Fachgerechte Entsorgung oder Recycling von IT-Komponenten

Rückbau von Rechenzentren

Die Schließung von Rechenzentren (RZ) und der damit verbundene Rückbau – quasi zurück auf die grüne Wiese – sind meist mit hohem Aufwand verbunden. Es gilt die einzelnen IT-Komponenten fachgerecht zu entsorgen oder zu recyclen.

Grüne Wiese, Bildquelle: Thinkstock/iStock

Zurück auf die grüne Wiese: Wenn Rechenzentren am Ende ihres Lebenszyklus angekommen sind...

Entscheiden sich IT-Verantwortliche für die Auslagerung ihrer kompletten Unternehmens-IT, wird das bisherige RZ nicht mehr gebraucht. Bei der Entscheidung zugunsten eines Neubaus an anderer Stelle, hat das alte Rechenzentrum ebenfalls ausgedient. Ebenso, wenn zwei Unternehmen fusionieren und dadurch die IT-Abteilungen und -Standorte an einem zentralen Fleck gebündelt werden. Doch was passiert in solchen Fällen mit dem bisherigen Data Center? Wie für alle IT-Komponenten existiert auch für Rechenzentren ein Ende ihres Lebenszyklus’. Sicherlich reicht dieser Zyklus über die gängigen fünf Jahre für klassische Serverhardware oder die rund zehn Jahre für Klima- und USV-Anlagen hinaus. Rechenzentren werden aber auch nicht für die Ewigkeit gebaut; in der Regel geht man von einer Betriebszeit von mindestens 15 bis 20 Jahren aus. Zwar modernisieren inzwischen immer mehr IT-Verantwortliche ihre Infrastrukturen im laufenden Betrieb, dennoch muss ein RZ-Standort mitunter gänzlich aufgegeben werden. Dann gilt es, den Rückbau so gut wie möglich zu organisieren, was nicht einfach ist, denn „je nach Größe und Ausstattung ist ein kompletter Rückbau mit immensem Aufwand verbunden“, betont Frank Beckereit, Consultant bei Dimension Data. Allein die Klimaanlagen können mehrere Tonnen wiegen; überdies liegen in einem Rechenzentrum viele hundert Kilometer Kabel, die es zu entsorgen gilt. „Dies alles muss mit großer Umsicht abgebaut und anschließend entsprechend den gesetzlichen Vorschriften entsorgt werden“, so Beckereit. Doch bevor man blindlings mit dem Rückbau beginnt, sollte man zunächst klären, ob die technischen Anlagen, die bisher primär das RZ versorgt haben, möglicherweise noch andere Gebäudebereiche versorgen. „Dies gilt neben der Netzwerktechnik auch für die Energieversorgung, die Klimatechnik und die sicherheitstechnischen Anlagen“, ergänzt Christoph Wegner, Inhaber von „CWDC – Data Center Design“ sowie Referent bei dem Weiterbildungsspezialisten DCE Academy u.a. für Konzeption und Betrieb von Rechenzentren.

Sind RZ-Standort oder Serverraum in ein Unternehmensgebäude eingebettet, gilt es also, den Überblick zu behalten. Spielen sich Demontage und Abtransport überdies im laufenden Bürobetrieb ab, rät Hartmut Stähler aus dem Vertrieb für IT-Großprojekte bei Rittal, dazu, insbesondere auf Staubschutz und gesicherte Transportwege zu achten. Zudem sollten beim Rückbau von Kabelführungen und Klimaleitungen die Wanddurchdringungen brandschutztechnisch geschlossen werden. Will man den ursprünglichen Gebäudezustand wieder herstellen, müssen laut Stähler erneut Brandmeldetechnik, Sprinkler- und Gebäudeklimaanlage sowie die Beleuchtung für eine übliche Bürolandschaft eingebaut werden.

Sind alle Daten gelöscht?

Auf ein wichtiges Detail weist Thomas Wolff, Director Partner Management bei der Technogroup IT-Service GmbH, hin. Seiner Ansicht nach besitzt der gesetzeskonforme und sichere Umgang mit Daten die eindeutig höchste Priorität. Dieser Aufgabe kann sich auch keiner entziehen, denn der Umzug der IT oder der Speichersysteme geht stets mit der Bewegung von schutzwürdigen Daten einher. Auch Frank Beckereit hängt das Thema „Sicherheit“ ganz oben auf und weist darauf hin, dass „alle Daten sicher auf die neue Infrastruktur übertragen und auf der zu entsorgenden Hardware zuverlässig gelöscht werden“. Dabei sollten insbesondere die Datenträger nach DIN-Vorgaben zerstört werden. Und selbst wenn Unternehmen an dieser Stelle auf einen spezialisierten Partner setzen, ist Kontrolle besser als Vertrauen. „Dabei sollten alle Vorgänge dokumentiert und die Ergebnisse überprüft werden“, rät Beckereit. Denn ein selbstverschuldeter Datenverlust kommt bei Partnern und Endkunden nicht gut an.

Neben der sicheren Vernichtung aller Daten und -träger stellt die fachgerechte Entsorgung einzelner RZ-Komponenten sowie Gefahrstoffe ein sensibles Unterfangen dar. Dabei müssen laut Christoph Wegner die Kältemittel der Kälte- und klimatechnischen Anlagen von einer Fachfirma abgesaugt und entsorgt werden, da diese ozonschädigende Stoffe enthalten. Zudem seien auch die Löschmittel fachgerecht zu entsorgen. Aufgrund solch komplexer Aufgabenstellungen kann es sich lohnen, mit zertifizierten Entsorgungsfachbetrieben zusammenzuarbeiten. Denn diese garantieren laut Frank Beckereit den sicheren Abtransport mit Transportgenehmigung, Verwertung und Schadstoffentfrachtung sowie eine umweltverträgliche Entsorgung mit entsprechenden Entsorgungsnachweisen. Dabei muss die Demontage unter Einhaltung der Gesundheitsvorschriften erfolgen, betont Hartmut Stähler. Nicht zuletzt seien für eine ordnungsgemäße Entsorgung aller Demontageteile entsprechende Nachweise erforderlich.

