AR-Technologien: Interview mit Holger Glockner, Z_punkt

Sicherheit in der Logistik

Im Interview betont Holger Glockner, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Z_punkt GmbH, dass Augmented-Reality-Anwendungen noch am Anfang stehen und ihnen noch die nötige Reife fehlt.

Holger Glockner, Z_punkt

„Grundsätzlich sehe ich keine hohen rechtlichen Hürden, um AR in die Logistik einzuführen“, meint Holger Glockner, Mitglied der Geschäftsleitung von Z_punkt.

IT-DIRECTOR: Herr Glockner, welches Potential bietet Augmented Reality (AR) grundsätzlich für die Logistikindustrie?
H. Glockner:
Zentraler Vorteil von AR sind prozessuale Effizienzgewinne, die durch eine vereinfachte Anwendung mittels der zur Verfügung gestellten Zusatzinformationen entstehen. Aber es geht auch um neue Wertschöpfung mittels Mehrwertdiensten.

IT-DIRECTOR: Für welche Anwender bzw. Branchen und deren Logistik ist die Technologie besonders interessant und warum?
H. Glockner:
Viele der attraktiven Anwendungen werden sich in Branchen finden lassen, die keine ausdefinierten logistischen Prozesse im Sinne einer traditionellen Warenlogistik benötigen. Dies sind z.B. die gesamte Unterhaltungsindustrie, dort insbesondere der Gaming-Sektor, aber auch Gesundheitsdienstleistungen oder Tourismus. Letzterer verweist bereits darauf, dass sich insgesamt der Mobilitätssektor stark durch AR-Technologien verändern könnte. Shopping-Erlebnisse werden zunehmend durch reale und virtuelle Verknüpfungen gestaltet. Möbel, die man aus dem digitalen Katalog in die Wohnung „stellen“ kann, gibt es bereits heute.

Die Logistik ist über alle Branchen hinweg in Lager, Transport und Zustellung betroffen. Zum Beispiel werden Lagerfachkräfte mit speziellen Sichtgeräten (Head-Mounted-Displays) ausgerüstet, damit diese die richtige Route und die richtigen Artikel schneller lokalisieren können. Lieferfahrzeuge beinhalten Frontscheiben, die in Echtzeit Verkehrsdaten sowie weitere wertvolle Informationen wie Frachttemperaturen und Warnungen einblenden. Oder der Paketdienst übergibt eine wertvolle Sendung erst, nachdem er per Gesichtserkennungstechnologie die Identität des richtigen Empfängers geprüft hat.

IT-DIRECTOR: Inwieweit ist das Thema „Augmented Reality“ bereits in der Logistik angekommen – sprich, wie gestaltet sich das entsprechende Lösungsangebot auf dem Markt und der Technologie-Einsatz bei Großunternehmen?
H. Glockner:
Im Moment steckt die Technologie noch in den Kinderschuhen. Erste Experimente finden statt. Für Unternehmen ist es wichtig zu lernen, wie solche neue Anwendungen sinnvoll in bestehende Prozesse implementiert werden können. Dies setzt einerseits die Perspektive der Nutzer voraus, d.h. ist ein klarer Mehrwert aus Sicht des Nutzers erkennbar, und andererseits die Integration in bestehende IT-Systeme.

IT-DIRECTOR: Das eine oder andere Großunternehmen mag noch skeptisch im Hinblick auf AR sein. Was hält sie bisher davon ab, auf jene Technologie in der Logistik zu setzen, und wie könnte man ihnen die Lösung schmackhaft machen?
H. Glockner:
Ich denke, der Hauptgrund, warum die AR-Applikationen noch wenig verbreitet sind, liegt in der Tatsache, dass die Anwendungen erst am Anfang stehen und daher noch nicht die nötige Reife gewonnen haben. Mit der weiteren Entwicklung der Technologie werden sich auch immer mehr Unternehmen öffnen und diese in ihre logistischen Prozesse adaptieren.

IT-DIRECTOR: Welche Risiken birgt die Technologie wiederum – insbesondere auch im Hinblick auf die komplette Vernetzung (Stichwort: „Internet of Everything“)?
H. Glockner:
Zu thematisieren sind hier insbesondere die datenschutzrechtlichen Fragestellungen. AR-Applikationen erfassen ein sehr hohes Volumen an personalisierten Daten, die im Extremfall sogar Rückschlüsse auf minutiöse Verhaltensweisen des Nutzers ermöglichen. Hier ist die Frage der Kundenakzeptanz entscheidend. Die Vorteile in Punkto Effizienz und Vereinfachung der Prozesse liegen auf der Hand. Wie mit den Daten umgegangen wird, könnte auch im Unternehmenskontext eine zunehmend kritische Frage werden.

IT-DIRECTOR: Inwieweit kann AR die Sicherheitsanforderungen und arbeitsschutzrechtlichen Bedingungen sowie industriellen Anforderungen in der Logistik erfüllen?
H. Glockner:
Grundsätzlich sehe ich keine hohen rechtlichen Hürden, um AR in die Logistik einzuführen. Im Gegenteil, bei nutzerfreundlicher Anwendung hat AR das Potential, die Sicherheit von Arbeitern und Gütern zu erhöhen.

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