09.05.2017 Aspekte der Nachhaltigkeit

RZ-Projekte in allen Facetten

Von: Catrin Jansen-Steffe

Interview mit Stefan Maier, Geschäftsführer der Prior1 GmbH, über individuelle Lösungen im Data-Center-Bereich und die Weiterentwicklung von Rechenzentren unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit

  • In diesem Interview geht es um Rechenzentrumsprojekte in allen Facetten - insbesondere um die Nachhaltigkeit.

  • Stefan Maier, Prior1

    Stefan Maier, Prior1

IT-DIRECTOR: Herr Maier, Sie werden in Projekten mitunter mit exotischen Anforderungen konfrontiert. Wie sehen diese aus und was stellte die bislang größte Herausforderung dar?
S. Maier:
Geht es um Kundenanfragen, sagen wir niemals nie, weshalb sich Überraschungen nicht ausschließen lassen. Nehmen wir einmal das Projekt, bei dem unser Kunde lediglich 15,5 m2 Platz im Server-Raum hatte und diesen bestmöglich nutzen wollte bzw. musste. Im Zuge der Planung stiegen die Anforderungen an die Stellfläche und wir mussten die Fläche in Bezug auf die Anzahl der Höheneinheiten inklusive Unterbringung der E-Technik/Klimatechnik und ohne Einbußen von Redundanzen bestmöglich nutzen. Jedem IT-Verantwortlichen ist klar, dass wir mit 19"-Rack-Lösungen und In-Row-Klimatechnik maximal 192 Höheneinheiten (HE) hätten realisieren können. Wir haben so lange an der Lösung gefeilt, bis wir dies mit unserem Smart Cage 250 HE schaffen konnten. Zudem haben wir die Klimatechnik in den Doppelboden verlegt und dort die E-Technik integriert.

IT-DIRECTOR: Gibt es Besonderheiten, mit denen Sie in Projekten häufig konfrontiert werden?
S. Maier:
Von Fall zu Fall stehen die Kunden vor dem Dilemma, dass die Optimierung ihres Rechenzentrums im laufenden Betrieb vonstattengehen soll und muss. Bei diesen Unternehmen besteht ein permanenter Verfügbarkeitsanspruch an die Systeme. Er erlaubt es nicht, diese für die Dauer der Umbauphase herunterzufahren oder temporär an einen anderen Standort zu verlagern. Hier muss man wirklich von einem Projekt „ohne Netz mit doppelten Boden“ sprechen. Umbauprojekte dieser Art setzen wir um, ohne dass es zu Einschränkungen oder Beschädigungen kommt.

IT-DIRECTOR: Entsprechend Ihrer Unternehmensphilosophie beraten und begleiten Sie Unternehmen auch dabei, wenn es um die Nachhaltigkeit beim Betrieb eines Rechenzentrums geht. Wie kann man sich dies vorstellen?
S. Maier:
Wir wollen zukunftssichere Rechenzentren sowie Server-Räume realisieren. Vor diesem Hintergrund transformieren wir nicht nur selbst zu einem nachhaltigen Unternehmen, sondern beraten auch unsere Kunden, ihre Rechenzentren nachhaltig zu betreiben. Das beginnt damit, dass wir gemeinsam mit den Kunden die richtige Dimensionierung festlegen. Anschließend folgt die Auswahl der effizientesten Technologien, welche zum Einsatz kommen.

IT-DIRECTOR: Sie erwähnten, dass Sie Ihr Unternehmen nachhaltig gestalten wollen. Durch welche Maßnahmen erreichen Sie dieses?
S. Maier:
Unser Ziel ist es, CO2-neutral zu agieren, unseren Ressourcenverbrauch zu minimieren und langfristige, nachhaltige Beziehungen mit allen Stakeholdern einzugehen. So besitzen wir eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie und einen Nachhaltigkeitsbeauftragten. Zudem fördern wir Umwelt- und Sozialprojekte und haben im letzten Jahr gemeinsam mit unseren Kunden 6.500 Bäume gepflanzt. Durch verschiedene Maßnahmen verringern wir unseren CO2-Ausstoß. Der Ausstoß, der nicht vermeidbar ist, wird durch Neutralisierungsprojekte ausgeglichen.

