Für die meisten Unternehmen ist die ständige Verfügbarkeit ihrer Serversysteme und damit der Zugriff auf alle relevanten Daten unverzichtbar. Hochverfügbarkeit ist auf diese Weise in den letzten Jahren in der IT zum „State of the Art“ geworden. Ein IT-Betrieb gänzlich ohne (geplante) Ausfallzeiten ist dennoch kaum möglich. So müssen Teile ersetzt, angepasst oder regelmäßig gewartet werden. Dies sollte geschickt geplant sein, um die Ausfallzeit minimal zu halten. Nichtsdestotrotz haben nur wenige Unternehmen eine konkrete Vorstellung davon, welche Anforderungen Systeme erfüllen müssen, um tatsächlich als verfügbar zu gelten. Eine Unternehmens-IT ist genau so lange gut, wie sie funktioniert. Sobald es zu einem Ausfall kommt, sind Überraschung und Sorge groß, hinzu kommt der finanzielle Verlust. So kostet der Ausfall geschäftskritischer IT-Systeme Firmen bis zu 380.000 Euro pro Jahr – das zeigt eine aktuelle Studie, die Techconsult für HP Deutschland durchführte. Diese Ausfallkosten variieren zwar je nach Branche und Unternehmensgröße, aber in Betrieben mit bis zu 5.000 Mitarbeitern kostet eine einzige Stunde Systemausfall knapp 41.000 Euro. Zudem werden im Schnitt 3,8 Stunden für die Wiederherstellung der Systeme benötigt.
Viele Unternehmen unterschätzen bislang die Auswirkungen von IT-Ausfällen auf den Geschäftsbetrieb und wissen gar nicht, wie teuer sie ein Ausfall in der Vergangenheit zu stehen gekommen ist. Zudem geben 68 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben, um die Verfügbarkeit ihrer IT zu verbessern. Das bestätigt auch Arndt Müller, Storage Business Development Manager bei Oracle: „Kleinere Unternehmen sehen seltener die Notwendigkeit, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hohe Arbeitslasten und Ressourcenknappheit sind nur zwei Gründe dafür.“ Dabei kommen Systemfehler und -ausfälle öfter vor, als die meisten glauben. Ursache dafür können sowohl innere als auch äußere Einflussfaktoren sein. Während die vielzitierte und notwendige Hochverfügbarkeit lediglich für den Schutz der IT bei reinen Betriebsstörungen durch Hardwarefehler, systembedingte Abstürze und nicht zuletzt menschliches Versagen sorgt, bietet das Disaster Recovery einen Katastrophenschutz für die IT. Unternehmen schützen damit ihre Systeme vor externen Schadensfällen wie Bränden und Naturkatastrophen, aber auch die in unseren Regionen glücklicherweise seltenen Erdbeben oder gar Anschläge, indem beispielsweise Rechenzentren lokal getrennt plaziert, wichtige Daten ausgelagert oder der physische Zugang zu den Anlagen streng kontrolliert werden. Die jüngsten Überschwemmungen in Teilen Deutschlands haben jedoch dazu geführt, dass „einige Kunden im wahrsten Sinne des Wortes nasse Füße bekommen haben und jetzt neue Disaster-Recovery-Lösungen implementieren“, weiß Müller zu berichten. Beide Aspekte des Ausfallschutzes sollten sich daher sinnvoll ergänzen.
