08.05.2014 DevOps-Organisationen: Interview mit Prof. Dr. Volker Gruhn, Adesso

Schnellere Software-Entwicklungs-Zyklen

Von: Ina Schlücker

Im Interview erklärt Prof. Dr. Volker Gruhn, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Adesso AG und Inhaber des Lehrstuhls für Software Engineering an der Universität Duisburg-Essen, dass in DevOps-Organisationen keiner Abteilung mehr der Schwarze Peter zugeschoben werden kann.

Prof. Dr. Volker Gruhn, Adesso AG

Prof. Dr. Volker Gruhn, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Adesso AG

IT-DIRECTOR: Herr Gruhn, bitte geben Sie uns eine kurze Definition von DevOps. Welche Vorgehensweisen liegen diesem Software-Entwicklungsmodell zugrunde?
V. Gruhn:
Der Begriff DevOps – aus „Dev“ für Anwendungsentwicklung (Development) und „Ops“ für IT-Betrieb (Operations) zusammengesetzt – steht für das Zusammenrücken dieser beiden Bereiche der IT-Organisation. Ziel ist es, die in der Unternehmenspraxis vorhandenen Bruchstellen zwischen Anwendungsentwicklung und IT-Betrieb dauerhaft zu überwinden. Dahinter steckt die Idee, dass für bestimmte Anwendungen gemischte Teams aus Development und Operations verantwortlich sind; in DevOps-Organisationen gibt es keine „andere Abteilung“ mehr, der im Zweifel der Schwarze Peter zugeschoben werden kann.

IT-DIRECTOR: Inwieweit können mithilfe von DevOps gegenüber der klassischen Software-Entwicklung Zeit und Kosten gespart werden?
V. Gruhn:
Die klassische Aufteilung einer IT-Organisation in Entwicklung und Betrieb bringt einen Nachteil mit sich: Bei immer kürzeren Releasezyklen ist die Organisation nicht flexibel. Auftretende Probleme führen dazu, dass erst über mehrere Hierarchiestufen hinweg geklärt werden muss, ob die Software oder der Betrieb der Software fehlerhaft ist. Bei solchen Prüfprozessen geht Wissen über technische und inhaltliche Details verloren. Dieser Know-how-Verlust erschwert die Fehleranalyse. Die Folge sind Systeme, die bei Problemen unnötig lange nicht richtig funktionieren. Die neue Organisationsform kann Software schneller und fehlerfreier erstellen und verfügbar machen.

IT-DIRECTOR: Für welche Anwendungstypen oder für welche Programmiersprachen eignet sich die Nutzung von DevOps besonders?
V. Gruhn:
Eine DevOps-artige Organisation ist immer dann angemessen, wenn es um flexible Anforderungen geht. Das gilt insbesondere für oberflächenintensive Anwendungen wie Portale und mobile Software. Aus unserer Sicht hat die Frage der Aufbauorganisation jedoch nichts mit der Wahl der Programmiersprache zu tun.

IT-DIRECTOR: Welche Tools sollte man am besten nutzen? Welche kann man eher vernachlässigen?
V. Gruhn:
Auf den ersten Blick überrascht die Frage nach Werkzeugen. Aber kurze Bereitstellungszyklen erfordern mehr Automatisierung in den Deployment- und Inbetriebnahmeprozessen. Mit welchem Werkzeug die Automatisierung zustande kommt, ist dabei fast egal.

IT-DIRECTOR: Wie verlaufen üblicherweise die Software-Tests im Rahmen eines DevOps-Konzepts?
V. Gruhn:
Die Tests werden verdichtet, die klassischen Teststufen verschwimmen. In einer DevOps-Organisation besteht kein Grund mehr, strikt zwischen Integrations-, Smoke- und Abnahmetests zu unterscheiden. Das bedeutet nicht, dass einzelne Tests komplett entfallen, sondern nur, dass sie in einem ganzheitlichen Testprozess weniger trennscharf unterschieden werden können.

IT-DIRECTOR: Worauf sollten Großunternehmen bei der Umstellung von einer klassischen Software-Entwicklung auf DevOps vor allem achten? Wo finden Sie Mitarbeiter mit entsprechendem DevOps-Hintergrund?
V. Gruhn:
Ganz wichtig ist, dass nicht alle Arten von Projekten und nicht alle Arten von Software gleichermaßen DevOps-geeignet sind. In Anwendungslandschaften mit tiefen Aufrufhierarchien bedeutet DevOps oft einen massiven Eingriff. Einzelne, nur lose gekoppelte Projekte, vertragen eher eine Umstellung auf DevOps. Zudem gilt: Auch in Organisationen, die weitestgehend DevOps-artig sind, gibt es immer noch zentrale Dienste. DevOps-Teams sind also nicht vollständig autonom.
Bei der Suche nach passenden Mitarbeitern ist es wichtig, dass DevOps-Erfahrungen, so gut sie auch sein mögen, nicht zu fundamentalistisch verankerten Überzeugungen geführt haben. Pragmatismus und Flexibilität bleiben weiterhin hohe Güter.

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