12.10.2017 Fake News und Stimmungsmache

So funktionieren Social Bots

Meist arbeiten sie im Verborgenen und einen schlechten Ruf haben sie auch: die Social Bots. Doch stimmt das wirklich und wie funktionieren Social Bots eigentlich genau?

Social Bots als Stimmungsmacher

Inwieweit lässt sich die öffentliche Meinungsbildung von Social Bots manipulieren?

Generell ist ein Bot per se weder gut noch schlecht. Er tut lediglich das, wozu er programmiert wurde. Social Bots, sogenannte Software-Roboter, können in den sozialen Medien wie Facebook, Twitter oder Instagram Beiträge posten, kommentieren, liken und retweeten. Dabei sind viele von ihnen so professionell und technisch so hoch entwickelt, dass sie von echten Personen kaum mehr zu unterscheiden sind – und genau hier liegt ihre Gefahr.

In der Regel handelt es sich bei den sogenannten Social Bots um künstlich intelligente Computerprogramme, die massenweise Posts und Tweets analysieren und dann automatisch aktiv werden, wenn sie bestimmte Hashtags oder Keywords im Netz erkennen. Dann liken oder retweeten sie, schreiben Kommentare oder teilen Beiträge in der Absicht, ein bestimmtes Thema für sich zu besetzen. Sie können auch Inhalte aus dem Archiv ihres Auftraggebers durchsuchen, daraus eigene Beiträge erstellen und diese automatisch posten. Welche Inhalte und welche Themen das sind, wird vorab in der Software verankert. Und je nachdem, wie hoch entwickelt die Software des Bots ist, ist so ein automatisch verfasster Kommentar oft nicht mehr zu unterscheiden von dem eines realen Menschen. Denn die anfänglich sicheren Anzeichen für Bot-Postings wie zahlreiche Übersetzungs-, Grammatik- oder Rechtschreibfehler werden heute immer seltener.

Automatisierte Kommunikation in sozialen Medien

Social Bots werden heute meist im sogenannten „Influencer Marketing“ in den sozialen Medien wie Facebook, Twitter oder Instagram eingesetzt. Dort erscheinen sie häufig in Form eines menschlichen Profils verknüpft mit einem Unternehmen. Analog zu den sogenannten Chatbots, die zukünftig einen Großteil des Kundenservices im Internet oder am Telefon übernehmen sollen, sind viele Experten der Meinung, dass auch das Social-Media-Marketing in der Zukunft zunehmend automatisiert werden wird.

Kaum ein Unternehmen verzichtet heute darauf, seine Kunden über Facebook mit zielgruppengenauen Informationen zu beliefern und ein „Social Media Roboter“ bietet einige Vorteile: Er schläft nie, kann binnen Sekunden überall auf der Welt Beiträge analysieren, teilen, verfassen und solche erkennen, zu denen er dann einen Kommentar schreiben kann. Zudem kann er aktuelle Trends in den sozialen Netzwerken erkennen, „Likes“ verteilen, Mitglied in einer Gruppen werden oder auch aktiv Freundschaftsanfragen tätigen – sofern das seine Social Bot Policy erlaubt. Bei all der Automatisierung ist natürlich auch Vorsicht geboten, denn Social Bots können den Ruf eines Unternehmens auch massiv schädigen, wenn ihre Aktivitäten im sozialen Netzwerk z.B. einen Shitstorm auslösen.

Grundsätzlich dienen Social Bots also der Sichtbarmachung und Verstärkung von Aussagen und Meinungen. Dabei können diese Aussagen eben werbenden Charakter besitzen oder aber auch eine gewünschte politische Wirkung entfalten.

Social Bots als Stimmungsmacher

Und hier genau liegt die Gefahr: Sie können gezielt eingesetzt werden, um Meinungen zu verbreiten und zu verstärken. Die Konsequenz ist, dass beispielsweise Facebook-Nutzer durch die massenhaften Postings und die überproportionale Präsenz einer bestimmten Meinung einen gänzlich verzerrten Eindruck vom tatsächlichen Meinungsbild in der Bevölkerung erhalten. Social Bots können gezielt „Fake News“ erstellen und gänzlich automatisiert verbreiten. Die Meinung von Menschen kann auf diese Weise leicht manipuliert und für eigene Zwecke missbraucht werden. So sind viele Experten beispielsweise der Meinung, dass Social Bots mitverantwortlich für den Ausgang des Brexits in Großbritannien und der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl 2016 zugunsten Donald Trumps sind. In Deutschland haben sich alle großen Parteien verpflichtet, Social Bots nicht im Wahlkampf einzusetzen.

Gefahr für die freie Meinungsbildung?

Laut der im Juni 2017 veröffentlichten Studie der Entwicklerkonferenz Developer Week ist das Thema Social Bots inzwischen auch bei den Deutschen Bürgern angekommen. Den Studienergebnissen zufolge machen sich über 59 Prozent der deutschen Internet‐Nutzer Sorgen, dass Social Bots in Zukunft immer öfter Menschen und Entscheidungen manipulieren werden.

Fast ebenso viele glauben, dass bereits heute viele Meldungen bzw. Accounts in Sozialen Medien „Fakes“ sind und für Stimmungsmache missbraucht werden. Und mehr als jeder Zweite ist der Ansicht, dass Social Bots eine Gefährdung für den Meinungsbildungsprozess in einer Demokratie darstellen. Vor diesem Hintergrund waren gut 60 Prozent der Befragten auch der Meinung, dass Software-Entwickler bei der Programmierung von Social Bots eine Mitverantwortung tragen und sich dieser auch bewusst sein sollten. Denn auch von Software-Entwicklern wird erwartet, gesellschaftliche Belange in die tägliche Arbeit einzubeziehen und die Konsequenzen ihres Tuns im Blick zu haben.

* Der Autor Florian Bender ist ein Kenner der Software-Entwickler-Szene und verbindet als Projektleiter der Entwicklerkonferenz Developer Week/DWX Branchenwissen und Trends aus den Bereichen .Net, Mobile und Web-Entwicklung. Nächster Termin für die Developer Week ist vom 25. bis 28. Juni 2018 in Nürnberg.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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