IT-DIRECTOR: Wie gestalten sich die Kundenbeziehungen nach der Realisierung oder Optimierung eines Rechenzentrums?
S. Maier:
Im Laufe der engen Zusammenarbeit bis zum Abschluss eines solchen Projekts wächst das Vertrauen in unser Team und unser Know-how. Wir lernen einen Kunden von innen nach außen kennen und betreten hochsensible Bereiche, die externen Dienstleistern nach Projektende ungerne anvertraut werden. Somit ist es verständlich, dass wir in vielen Fällen ebenfalls den sich anschließenden Service und die Wartung übernehmen. In diesem Zusammenhang empfehlen wir unseren Kunden auch Notfallhandbücher und Betriebsanweisungen, sodass sie ein praxistaugliches Regelwerk erhalten, in dem beschrieben ist, was passiert, wenn was passiert, und wer was zu tun hat.

IT-DIRECTOR: Wie kann man sich diese Regelwerke vorstellen?
S. Maier:
Mit einem nachgewiesenen Notfallmanagement werden Unternehmen abgesichert und nicht nur das, denn IT-Leiter und Geschäftsführungen vermeiden eventuelle Haftungsrisiken. Das Notfallmanagement gehört zu den Minimalanforderungen des Risikomanagements und dessen Basis ist das Notfallhandbuch. Es stellt ein praxisgerechtes und angemessenes Dokument dar, das wir auf Grundlage der langjährigen Erfahrung unserer Berater erarbeiten.

Ziel ist es, minimale Ressourcen beanspruchen zu müssen und die Anforderungen verschiedener Instanzen wie die der Wirtschaftsprüfer, Revisoren, Aufsichten, aber auch der Informationssicherheit abzubilden. Es dient der ­Minimierung von Unternehmens- und IT-Risiken und sollte ein Bestandteil des Betriebsführungshandbuchs sein. Hier werden der Normalbetrieb, die Infrastruktur und die Konzep­tion des jeweiligen Rechenzentrums beschrieben, verdeutlicht und dokumentiert. Gleichfalls werden Betriebs- und Wartungsprozesse ebenso wie Kontrollen sowie Kennzahlen zum Nachweis der Sicherheit und des nachhaltigen Rechenzentrumsbetriebs geführt. Dazu zählt definitiv auch die Beschreibung des Energiemanagements und der Energieeffizienz des jeweiligen Rechenzentrums.

IT-DIRECTOR: Sie befassen sich aber auch mit vermeintlich „lapidaren“ Dingen wie der Reinigung eines Rechenzentrums. Wieso sollte ein Unternehmen diesen Ablauf nicht dem Reinigungsunternehmen anvertrauen, das auch die Büroräume säubert?
S. Maier:
Oftmals denken die Kunden nicht daran, wie trivial und zugleich gefährlich sich Staub im Rechenzentrum auswirken kann. Kennen Sie die kleinen Staubmonster aus der abendlichen Werbung, denen mit dem Produkt eines Anbieters der Garaus gemacht wird? So ähnlich schaut es im RZ aus. Viel Staub und Schmutz führen nicht nur zur Überhitzung, sondern können zur Beschädigung von Systemen und zu Ausfallzeiten ­führen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 04/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Wir sorgen dafür, dass es während der Reinigung zu keinen Ausfällen kommt, sodass diese dann ohne Downtime und im laufenden Betrieb vorgenommen werden kann. Die Reinigung im Rahmen der Wartung vermeidet eine durch Staub verursachte Überhitzung der Server. Viele sind mit internen Temperaturfühlern ausgestattet, die bei Überschreitung des Temperaturlimits herunterfahren. Vielfach ist auch nicht bekannt, dass nach der ISO-Norm 14644-1 Klasse 8 die Einhaltung der Luftreinheit Pflicht für Rechenzen-trumsbetreiber ist und dass der IT-Grundschutzkatalog zu Verschmutzung, Staub und Korrosion ­Stellung bezieht. Dort heißt es, dass bereits geringfügige Verunreinigungen zu einer Störung eines Gerätes führen. Die professionelle Reinigung stellt demnach keine Kür, sondern eher eine Pflicht dar und sollte ausschließlich Fachleuten mit nachgewiesenen Re­ferenzen anvertraut werden.


Infrastrukturtrends, die das Ökosystem Rechenzentrum prägen

  • 1. Die Infrastruktur wird mit der Konnektivität am Netz­werkrand Schritt halten müssen
  • 2. Thermal-Management ist zunehmend von Nachhaltigkeit geprägt
  • 3. Die Sicherheitsverantwortung verlagert sich zunehmend in das Rechenzentrumsmanagement
  • 4. Data-Center-Infrastructure-Management (DCIM) bewährt sich
  • 5. Alternativen zur Blei-Säure-Batterie werden bei den ­Stromversorgungssystemen im RZ verfügbar
  • 6. Noch stärkere Integration von Rechenzentrumsdesign und -bereitstellung

Quelle: Vertiv


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