Software Defined Network: Interview mit Ralf Sydekum, F5

SDN verändert die Netzwerke

Interview mit Ralf Sydekum, Technical Manager DACH bei F5, über die Vorteile einer auf Software Defined Network (SDN) basierenden Netzwerkinfrastruktur

Ralf Sydekum, F5

Ralf Sydekum, Technical Manager DACH bei F5

IT-DIRECTOR: Herr Sydekum, was genau sind die wichtigsten Unterschiede zwischen einem Software Defined Network (SDN) und bisherigen, herkömmlichen IT-Infrastrukturen?
R. Sydekum:
SDN hat die Netzwerkwelt völlig verändert. Was früher physikalisch gelöst wurde, ist heute softwarebasiert und virtuell umgesetzt. Ein Zitat der Open Networking Foundation lautet dazu: „In der SDN-Architektur sind die Steuer- sowie Datenebene entkoppelt und Netzwerkintelligenz sowie -status sind logisch zentralisiert, ebenso ist nun die zugrundeliegende Netzwerkinfrastruktur von Anwendungen abstrahiert.“

IT-DIRECTOR: Welche Vorteile ergeben sich hieraus für die Anwenderunternehmen?
R. Sydekum:
SDN ermöglicht es der IT, die Geschwindigkeit und Flexibilität von Services im Netzwerk zu verbessern, um den Entwicklungen und den Anforderungen der Betriebsteams zu entsprechen.

IT-DIRECTOR: Was sollten IT-Verantwortliche berücksichtigen, wenn sie von herkömmlichen Netzwerkkonzepten auf ein SDN umsteigen wollen?
R. Sydekum:
Die Herausforderung ist hier, dass die Aufmerksamkeit des Marktes sich auf einzelne Technologien wie Openflow und Overlay-Netzwerke beschränkt. Um aber SDN wirklich zu verstehen, ist es notwendig die Architektur als ein Ganzes zu betrachten. Zu allererst muss man verstehen, dass SDN eine Architektur ist und keine Technologie.

Mit SDN kann man ein Netzwerk von Grund auf systematisch gestalten, basierend auf einem Schlüsselkonzept der zentralisierten Kontrolle über Infrastrukturkomponenten.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Aufwänden (z.B. Hard- bzw. Softwareanschaffungen, Zeit, Ausbildung) ist der Aufbau eines SDN verbunden?
R. Sydekum:
Bei der Umsetzung ist es unwahrscheinlich, dass die bestehenden Netzwerkgeräte insgesamt ersetzt werden müssen, neue Geräte müssen innerhalb eines bestehenden Netzwerks gut funktionieren. Übergeordnete Lösungen, die mit der vorhandenen Hardware kompatibel sind, sind hier eine sinnvolle Wahl. Letztlich gilt es zu prüfen, ob bestehende und neu anzuschaffende Komponenten gegebenenfalls durch Software-Updates an die Anforderungen des SDN angepasst werden können.

IT-DIRECTOR: Wie lassen sich Systembausteine verschiedener Hersteller in einem SDN nutzen? Inwieweit ist das überhaupt sinnvoll?
R. Sydekum:
Die Open Networking Fundation (ONF) definiert eine SDN-Architektur als direkt programmierbar, agil, zentral zu verwalten, programmatisch konfiguriert und auf offenen herstellerneutralen Standards beruhend.

IT-DIRECTOR: Welche Standards spielen im SDN-Umfeld eine Rolle? Wie ist es generell um Offenheit und Interoperabilität bestellt?
R. Sydekum:
Standardisierung ist eine der Schlüsselfragen. Es ist wichtig sicherzustellen, dass das ausgewählte Herstellerequipment nach denselben Standards arbeitet, wie beispielsweise den Openflow-Protokollen.

IT-DIRECTOR: Wie können SDN-Umgebungen sicher gemacht werden? Auf welche Sicherheitslücken sollte man besonders achten?
R. Sydekum:
Die Verfügbarkeit von Anwendungen mit SDN-Architekturen erfordert mehr als die paketorientierten Auslieferungskapazitäten von L2-3 und Overlay-Netzwerk-SDN-Technologien. Um Anwendungen auszuliefern und Sicherheitsanforderungen zu gewährleisten, muss ein auf den Prinzipien von SDN basierendes Netzwerk sowohl auf Transport-, als auch auf Applikationsebene entsprechend der befindlichen Nachrichten und Semantik der Kommunikation agieren können.

IT-DIRECTOR: Worauf gilt es, bei Konfigurationen und Aktualisierungen im SDN besonders zu achten?
R. Sydekum:
Netzwerkanbieter müssen vorsichtig sein, um komplexe Lizenzanforderungen  und aufwendige Wartung zu vermeiden. Wenn Software- und Hardwarelizenzmodelle einfach gestaltet sind, wird SDN vom Markt bereitwilliger angenommen werden und das Geschäftsmodell wird sich durchsetzen.

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