete man Unternehmen Schutz vor Spam, Viren und Phishing bei weitgehendem Ausschluss von False Positives.
Nicht zuletzt ist bei Yourtime Solutions mit „yourMail" eine ganzheitliche E-Mail-Management-Lösung auf Basis von Outlook und Sharepoint – wahlweise On Premise oder On Demand – erhältlich. Funktionen wie Kollaboration und integriertes E-Mail- und Aufgabenmanagement stehen dabei laut Danny Reimer direkt in der gewohnten Outlook-Umgebung zur Verfügung und die Archivierung von E-Mails erfolge mit einem Klick. Außerdem werde der User bei der Suche von Mails und Dokumenten durch intelligente Algorithmen unterstützt. Der Umstieg lohne sich vor allem für die Unternehmen an, die bereits mit Outlook arbeiten. „Zudem ermöglicht unsere Team Edition effizientes E-Mail-Management und aus technischer Sicht können vorhandene E-Mails und Dokumente aus dem zentralen Postini-Archiv exportiert und mit Hilfe unseres Migrationswerkzeugs überführt werden“, erklärt Danny Reimers.
Die Antworten aller von IT-DIRECTOR zu diesem Thema befragten Personen finden Sie hier:
Umstieg auf robustere Plattform (Google)
Die Konditionen bleiben gleich (Antispameurope)
Noch unklarer Funktionsumfang (Retarus)
Geringerer Aufwand für Updates und Migration (Yourtime Solutions)
Auf die Leistungskriterien achten (Eleven)
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