Vor diesem Hintergrund weist Marc Wilkens, Consultant bei der RZ-Products GmbH, darauf hin, dass man am besten so früh wie möglich handelt: So sollten die IT-Verantwortlichen grundsätzlich sicherstellen, dass z.B. die Entsorgung der USV-Anlagen oder von Kältemitteln inklusive der damit verbundenen Kosten entweder bereits in den Wartungsverträgen enthalten ist oder, dass sie schon bei der Beschaffung der Anlagen als fester Bestandteil der Ausschreibungskriterien berücksichtigt wird.

Weiternutzung statt Leerstand

Mitunter bleiben laut Wilkens ausrangierte Data Center dennoch ein wichtiger Bestandteil der IT-Strategie, auch ungeachtet einer Komplettauslagerung. „Allerdings verändern sich durch die neuen Rahmenbedingungen sowohl die technischen Infrastrukturen als auch der Verfügbarkeitsanspruch an die einzelnen physikalischen Bauteile des RZ. Das bisherige Data Center wird im Falle einer kompletten Auslagerung in der Regel konsolidiert und zurückgebaut und dient dann als zentraler Netzknotenpunkt, insbesondere für die Anbindung ins WAN, gleichermaßen aber auch als zentraler Übergabepunkt zum Outsourcing-Dienstleister“, berichtet Wilkens. Darüber hinaus betont Hartmut Stähler, dass auch eine weitere Nutzung als Backup-Rechenzentrum oder für den Betrieb von Telekommunikationsanwendungen möglich ist, etwa weil bereits eine Klimatisierung vorhanden ist.

Überdies weist Thomas Wolff darauf hin, dass es sich in der Regel um zugangsgeschützte Räumlichkeiten handelt. Aufgrund dessen könne die Fläche generell als Lager oder zur Bevorratung von IT-Komponenten genutzt werden. „Nicht zuletzt werden diese Räume intern gerne auch als Reparaturplätze z.B. für Desktop-PCs genutzt“, ergänzt Wolff. Wie beschrieben ist der Um- oder gar Rückbau von Rechenzentren stets mit einem gewissen Aufwand und demzufolge auch mit entsprechenden Kosten verbunden. Dabei gibt es kaum Komponenten, deren Wiederverkauf sich lohnt. „Von daher sollte man sich von der Illusion, dass man mit dem Rückbau eines Rechenzentrums Geld verdienen kann, besser verabschieden“, meint Christoph Wegner. Laut Thomas Wolff sind die Arbeitsleistung sowie die Beseitigung von Doppelböden und Flüssigkeiten aus der Klimatechnik die größten Kostenblöcke, da die dort verwendeten Materialien keinerlei verwertbare Wertstoffe be­inhalten. „Desweiteren ist die erwähnte Entsorgung der Datenträger recht kostenintensiv, da die datenschutzrechtliche Vernichtung relativ aufwendig ist“, so Wolff.

Laut Christoph Wegner lässt sich jedoch mit dem Abbruchunternehmer häufig über einen Nachlass verhandeln, wenn man ihm die großen Metallteile wie Kupferkabel, Trassen, Rohre und Verteilungen zeigt. Zudem könne sich ein Gespräch mit dem Immobilienbesitzer oder dem Nachmieter lohnen, wenn es etwa um Anlagen geht, die sowieso gebraucht werden. Den Hinweis, mit vorhandenen Metallen noch etwas Geld zu verdienen, kann Markus Schäfer, Vertriebsleiter bei der ProRZ Rechenzen­trumsbau GmbH, nur unterstreichen: „Alle anderen Komponenten sind jedoch nahezu wertlos“, betont er. Denn fast immer seien Module wie Racks, Klima- oder USV-Anlagen veraltet und damit weder energie- noch kosteneffizient. Deshalb würden diese auch so gut wie nie in neue Serverräume integriert. „Alte USV-Anlagen haben eine Verlustleistung von 30 Prozent, aktuelle Anlagen nur noch zwei Prozent“, rechnet Markus Schäfer vor. Hartmut Stähler von Rittal ergänzt hierzu, dass sich generell mit Bauteilen Geld verdienen lässt, die ohne großen Aufwand wiederverwendbar sind. Demgegenüber seien Lösch- und Klimaanlagen, Doppelboden sowie Sicherheitszellen anwenderspezifisch geplante und angefertigte Systeme, die meist nicht wieder genutzt werden können.

Nicht zuletzt findet man bei so manchem Rückbau Dinge wieder, die in den Tiefen des Rechenzentrums über Jahre hinweg in Vergessenheit gerieten. „Oftmals handelt es sich dabei um vergessene Hardware, die es laut Bestandsliste eigentlich seit Jahren nicht mehr geben sollte“, berichtet Frank Beckereit. Zudem stößt man in alten Rechenzentren auf viel Staub, verlorengegangene Schraubenzieher oder alte Zeitungen. Eine nette ­Anekdote aus der Projektpraxis weiß abschließend auch Christoph Wegner zu berichten: „In früheren Zeiten waren die Arbeitsplätze der IT-Operatoren direkt im Rechnerraum platziert. Die Kiste mit dem Feierabendbier konnten sie dabei im Doppelboden nicht nur gut verstecken, sondern gleichzeitig auch optimal kühlen.“

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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