Schengen-Routing

Sicherheit, ja bitte - aber zum Nulltarif

Eine Mehrheit der Deutschen fordert das Schengen-Routing zum Schutz vor Überwachung, aber nur eine Minderheit will dafür bezahlen.

Regional begrenzter Datenverkehr ist eine Idee mit Folgekosten. Nach einer Untersuchung des IT-Dienstleisters Unisys will aber kaum ein Internetnutzer höhere Preise für das "Schengen-Routing" hinnehmen.

Der Vorschlag dazu kam vom ehemaligen Telekom-CEO René Obermann und ist relativ schnell von der deutschen und der französischen Regierung aufgenommen worden.

Laut diesem Konzept sollen als Abwehrmaßnahme gegen die "Datenstaubsauger" der angelsächsischen Geheimdienste für innereuropäische Datenübertragungen auch nur innereuropäische Server als Route genutzt werden. Als geografische Grundlage dienen die Staaten des Schengen-Abkommens: Die EU-Staaten plus Schweiz, Norwegen, Island, Lichtenstein sowie die EU-Anwärterstaaten.

Das vermeidet das überflüssige Weiterleiten der Datenpakete durch Nicht-Schengen-Staaten. Technisch umsetzbar ist das vermutlich sogar, müsste aber unter Ausschluss Großbritanniens geschehen: Auch britische Dienste sind recht fleißige Datensauger.

Dieses Konzept ist allerdings umstritten. Kritiker geben zu bedenken, dass die politische Regelung des Datentransports zu einem Zerfall des Internets in unverbundene Teilnetze führen könne. Außerdem ist das Internet ein globales Netz, in dem viele Dienste länderübergreifend genutzt werden. Viele Nutzer senden und empfangen weltweit Daten, die ohnehin den Schengen-Raum verlassen.

Schengen-Routing kostet und ist nicht 100% sicher

Anfang des Jahres hat das Institut für Internet-Sicherheit die Vorschläge für ein europäisches Routing näher untersucht. Das Fazit: Schengen-Routing erreicht keine hundert­prozen­tige Sicherheit und erhöht außerdem die Kosten für die Provider, die dies sicher als Preissteigerung an die Nutzer weiterreichen würden.

Beim Geld hört der Spaß auf: Zwar befürwortet eine Mehrheit der Deutschen das Schengen-Routing zum Schutz vor internationaler Überwachung, aber nur eine Minderheit will dafür bezahlen.

Der diesjährige Unisys Security Index (USI), eine weltweite Studie zu Sicherheitsbedenken in unterschiedlichen Lebensbereichen, ergibt: 64 Prozent der befragten Deutschen plädieren für ein europäisches Datenschutznetzwerk. Allerdings würden lediglich 20 Prozent der Befragten dafür einen monatlichen Beitrag zahlen.

Darüber hinaus findet ein knappes Drittel der Befragten (30%), dass Cyber-Sicherheit für sie nicht relevant ist. Sie fühlen sich als Privatperson nicht betroffen. Vielmehr sind sie der Meinung, dass Cyber-Security im Verantwortungsbereich von Wirtschaft und Regierung liegt.

"Diese Diskrepanz zeigt auf, dass Datenschutz durch übergeordnete Institutionen für die deutsche Bevölkerung selbstverständlich ist“, konstatiert Dr. Gerhard Knecht, Head of Global Security Services bei Unisys. "Einen monatlichen Beitrag für die Sicherheit der Daten zu zahlen, kommt für sie daher auch nicht in Frage."

Bildquelle: Rike / pixelio.de

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