Löschanlage im Rechenzentrum von Tüv Nord
Früher verfügte die TÜV Nord Group über unterschiedliche IT-Landschaften an den drei Hauptstandorten in Deutschland sowie in den ausländischen Gesellschaften. Im Zuge einer Umstrukturierung der internen Prozesse fand eine Neuordnung der EDV statt. An dieser Stelle beschloss der Technologiedienstleister, seine IT zu zentralisieren. Heute betreibt die Gruppe ein hochverfügbares Rechenzentrum am Standort Hannover. „Wir haben besonderes Augenmerk auf einen hohen Virtualisierungsgrad gelegt, der mittlerweile über 75 Prozent beträgt“, erkärt Leroy Racette, Bereichsleiter EDV. Mit den Umstrukturierungsmaßnahmen und dem Neubau schaffte es das Unternehmen zudem, die EDV-Kosten seit 2010 um 30 Prozent bei steigenden Serviceleistungen zu reduzieren.
Ziel war es, ein Rechenzentrum zu errichten, das dank seiner Zukunftsfähigkeit überzeugt und sensible Kundendaten bestmöglich schützt. Bei Kalkulationen stellte sich heraus, dass der ROI durch eine Bündelung sämtlicher Prozesse an einem einzigen Standort in weniger als fünf Jahren erreicht werden würde. Auf der Suche nach einem Planungspartner für dieses Projekt entschied sich Leroy Racette für die ProRZ Rechenzentrumsbau GmbH. „Das Unternehmen war uns bekannt, da wir bereits des Öfteren im Zuge der TÜViT-Trusted-Site-Zertifizierung zusammengearbeitet haben. Wir wussten daher um die Qualität der Leistungen.“
Nach einer ersten Vorplanung nahm die Realisierung des Neubaus zunehmend Gestalt an. „Im Rahmen der Detailplanung wurden seitens ProRZ Faktoren wie die Verkabelung, Ausstattungsmöglichkeiten und andere Gewerke berücksichtigt“, so Racette. Nachdem die Umsetzung dann durch die Geschäftsführung final besiegelt war, übernahm der Anbieter mit seinem Team aus Architekten, Elektro- und Klimaplanern sowie Brandschutzexperten in enger Zusammenarbeit mit dem Anwenderunternehmen die Feinplanung und lieferte einen exakten Fahrplan für die Umsetzung. Die Planung wurde schließlich von einem ortsansässigen Generalunternehmer durchgeführt. Die gute Vorbereitung führte letztlich dazu, dass die Gruppe unter dem veranschlagten Budget blieb und das Projekt im vereinbarten Zeitraum fertiggestellt wurde.
Sämtliche Vorgaben wurden mit RZ-Dienstleister besprochen und im Rahmen der zweieinhalbjährigen Planungsphase kalkuliert. Heute verfügt die TÜV Nord Group über zwei gespiegelte, höchstverfügbare und jeweils 350 qm große IT-Räume der Granite-Serie der RZ-Products GmbH, deren Technikgewerke mehrfach redundant ausgelegt sind. Die IT-Sicherheitsräume sind erfolgreich als Komplettsystem ECB-S-zertifiziert. Die feuerfeste Bauweise aus leichten Materialien, hochtemperaturfesten Dichtungen und robusten Isolierplatten hielt beim Brandtest einer intensiven Beflammung stand, ohne technische Schäden am Objekt zu hinterlassen. Und auch anderen physikalischen Gefahren widerstehen die hochverfügbaren Lösungen.
Das Thema Energieeffizienz spielte bei der Realisierung ebenfalls eine gewichtige Rolle, was der Einsatz besonders umweltschonender Infrastrukturtechnik widerspiegelt. So arbeitet das Rechenzentrum u.a. mit einer freien Kühlung. Auf dem Dach des Gebäudes sind drei Rückkühler angebracht, welche bis zu einer Temperatur von 18 °C die Außenluft zur Kühlung der Server verwenden. Bei höheren Temperaturen schalten sich zunächst drehzahlregelbare Ventilatoren zu. Ab ca. 27 °C setzt zusätzlich eine adiabatische Kühlung ein. Erst wenn diese nicht mehr ausreicht, kommen die Kompressoren der Kältemaschinen zum Einsatz, die eine ausreichende Kaltwassertemperatur für die Umluftkühlgeräte in den Serverräumen sicherstellen. Einhausungen im Inneren des IT-Sicherheitsraumes leisten mithilfe einer intelligenten Luftströmung ebenfalls ihren Beitrag zugunsten einer effizienten Klimatisierung. Dieses System gewährleistet CO2-Einsparungen von bis zu 320 Tonnen pro Jahr. Gemeinsam mit der integrierten Virtualisierungstechnologie ergibt sich somit eine CO2-Gesamteinsparung von 650 Tonnen pro Jahr. Hierdurch werden energetische Kosteneinsparungen im siebenstelligen Bereich realisiert.
Ein weiteres Detail stellt die Stromzufuhr aus zwei verschiedenen Netzen dar. Hinzu kommen zwei Dieselaggregate, die die gesamte RZ-Versorgung für einen Zeitraum von 72 Stunden aufrechterhalten. Hinsichtlich eines geeigneten Brandschutzkonzepts entschied sich das Team rund um Racette für eine Löschanlage, die mit dem umweltverträglichen Löschgas Novec 1230 betrieben wird. „Mit der Einrichtung eines einzigen Löschraumes werden sowohl die zwei Serverräume, als auch beide USV-Räume geschützt“, erklärt Racette. Ausgelöst wird die Anlage im Brandfall anhand eines Brandfrüherkennungssystems und eines zusätzlichen Brandmelders. Der durch die Flutung entstehende Überdruck wird über Druckausgleichsklappen nach außen geführt. Ein regulierter Luftaustausch nach Freigabe des Löschbereiches ermöglicht anschließend eine rasche Wiederherstellung des Normalbetriebes.
„Die akribische Planung war für die reibungslose und erfolgreiche Umsetzung das A und O“, erklärt Racette. Dies war jedoch auch notwendig, um das Hochsicherheitsrechenzentrum zu verwirklichen. Denn würde die IT der Gruppe vorübergehend ausfallen, wäre das Unternehmen nahezu handlungsunfähig. „Heutzutage laufen sämtliche Prozesse digitalisiert ab“, sagt Racette und fügt hinzu: „Alle geschäftlichen Abläufe haben eine extrem hohe EDV-Durchdringung“. Angefangen bei theoretischen Führerscheinprüfungen über Hauptuntersuchungen, der Speicherung der Kundendaten bis hin zu sämtlichen operativen Prozessen innerhalb des Unternehmens – im Falle eines Stillstandes wären die Mitarbeiter weltweit extrem eingeschränkt.
Die TÜV Nord Group ...
... ist mit ihren mehr als 10.000 Mitarbeitern in 70 Ländern ein weltweiter Technologiedienstleister, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1869 zurückreichen. Der Konzern steht für die Sicherheit und den Schutz von Menschen und ist in den Geschäftsbereichen Industrieservice, Mobilität, Bildung, Rohstoffe, Luftfahrt und IT organisiert. Der EDV-Bereich stellt bei der Gruppe einen wichtigen Bestandteil des Konzerns dar. Insgesamt 185 Mitarbeiter sind hier tätig – Tendenz steigend.
Im Internet: www.tuev-nord.de
Bildquelle: Tüv Nord