Und dennoch ist die Entscheidung, eine Anwendung in die Cloud auszulagern und als Service betreiben zu lassen, oftmals keine einfache Rechnung. Denn eine Anwendung steht selten für sich allein. Deshalb muss sie stets im Kontext ihrer Bedeutung für das Business, der gesamten IT-Landschaft sowie im Hinblick auf externe Regulierungen betrachtet werden. Nur so kann eine nachhaltige Kostensenkung durch Modernisierung und Flexibilisierung erreicht werden. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ein umfassendes und aktuelles Verständnis der gesamten IT-Landschaft und ihrer Wechselbeziehungen vorhanden sein muss. Ein Bericht von Nucleus Research belegt, dass dem in der betrieblichen Realität nicht immer so ist: Viele Unternehmen müssen bei IT-Investitionsentscheidungen auf Informationen zurückgreifen, die durchschnittlich 14 Monate alt und obendrein nur zu etwa der Hälfte korrekt sind. Das bedeutet aber, dass die Auswirkungen der Migration einer Anwendung in die Cloud auf den Gesamtkontext der IT-Anwendungslandschaft kaum nachvollzogen werden können.
Warum aber ist dieser Gesamtkontext so wichtig, wenn es um die Auslagerung einzelner oder mehrerer Anwendungen geht? Das liegt vor allem daran, dass CIOs und IT-Organisationen nicht einfache Optimierungsaufgaben wie Kostensenkung oder Flexibilisierung der IT-Architektur zu erledigen haben. Vielmehr müssen diese vor dem Hintergrund wachsender Erwartungen der Fachabteilungen und zunehmenden externen Vorgaben erbracht werden. Dieser Balanceakt erfordert nicht nur ein Verständnis der gegenwärtigen Anwendungslandschaft, sondern auch eine strategische Planung der zukünftigen. Dies gilt besonders für die Verlagerung in die Cloud, denn diese hat häufig Nebenwirkungen, etwa die Unterstützung benötigter Geschäftsfunktionalitäten, die Stilllegung vorhandener Anwendungen oder die Vereinbarkeit mit externen Regulierungen, die zeitgleich adressiert werden müssen.
Sobald neue Anwendungen als Service das vorhandene Portfolio erweitern sollen, ist es notwendig, diese im Kontext der bereits vorhandenen Geschäftsfunktionalität zu betrachten, um Redundanzen zu vermeiden, die einerseits kostspielig sind und zum anderen die Komplexität der Anwendungen erhöhen. Der Versicherer Generali berichtet, dass im Laufe der Zeit die Anzahl der Zahlungssysteme auf zwölf angewachsen ist, wo eines genügt hätte. Das Beispiel zeigt, dass zunächst konsolidiert werden muss, bevor der Weg in die Cloud frei ist.
Dies führt zum zweiten Punkt: Damit veraltete Anwendungen nicht als teure Altlast weiter betrieben und gepflegt werden, müssen sie entsprechend stillgelegt werden – sonst lässt sich der erhoffte Effekt von Cloud-Angeboten nicht realisieren. Da man eine Anwendung aber nicht einfach abschalten kann ohne unerwartete Nebeneffekte zu riskieren, müssen auch hier die Wechselwirkungen zur Geschäftsseite bekannt sein, um die Abschaltung planen zu können.
Ob eine Anwendung überhaupt als Service in der Cloud betrieben werden darf, kann zudem von externen Regulierungen abhängen, die nach Land und Branche sehr unterschiedlich sein können. Vor diesem Hintergrund ist Transparenz ihrer Abhängigkeiten notwendig. Und das jederzeit, denn sowohl Regulierungen als auch Anwendungen ändern sich. Nur so kann sichergestellt werden, dass durch den Betrieb in der Cloud keine gesetzlichen Vorgaben verletzt werden.
Um die Versprechen des Cloud Computing in der betrieblichen Realität umsetzen zu können, ist für den gesamten Planungsprozess eine umfassende Kenntnis über das IT-Portfolio notwendig. Für diese Transparenz wird eine Planungsumgebung benötigt, die alle relevanten Bestandteile und Beziehungen als ein integriertes Portfolio abbildet. Schließlich gibt es – so stellt Gartner fest – nur ein einziges IT-Portfolio, das wiederum aus verschiedenen, komplexen und wechselseitig abhängigen Teilen besteht. Das bedeutet, dass das Applikationsportfolio nicht nur mit dem Technologieportfolio, sondern auch mit dem Anforderungs-, dem Projekt- und dem Risikoportfolio sowie den jeweiligen Kosten und Regularien verknüpft werden muss. Damit wird das integrierte IT-Portfolio zum Werkzeug, um Cloud Strategien im Gesamtkontext der IT-Strategie zu planen und umzusetzen.
Entscheidungen über die Auslagerung von Anwendungen müssen im Kontext der bestehenden und zu realisierenden Anwendungslandschaft getroffen werden. Integriertes IT-Portfolio-Management bedeutet, dass die Anwendungslandschaft jetzt und zukünftig auf die Geschäftsziele abgestimmt werden kann, während die Wechselwirkungen zu Regularien und Kosteneffekten stets im Blick bleiben. Angesichts der Komplexität der zu verwaltenden Anwendungen und der Dynamik ihrer Entwicklung werden CIOs zukünftig integrierte Software-Lösungen einsetzen, die sie bei der Entscheidung, Planung und Durchführung von Auslagerungen unterstützen. Dadurch kann eine nachhaltige Modernisierung der Anwendungslandschaft gelingen.
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