Typo 3: Kommentar von Jürgen Egeling, Punkt.de

Quelloffenes CMS im Einsatz

Für welche Unternehmens-Website passt der Einsatz des quelloffenen Content-Management-Systems (CMS) Typo3? Jürgen Egeling, Geschäftsführer bei der Webagentur Punkt.de, beschreibt verschiedene Einsatzszenarien und kommentiert die Vor- und Nachteile des Systems.

Jürgen Egeling, Punkt.de

Jürgen Egeling, Geschäftsführer bei Punkt.de

So wird die lizenzkostenfreie Software für große Webauftritte mit hunderten Seiten wie das Partnerportal der Deutschen Post oder die Website von Leaseplan ebenso eingesetzt wie für den Betrieb der Internetseiten zahlloser kleiner und mittlerer Unternehmen. Dabei stellen Mittelständler allein aufgrund ihrer Größe teilweise ganz andere Anforderungen an ihr CMS als Konzerne. Dass Typo3 in beiden Fällen zum Einsatz kommt, liegt auch daran, dass es sich dank verschiedener Extensions und aufgrund des offenen Quellcodes an fast alle Anforderungen anpassen lässt. Ist es also das perfekte Allround-CMS?

Gerade in großen Unternehmen wird Open-Source-Software teilweise kritisch betrachtet, da kein Unternehmen dahintersteht, das die Verantwortung für die Weiterentwicklung trägt, sondern eine Entwickler-Community. Aber gerade durch die große und engagierte Community konnte sich Typo3 zu einem vielfältig einsetzbaren CMS entwickeln. Der offene Quellcode erlaubt es jedem, das System an seine Bedürfnisse anzupassen.

Allerdings ist das CMS damit auch zu einem komplexen System herangewachsen, das entsprechend viel Einarbeitung erfordert. Deshalb sind Unternehmen gut beraten, sich für ein Typo3-Projekt einen Partner zu suchen, der das CMS gut kennt und Erfahrung in der Umsetzung großer Webprojekte hat. Denn mangels Hersteller ist diese Webagentur der einzig verantwortliche Ansprechpartner.

Gute Kontakte der Agentur zur Community sind ein zusätzlicher Pluspunkt und erleichtern später die Wartung des Systems. Durchgeführte Änderungen und Bugfixes fließen dann in die Codebasis zurück und alle Anwender profitieren von einer zentral gepflegten und ständig aktuellen Softwarebasis. Im Betrieb macht sich das durch eine hohe Stabilität sowie Sicherheit und geringe Wartungskosten bemerkbar. Übernimmt zudem ein spezialisierter Rechenzentrumsdienstleister das Hosting, entsteht für den Kunden praktisch kein Administrationsaufwand.

Hohe Lasten bewältigen

Während Typo3 bei der Auslieferung statischer Inhalte glänzt und dank vorhandener Caching-Techniken auch hohe Last gut bewältigt, ist die Performance bei massiv interaktiven Webapplikationen nicht zufriedenstellend. Diese Schwäche teilt die Open-Source-Lösung mit allen CMS, die auf relationalen Datenbanken aufbauen. Um etwa Gewinnspiele mit vielen Datenbewegungen umzusetzen, ist es ratsam, diese Elemente in einer anderen Technologie zu implementieren. Diese lassen sich dann in eine bestehende Website integrieren. Auch Daten aus anderen Systemen wie etwa SAP können über Schnittstellen oder Webservices in das Open-Source-CMS eingebunden werden.

Überdies bereitet die revisionssichere Nachverfolgung von Änderungen in Typo3 Schwierigkeiten. Banken oder andere Unternehmen, die alle Veränderungen an ihren Website-Inhalten nachvollziehen können müssen, stehen vor der Wahl, entweder einen relativ komplizierten, revisionssicheren Backup-Prozess zu implementieren oder eben ein anderes CMS einzusetzen.
 
Abhängig von den Redaktionsabläufen und Arbeitsweisen im Unternehmen kann es sich auch als Nachteil erweisen, dass Redakteure in dem Open-Source-CMS Inhalte nur über eine Weboberfläche editieren können. Dadurch können sie zwar per Webbrowser von überall aus auf das Redaktionssystem zugreifen, aber offline editieren ist ausgeschlossen. Außerdem besteht abhängig von der Internetverbindung immer eine gewisse Latenz. Ein weiterer Nachteil der Weboberfläche ist, dass sie sich nicht in dem Maße individuell anpassen lässt, wie eine lokal installierbare Anwendung. Einzelne Arbeitsabläufe wie Freigabeprozesse lassen sich dagegen bestens in Typo3 abbilden und ein ausgefeiltes Berechtigungssystem stellt sicher, dass Mitarbeiter nur die Bereiche verändern können, für die sie autorisiert sind.

Insbesondere für Großunternehmen und Konzerne ist die Mehrsprachigkeit ihrer Internetauftritte, aber auch des Backend, ein wichtiges Thema. Das Open-Source-CMS unterstützt von Haus aus 51 Sprachen und viele Extensions sind in mehreren Sprachen verfügbar. Außerdem lassen sich viele professionelle Übersetzungsprogramme einbinden.

Welches nun das richtige CMS für ein geplantes Projekt ist, entscheiden am Ende immer die Anforderungen im Einzelfall. Typo3 eignet sich für viele Szenarien – von der Internetseite eines kleinen Handwerkers bis hin zum Konzernauftritt, in dem alle Fachabteilungen mit einem eigenen Portal vertreten sind – aber eben nicht für alle. Stärker als bei einem proprietären CMS entscheidet jedoch die Qualität der ausführenden Agentur darüber, wie gut das CMS-Projekt gelingt.


Die Stärken und Schwächen von Typo3

(+)
- Stabilität
- Sicherheit
- Skalierbarkeit
- Kompatibilität
- Erweiterbarkeit
- Sprachunterstützung
- engagierte Community
- geringe Wartungskosten
- ständige Weiterentwicklung
- lizenzkostenfrei, da Open Source
- hohe Performance bei statischen Inhalten
- Abbildung individueller Redaktionsprozesse

(-)
- Komplexität
- Revisionssicherheit
- Redaktionssystem nur online
- Open Source – kein Hersteller als Ansprechpartner
- durch SQL-Unterbau Performance-Schwächen bei interaktiven Inhalten

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