Upgrades schneller einspielen

SAP ERP mit weniger Aufwand testen

Änderungen am SAP-ERP-System sind ein Kostentreiber für die IT-Abteilung jedes Unternehmens. Dabei lässt sich der Aufwand durch einen Wechsel bei der Testmethodik um 80 Prozent reduzieren.

Mati Cohen, Panaya

“Liegt die Testsoftware als Software as a Service vor, entfallen Anfangsinvestitionen in Hardware, Software und Implementierung“, so Mati Cohen, Chief Technology Officer bei Panaya.

Das Einspielen von Upgrades, Support-Packs oder Erweiterungen in ein SAP-ERP-System gehört zu den größeren Projekten einer IT-Abteilung: Alleine für das Testen der Neuerungen fallen in einem Unternehmen mit maximal 500 SAP-Anwendern über einen Zeitraum von zwölf Wochen durchschnittlich 150 Personentage für ein Upgrade des Systems an, verbunden mit Kosten von 125.000 US-Dollar. Da es beim ERP um das Herzstück der Geschäftsanwendungen geht, gibt es zu dem aufwendigen Verfahren jedoch keine Alternative: Alle Änderungen am System müssen sorgfältig getestet werden – nur das garantiert, dass Patches oder Erweiterungen die Funktionsfähigkeit des Produktivsystems nicht beeinflussen. 

Neben dem hohen Kosten- und Personalaufwand gibt es eine weitere negative Auswirkung einer langen Testphase: Unternehmen können Änderungen oder Funktionserweiterungen erst mit Verzögerung nutzen. Dabei kann es ein Wettbewerbsvorteil sein, wenn innovative Features schnell bereit stehen. Ziel von IT-Managern muss es deswegen sein, die Testphase bei SAP-Upgrades zu verkürzen. Das gelingt durch eine Änderung der Testmethodik. In der Regel liegt eine große Anzahl an Testfällen vor, die die wichtigsten Geschäftsabläufe nachbilden. Die Tests werden auf einem Zweitsystem durchgeführt – entweder manuell, automatisiert oder mit einer intelligenten Testmethode.

Manuelles Testen

Manuelle Tests sind im SAP-Umfeld nach wie vor weit verbreitet. Dabei definieren Mitarbeiter der Quality Assurance (QA) gemeinsam mit der Fachabteilung Testfälle, das „Durchklicken“ übernehmen häufig Mitarbeiter der Fachabteilungen. So lassen sich individuelle Szenarien testen und es fallen keine Kosten für eine Testsoftware an. Die Kehrseite: Es ist unmöglich, alle Szenarien durch manuelle Prüfung abzudecken. Das erhöht die Fehlerrate im System. Zudem müssen viele Business-Nutzer das Testen als zusätzliche Aufgabe übernehmen, und es kann sehr lange dauern, bis alle Durchläufe abgeschlossen sind – bei großen Unternehmen ein halbes Jahr und länger. Eine zu geringe Anzahl an Testfällen und mangelnde Testqualität führt in der Praxis schnell zu einem „verbuggten“ ERP-System – untragbar bei einer geschäftskritischen Anwendung.

Automatisierte Tests

Automatisierte Tests bringen im Vergleich zu manuellen Tests deutliche Vorteile, denn hier werden Testfälle in Skripten definiert. Diese laufen automatisiert auf einer dezidierten QA-Plattform und können theoretisch bei jedem Test erneut eingesetzt werden. Das erlaubt es, mehr Testszenarien in kürzerer Zeit zu überprüfen; die größere Testtiefe und -genauigkeit steigert die Softwarequalität insgesamt. 

Allerdings sind die wenigsten Softwaretools auf SAP zugeschnitten, und sie sind komplex in der Handhabung – ein Business-Nutzer kann sie in der Regel nicht bedienen. Unternehmen benötigen so mehr Ressourcen im QA-Team, um Testskripte zu schreiben und Tests durchzuführen. Zudem müssen die Skripte angepasst werden, um Änderungen bei den getesteten Funktionen in den selbst erstellten Skripten abzubilden.

