Clean Code Development

Saubere Sache

Ein sogenanntes Clean Code Development kann die Nachhaltigkeit von Software fördern.

Waschmaschinen, Bildquelle: iStockphoto.com/fullvalue

Seit Jahren boomt die Softwarebranche und bringt immer komplexere Lösungen hervor. Entsprechend steigen die Anforderungen an professionelle Programmierer, doch trotz spezifischer Informatik-Studiengänge gibt es bis heute keine einheitliche, offiziell anerkannte Ausbildung zum Software-Entwickler. Die Art und Weise, wie Anwendungen programmiert werden, bleibt weiterhin uneinheitlich. Daher war es den Beratern und Software-Entwicklern Stefan Lieser und Ralf Westphal wichtig, mit ihrer Clean-Code-Developer-Initiative einen Minimalkonsens herauszufiltern, der unabhängig von vielfältigen Herangehensweisen als allgemeingültige Grundlage und Orientierung für Entwickler dienen kann.

Zugegeben – die im Rahmen von Clean Code Development (CCD) beschriebenen Prinzipien und Praktiken sind nicht neu. Schon bevor Stefan
Lieser und Ralf Westphal 2009 die gleichnamige Initiative ins Leben riefen, fanden einzelne Regeln Anwendung in der Software-Entwicklung. Schließlich prägte vor einigen Jahren der Informatiker Robert C. Martin in seinem Buch „Clean Code“ den Begriff vom „sauberen“ Code, der dem Anspruch folgt, intuitiv verständlich zu sein und damit eingängigen Programmierregeln folgt. Im Rahmen der Clean-Code-Developer-Initiative wurden diese Prinzipien und Techniken zum ersten Mal in einer Best-Practice-Sammlung vereint und zu einem einheitlichen Wertesystem zusammengefasst, das Entwickler bei der nachhaltigen Qualitätssteigerung von Software unterstützen soll.

Den in Clean Code Development definierten Regeln liegen die vier Werte Evolvierbarkeit, Korrektheit, Produktionseffizienz und Reflexion zugrunde. Sie beschreiben den Anspruch, der grundsätzlich an qualitativ hochwertige Software gestellt werden sollte. Auf ihnen bauen die bewährten Prinzipien und Praktiken auf, die es zu üben und in der Alltagspraxis anzuwenden gilt. Um den Lernprozess zu vereinfachen, besteht die Vorgehensweise aus unterschiedlichen Lernmodulen, die aufeinander aufgebaut sind.

Ziel ist es nicht, die definierten Regeln auswendig zu lernen oder einmal alle Lernmodule zu durchlaufen und dann abzuschließen. Vielmehr sieht Clean Code Development eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Grundsätzen und Methoden vor, um sie dauerhaft zu verinnerlichen und sich stetig weiterzuentwickeln. Der erste, sogenannte „rote Grad“ beinhaltet Grundsätze, die hierfür als unverzichtbar angesehen werden und die grundlegende Haltung zu Software­Entwicklung und Clean Code Development beschreiben. Über die weiteren Lernstufen steigt der Entwickler immer tiefer in die Thematik ein und beschäftigt sich unter anderem mit der Automatisierung von Abläufen und Tests, Prinzipien zur Codestrukturierung und der Implementierung von Kundenanforderungen.

Verantwortlichkeiten aufteilen

Durch die Fokussierung auf ein allgemeinverständliches Vorgehen in der Software-Entwicklung gelingt es auch, Verständnisschwierigkeiten aufzulösen, die eine individuelle Codestrukturierung mit sich bringt. So bleibt der Quellcode zum Beispiel nicht nur für einzelne Entwickler les- und nachvollziehbar, was sich gerade auf die Teamarbeit positiv auswirkt und ein effektives Zusammenarbeiten ermöglicht. Fällt etwa ein Entwickler urlaubs- oder krankheitsbedingt aus, ist nicht automatisch das gesamte Projekt gefährdet, weil sich auch Verantwortlichkeiten leichter teilen lassen.

Neben der verbesserten Zusammenarbeit im Team bietet Clean Code Development jedem einzelnen Programmierer die Möglichkeit, sein fachliches Know-how gezielt zu erweitern. Motivation und Disziplin vorausgesetzt, schafft das Vermögen, sauberen Code zu generieren, nicht nur nachhaltige Softwarelösungen, sondern auch Vertrauen in die eigene Leistung. Zur ­eigenen Weiterbildung gehören auch regelmäßige Reviews und weiterführende Schulungen, in denen die CCD-Inhalte vertieft werden können.

Für den Kunden bedeutet die Entwicklung nach Methoden und Prinzipien des Clean Code Development einen höheren Grad an Investitionssicherheit. Denn obwohl Softwarelösungen oft schnelllebig sind, müssen nicht zwangsläufig Wegwerfprodukte entwickelt werden. Unter Anwendung von Clean Code Development entstehen kundenindividuelle Anwendungen, die flexibel für spätere Anpassungen und Erweiterungen sind. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, bestehende Softwarelösungen weiterhin zu nutzen, ohne sie vollständig ersetzen zu müssen. Die Entscheidung für nachhaltig entwickelte Softwarelösungen macht sich demnach besonders durch deren langfristige Funktionalität und die überschaubaren Investitionskosten ­bezahlt. Lange Entwicklungszeiten, die bisher bei ­Software-Funktionserweiterungen zu hohen Kosten führten, können durch den Einsatz von Clean Code Development verkürzt, Fehler reduziert und der Softwarelebenszyklus insgesamt stabilisiert werden.

 

Was ist Clean Code ­Development?

Nicht nur theoretisch, sondern auch praktikabel beschreibt Clean Code Development (CCD) den Weg zu mehr Professionalität in der Software-Entwicklung. Es setzt genau dort an, wo sich gute Software von schlechter Software unterscheidet: an ihrem Code. Auf Grundlage bewährter Prinzipien und Praktiken zielt das Wertesystem für Software-Entwickler darauf ab, die innere Qualität von Softwarelösungen nachhaltig zu steigern. Um das Erlernen dieser Regeln zu erleichtern, wurden spezifische Lernmodule (Grade) definiert und im sogenannten „CCD-Wertesystem“ festgehalten.

Das Wertesystem des Clean Code Development (CCD) unterteilt sich in verschiedene Lerngrade, anhand derer die jeweiligen Prinzipien und Praktiken geübt werden. Es gibt sechs Grade, die unterschiedlichen Farben zugeordnet sind. Beginnend beim roten Grad kann jeder Entwickler die einzelnen Entwicklungsstufen nach und nach bearbeiten oder auch quer in die Lernmodule einsteigen. Ziel des Lernprozesses ist es, sich kontinuierlich mit den CCD-Bestandteilen zu befassen. Die Auseinandersetzung mit CCD versteht sich daher als Kreislauf: Wer alle Grade bearbeitet hat, beginnt wieder von vorn.

Quelle: www.generic.de

 

Bildquelle: iStockphoto.com/fullvalue

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