Im Durchschnitt muss ein Unternehmen vier Ausfälle pro Jahre verkraften, so das Ergebnis der Techconsult-Studie. Viele der betroffenen Betriebe versuchen, solche Probleme zunächst aus eigener Kraft zu lösen. Fraglich ist, ob für jede Eventualität ein Fachspezialist im Unternehmen zu finden ist, um Schwierigkeiten intern zu lösen. Abgesehen davon, dass Fehler zunächst auch „nur“ im Hintergrund agieren, bevor sie erkannt werden. Trotzdem handeln bei Hardwareproblemen rund 45 Prozent nach diesem Muster, während 53 Prozent auf Beistand durch die Reparaturservices aus bestehenden Wartungsverträgen hoffen. Nur 28 Prozent verwenden proaktive Dienste wie Monitoring-Systeme, um Störungen frühzeitig zu erkennen oder zu vermeiden. Dies ist fatal, denn Monitoring-Lösungen können die Downtime merklich reduzieren, indem die Verantwortlichen bereits bei geringen Überschreitungen von Grenzwerten oder anderen Abweichungen alarmiert werden, um Gegenmaßnahmen für Hard- und Software-Ausfälle zu ergreifen sowie Netzwerkengpässe vorzubeugen. Immerhin wollen 13 Prozent der Studienteilnehmer mehr als bisher für die Verfügbarkeit tun.
In der IT-Praxis gibt es erschreckend viele verschiedene Meinungen darüber, was Hochverfügbarkeit eigentlich bedeutet. Für Unternehmen stellen solche Fehleinschätzungen ein nicht unerhebliches Risiko für den reibungslosen Betrieb der IT dar. So hält sich mancherorts hartnäckig der Glaube daran, mit Virtualisierung habe sich das Thema Verfügbarkeit erledigt. In einer Studie von Stratus zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen Itic waren 79 Prozent der befragten IT-Experten überzeugt, dass Virtualisierungssoftware die für kritische Anwendungen nötige Verfügbarkeit bereitstellen kann. Dies ist ein kostspieliger Irrglaube. Virtualisierung und Hochverfügbarkeit sind zwei völlig verschiedene Dinge – Virtualisierungssoftware ist in keinem Fall für die Herstellung von Hochverfügbarkeit konzipiert und kann die Gefahr von Ausfällen nicht reduzieren oder gar verhindern. Durch die Abhängigkeit der virtuellen Systeme von Hardware ergibt sich sogar ein größeres Gefahrenpotential, vor allem dann, wenn auf einem physischen Server mehrere virtuelle Umgebungen betrieben werden. So sind von einem Hardware-Ausfall immer gleich mehrere Systeme mitsamt ihrer Anwendungen betroffen. Für jedes dieser Systeme muss dann mithilfe automatisierter Software-Unterstützung ein zeitaufwendiger Wiederherstellungsprozess eingeleitet werden. Um Ausfälle virtueller Systeme zu vermeiden, gilt Hochverfügbarkeit hier als besonderes Muss, damit der gleichzeitige Betrieb von mehreren Servern kein zusätzliches Risiko darstellt.
Verfügbarkeit um jeden Preis und für alle Daten und Anwendungen ist durchaus wünschenswert, wäre aber ein kostspieliger Weg. Daher ist es notwendig, Daten zu priorisieren und in verschiedene Verfügbarkeitsklassen einzuordnen. „Es gibt in jedem Unternehmen Anwendungen, die sehr kritisch, und solche, die weniger kritisch sind. In vielen Fällen wird es sinnvoll sein, solche Daten und Anwendungen auch unterschiedlich abzusichern,“ rät auch Marc Rohloff, Regional Sales Director Central Europe bei Vision Solutions. So gibt es Allzwecksysteme, die gelegentliche Ausfälle durchaus verkraften können, wenn diese schnell und automatisiert behoben werden. Auch hochverfügbare Systeme lassen zwar kurzzeitige lokale Störungen zu, ein Totalausfall ist allerdings nicht akzeptabel. Derartige Rechner sind beispielsweise in Banken oder Telekommunikationsunternehmen zu finden.