Die Implementierungszeit für toolgestützte Codeprüfungen liegt bei etwa einem Jahr; die Einführungskosten für Software und Hardware sowie Personal können sich auf bis zu 300.000 US-Dollar addieren. Der verbleibende manuelle Aufwand ist wiederum zeit-, kosten- und ressourcenintensiv. Damit lohnt sich die Investition nur für wenige Unternehmen.

Intelligentes Testen

Seit wenigen Jahren sind intelligente Testtools auf dem Markt, die einen großen Vorteil bieten: Sie identifizieren anhand einer Impact-Analyse, welche Teile eines SAP-ERP-Systems von einer Aktualisierung betroffen sind und testen gezielt diese Funktionen oder Bereiche. Gefundene Fehler werden in der Regel klar gekennzeichnet, viele Tools warten bei bekannten Fehlern mit automatischer Behebung oder Korrekturvorschlägen auf. 

Die Werkzeuge erzeugen zudem eigenständig Testskripte: Dazu dokumentiert ein Anwender typische Abläufe aus der alltäglichen Arbeit im ERP-System, indem er einfach per Mausklick die Aufnahme des Vorgangs startet. Das Testtool generiert daraus Testskripte, die nur gestartet werden müssen. Dieses Vorgehen verkürzt die Dauer von Tests um bis zu 80 Prozent. Ein Beispiel: Ein Experte für automatisiertes Testen benötigt 32 Schritte, um einen Geschäftsprozess zu erfassen und das Testskript in einem allgemeinen Testautomatisierungstool zu starten. Dabei braucht er bei der Hälfte der Schritte Unterstützung von einem Anwender, der den Geschäftsprozess kennt. Mit einem intelligenten Testwerkzeug sind genau zwei Schritte notwendig; beide kann ein Geschäftsanwender alleine, ohne die Hilfe eines Testexperten, durchführen: Er muss nur den Geschäftsprozess aufnehmen und anschließend das Skript starten. Auch die Wartung der Skripte entfällt, denn die Testskripte werden stets automatisch aktualisiert. Das reduziert die laufende Arbeit für das Testteam stark. 

Auch wenn andere Tools für automatisierte Softwaretests im Unternehmen im Einsatz sind, sollte eine SAP-spezifische Test-Lösung in Betracht gezogen werden. Da der Testaufwand sowohl mit manuellen Tests als auch mit automatisierten Werkzeugen immens ist, kann sich die Investition schnell rechnen, wenn das Testen deutlich kürzer dauert. Dies gilt besonders, wenn die Testsoftware als Software-as-a-Service-Angebot vorliegt, so dass die Anfangsinvestitionen in Hardware, Software und Implementierung entfallen. 

Fünf Gründe für regelmäßige SAP-Aktualisierungen:

Support-Leistungen: Bugfixes vom SAP-Support funktionieren in der Regel nur auf einem aktuellen System – sprich, wenn alle Support-Package-Stacks installiert wurden. 

Erweiterungspakete: Die SAP Enhancement Packs setzen voraus, dass alle Support-Packs installiert sind. Wollen Anwender von neuen Funktionalitäten profitieren, müssen sie hinsichtlich Support-Packages auf dem neuesten Stand sein.

Gesetzliche Vorgaben: SAP liefert Anpassungen an gesetzliche Änderungen als Fix und damit als Teil der Support-Packs aus. Um „compliant“ zu sein, müssen diese eingespielt werden. 

Schnittstellen: Fehlen wichtige Support-Packages können Fehler auftreten, beispielsweise bei Sicherheitsrichtlinien und Berechtigungen. Die Folge wäre, dass Anwender nicht auf Reports zugreifen können, die sie benötigen, oder dass sie Zugriff auf Informationen bekommen, für die sie keine Freigabe haben.

Projektstau: Wurden mehrere Support-Package-Stacks nicht installiert, summiert sich der Aktualisierungsaufwand schnell auf ein kaum zu schaffendes Ausmaß – das gilt es zu vermeiden. 

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok