Die Strukturen wandeln sich

Schlüsselfaktor Cloud

Lange schon werden neue Konzepte des Arbeitens diskutiert. Grundsätzlich geht es dabei immer darum, die Motivation und Produktivität der Mitarbeiter durch technologisch sowie zeitlich und räumlich flexiblere Strukturen zu erhöhen. Doch erst in letzter Zeit kommen diese Ansätze in der Praxis an. „Consumerization of IT“ und Cloud Computing spielen dabei in modernen Business-Szenarien ganz zentrale Rollen.

Schlüsselfaktor Cloud

Bis vor wenigen Jahren schien es unvorstellbar, dass Un­ter­nehmensmitarbeiter im privaten Umfeld leistungsstärkere Devices einsetzen würden als die, die sie von der zentralen IT für Geschäftszwecke bereitgestellt bekommen. Doch genau dieser Fall tritt gerade verstärkt ein. Nachdem die Datentarife in den letzten Jahren endlich rapide sanken  und gleichzeitig die Netzbandbreiten ebenso rapide stiegen, sind die mobilen Endgeräte der neuesten Generation ständige Begleiter in allen Lebensbereichen. Und dies gilt längst nicht mehr nur für die besonders Technologie-Interessierten, sondern zieht sich quer durch alle Bevölkerungsschichten. Die Menschen sind fasziniert von den neuen Möglichkeiten der Smartphones und Tablet-PCs, mit denen sie ihre persönliche E-Mail-Korrespondenz erledigen, im mobilen Internet surfen, soziale Netzwerke nutzen, Videokonferenzen via Skype durchführen oder Einkäufe und Bankgeschäfte erledigen. Zusätzlich nutzen sie sie zur Zielnavigation und zur lokalen Suche. All dies führt dazu, dass ein Ende des Booms nicht abzusehen ist. Im Gegenteil: Jeder Technologiesprung weckt neue Begehrlichkeiten. Die Menschen möchten an dieser Entwicklung teilhaben und lassen sich dies auch etwas kosten.



Die Frage ist nicht ob, sondern wann

Die Vielfalt der Einsatzfelder ist immens – und hinterlässt Eindruck. Bereits nach kurzer Zeit möchten die Nutzer die zur Verfügung stehenden Funktionalitäten nicht mehr missen. Aufgrund der intuitiven Bedienbarkeit sind sie bestens vertraut mit den Geräten und stellen daher zurecht die Frage, warum sie die mobilen Alleskönner nicht auch im beruflichen Umfeld nutzen sollten. Die Performance jedenfalls ist auch für Business-Applikationen mehr als ausreichend, Schulungen sind nicht erforderlich. Dieses Potential vor Augen stellt sich den Unternehmensverantwortlichen weniger die Frage, ob sie die flächen­deckende Einbindung mobiler Endgeräte vorantreiben sollten, als vielmehr die Frage danach, wie sie den entsprechenden Mitarbeitern die für sie relevanten Unternehmensdaten standort- und zeitunabhängig sowie sicher bereitstellen. Dabei ist nicht entscheidend, ob die Mitarbeiter ihre privaten Geräte auch geschäftlich nutzen oder ob das Unternehmen die mobilen Devices in Absprache mit den Mitarbeitern zur Verfügung stellt.  
Eine Schlüsselrolle in diesem Szenario des Wandels der Arbeitswelt nimmt die Cloud ein. Sie fungiert als zentraler Datenspeicher und -bereitstellungsort. Natürlich gibt es im Gegenzug ernstzunehmende Befürchtungen in den IT-Abteilungen, unter Umständen die Kontrolle über Firmeninformationen und ­Businessdaten zu verlieren. Vielerorts versucht man daher, diesen Kontrollverlust über Verbote und Restriktionen zu verhindern. Ob dieses Vorgehen wirklich von Erfolg gekrönt sein kann, erscheint jedoch mehr als zweifelhaft. Denn genau wie bei den Endgeräten haben sich die Mitarbeiter im privaten Bereich längst daran gewöhnt, Daten, Dokumente, Bilder und Videos an einem zentralen Ort abzulegen und bei Bedarf mit jedem Gerät aufzurufen. Zu den besten Beispielen für massenhaft genutztes Cloud Computing in Reinform gehören zum einen freie E-Mails-Accounts wie Hotmail, zum anderen virtuelle Festplatten im Web, dank derer auch umfangreiche Dateien nach einem User-Login jederzeit verfügbar sind (Microsoft SkyDrive).
Doch die Geschichte des Cloud Computing geht längst weiter. Im Falle der Smartphone-Apps lädt sich der Nutzer eine Software aus einem App Store oder Marketplace aus der Cloud herunter. Das Stück Software wird danach zwar lokal auf dem mobilen Endgerät installiert, die eigentliche Datenbereitstellung und Rechenleistung geschieht aber wiederum in der Cloud, lediglich die Visualisierung passiert auf dem Mobile Device.



Motivation der Mitarbeiter nutzen

Zu diesen Entwicklungen können IT-Verantwortliche stehen, wie sie wollen – aufhalten lassen sie sich nicht mehr. Sich grundsätzlich zu sperren, bringt die IT auf Dauer nur in Erklärungsnotstand. Die Anwender würden wissen wollen, warum ihnen der „Ease of Use“ des Cloud Computing vorenthalten wird. Vielmehr bietet es sich doch an, sich die Motivation der Mitarbeiter zunutze zu machen, ihnen hinsichtlich ihres Nutzungsverhaltens entgegenzukommen und auf diesem Wege ihre Produktivität und Flexibilität zu erhöhen. Sind die Spielregeln klar und unternehmensweite Richtlinien definiert, führt die Einbindung der Cloud sogar zu einer Entlastung der IT-Mannschaft. Denn gerade die standardisierte Bereitstellung von Services und Daten macht es dem Nutzer einfach, seine Geräteeinstellungen schnellstmöglich selbst vorzunehmen. Die IT ist befreit von diesen zeitaufwendigen Standardaufgaben.      
Die Zeit scheint reif, geeignete Unternehmensstrategien zu entwickeln, die der IT-Mannschaft und den Mitarbeitern in Fachabteilungen und Projektteams die Arbeit erleichtern. Die dazu notwendigen Technologien in Form durchgängiger Cloud Services sind längst vorhanden. Den Status quo aufrecht­zu­erhalten, käme einem Stillstand gleich. Und eines ist klar: Verbote nützen wenig. Die Anwender werden immer Wege finden, diese Verbote zu umgehen. Die Folge könnte sein, dass Unternehmensdaten gänzlich aus der Reichweite der IT gelangen, etwa, wenn ­geschäftsrelevante E-Mails auf personalisierte Freemail-Accounts umgeleitet werden. Und das kann wirklich niemand wollen.

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Bildquelle: © istockphoto.com/mrPliskin

 

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