„Es war kein gutes Klima im Team“. Diese typische Aussage zu gescheiterten Projekten wird meist ergänzt durch „Der Projektleiter war schuld.“ Jeder weiß, dass die Zusammenarbeit unter angenehmen Bedingungen großen Erfolg bringt, während miese Stimmung in die Katastrophe führt.
Aber stimmt diese meist nicht hinterfragte Einschätzung eigentlich? Prof. Dr. Ayelt Komus und sein Team vom BPM-Labor für Business Process Management und Organizational Excellence der Hochschule Koblenz haben genauer hingesehen. Das Ergebnis: Schlechte Stimmung im Team hat nur wenige negative Wirkungen, da andere Faktoren deutlich bedeutsamer sind und es wieder „herausreißen“.
Das etwas überraschende Ergebnis entstammt der empirischen Studie „Evidenzbasierte Erfolgsfaktoren im Projektmanagement“ des BPM-Labors. Die Wissenschaftler haben systematisch Erfolgs- und Misserfolgsmuster untersucht. Dabei ging es um die Ermittlung einer nachvollziehbaren Basis (Evidenz) zu den Fragen, welche Verfahrensweisen tatsächlich sinnvoll sind und welche Relevanz die einzelnen Ansätze jeweils haben.
Über 450 Unternehmen haben sich an der Studie zum evidenzbasierten Projektmanagement beteiligt. Im Vordergrund stand aber nicht die subjektive Einschätzung, was Projekte erfolgreich macht. Stattdessen haben die Wissenschaftler bei den Projekten die Einflussfaktoren abgefragt oder mit statistischen Methoden analysiert.
Unterschiede zwischen Einschätzung und Empirie
Die Studienteilnehmer erhielten einen ausführlicher Katalog von Rahmenfaktoren, Kriterien zur Projekt-Typologie sowie den genutzten Praktiken. Dabei mussten die Teilnehmer jeweils ein erfolgreiches und ein weniger erfolgreiches Projekt angeben. Außerdem erfragte die Studie die persönlich wahrgenommene Relevanz einzelner Faktoren.
Auf diese Weise fanden die Wissenschaftler empirisch fundierte Hinweise auf Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren im Projektmanagement. Sie ermittelten eine evidenzbasierte Liste der Erfolgsfaktoren des Projektmanagements. „Es zeigt sich: Praktiker und Experten weichen in der Gewichtung der Erfolgsfaktoren von den Effektstärken ab, die sich aus ihren eigenen Beobachtungen ableiten“, erläutert Prof. Dr. Ayelt Komus die Ergebnisse.
Die Studie stellt unter anderem ein paar prägnante Unterschiede zwischen subjektiver Einschätzung und gemessener Effektstärke heraus. So sind subjektiv die Bereiche „Projekt-Teamwork“ (83%), „Projektsteuerung und -entscheidung“ (65%) und „Teammotivation“ (64%) erfolgsentscheidend. Die empirische Evidenz betont jedoch andere, stark im Bereich der Organisationsstruktur liegende Faktoren: „Konfliktmanagement“, „Projektorganisation“ und „Organizational Change Management“.
Die Studie zeigt also deutlich, dass Praktiker gelegentlich eine fehlerhafte Wahrnehmung ihrer eigenen Erfolge haben. Um das Beispiel vom Anfang aufzunehmen: Die Stimmung im Team wird überschätzt. Dies liegt sicher daran, dass in einem erfolgreichen Projekt die Laune deutlich steigt, sobald das gute Ergebnis sichtbar ist. Bei scheiternden Projekten ist die Stimmung vor allem gegen Ende entsprechend gedrückt.
Daraus schließen die Praktiker, dass bei allen fehlgeschlagenen Projekten die schlechte Stimmung eine Hauptursache war. Die Studienergebnisse geben das nicht her. Allerdings haben sie auch nicht ergeben, dass die „klimatischen“ Bedingungen keine Wirkung haben. Im Gegenteil: Sie sind ein großer Erfolgsfaktor, so etwas wie das Sahnehäubchen auf den anderen Faktoren.
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Weitere Infos und Anforderung des Studienberichts unter www.erfolgsfaktoren-projektmanagement.de