Bei kritischen Systemen hingegen sind Ausfälle unbedingt zu vermeiden, da diese ökonomische Verluste nach sich ziehen oder sogar Menschenleben – etwa im Bereich Medizin oder Flugsicherung – gefährden können. Gilt es in manchen Bereichen Redundanzen aufgrund von Kosten- und Ressourceneinsparungen zu vermeiden, ist die Dopplung von relevanten Komponenten der Schlüssel zur Hochverfügbarkeit. Um diese zu erreichen, kommen vorzugsweise Cluster-Systeme oder fehlertolerante Server mit Redundanzen zum Einsatz. Beim Clustern unternehmenskritischer Anwendungen per Software laufen mindestens zwei re-dundante Server parallel im Hintergrund. Fällt einer aus, übernimmt der andere per Failover – sprich dem ungeplanten Wechsel zwischen zwei oder mehreren Netzwerkdiensten – den Betrieb.
Diese Phase des Wechsels stellt allerdings einen Schwachpunkt der Lösung dar. Auch wenn der Vorgang automatisiert erfolgt, sind Verzögerungen bis zur Wiederherstellung möglich. Dadurch ist die Verfügbarkeit auf 99,95 Prozent begrenzt. Ein weiterer Nachteil der Cluster ist die Komplexität und der damit verbundene Administrationsaufwand, denn ein Cluster besteht aus zwei unabhängigen Servern mit jeweils eigenem Betriebssystem, die zu einem logischen Server zusammengeschlossen sind. „Cluster sind komplex und teuer, sie erfordern zudem einen hohen Verwaltungsaufwand. Dennoch sind sie für die kritischen Anwendungen sicher noch lange das Mittel der Wahl“, glaubt Marc Rohloff von Vision Solutions.
Mit Blick auf die Schwachstellen der Cluster-Technologie greifen Unternehmen für wirklich kritische Anwendungen auf fehlertolerante Server zurück. Diese beruhen genau wie Cluster zwar auch auf Redundanzen, allerdings auf einer anderen Ebene: Sämtliche Einzelkomponenten – angefangen bei Netzteilen, Festplatten und Controllern bis hin zum Netzwerk – sind doppelt vorhanden. Da immer beide Komponenten aktiv sind, kann der Betrieb bei einem Hardwaredefekt ohne Umschaltvorgang und damit ohne jede Unterbrechung und unbemerkt auf der Partnerkomponente fortgesetzt werden. Trotz der durchgängigen Redundanz verhalten sich die Server gegenüber dem Betriebssystem wie ein einziger Rechner. Hochverfügbarkeit ist hier eine systeminterne Angelegenheit und muss nicht erst implementiert oder sichergestellt werden.
Ganz gleich, welchen Weg die Unternehmensverantwortlichen und IT-Leiter zu einem vollständig ausfallsicheren und damit hochverfügbaren System wählen, Planung und Erfolgskontrolle sind unerlässlich. „Zu glauben, dass die Installation eines Produktes ausreicht, um sich gegen Risiken abzusichern, ist blauäugig“, warnt Arndt Müller, Storage-Spezialist bei Oracle, abschließend.
Recovery Time Objective (RTO) ...
… ist die Wiederanlaufdauer, die nach einer Unterbrechung auf den Datenzugriff vergeht, ehe ein Unternehmen seine Daten abrufen kann. Der RTO-Wert ist ein Kostenfaktor, der für das Anlaufen von IT-Systemen nach einem Ausfall oder für das Wiederanfahren von Produktionsstraßen steht.
Recovery Point Objective (RPO) ...
… ist der Wiederanlaufzeitpunkt nach einem Ausfall eines IT-Systems. Er steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem RTO. Der RPO-Wert hängt davon ab, aus welchen Quellen die Transaktionsdaten besorgt werden können. Der Zeitpunkt ist relativ kurz, wenn Backups direkt abrufbar sind, und wird größer, wenn es in den Backups Medienbrüche gibt. Die wieder hergestellten Daten sind immer nur so aktuell wie das letzte Backup. Werden nur alle 24 Stunden Backups erstellt, dann beträgt der RPO 24 Stunden. Daten, die sich in diesem Zeitraum geändert haben, können dann verlorengehen.
Quelle: www.itwissen.info
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