17.03.2017 Nano-Trench ergänzt Tiefbau

So gelingt der flächendeckende Glasfaserausbau

Von: Klaus Kremer

Damit Deutschland beim Breitbandausbau nicht weiter zurückfällt, müssen sich Telekommunikationsanbieter breiter aufstellen. Vor diesem Hintergrund hat 1&1 Versatel in Essen statt des klassischen Tiefbaus erstmals die Nano-Trench-Technologie zur Verlegung von Glasfaserkabel eingesetzt.

  • Nano-Trenching

    Verlegung der Leerrohre in die Rille mittels Nano-Trenching

  • Nano-Trenching

    Beginn der Fräsarbeiten beim Nano-Trenching

Als eine der führenden Wirtschaftsnationen muss Deutschland der Tatsache in Auge sehen, beim Zukunftsthema Breitband hinterherzuhinken. Dies zeigen u.a. die Ergebnisse der Studie „Treiber für den Ausbau hochbitratiger Infrastrukturen“, durchgeführt vom Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste GmbH (WIK) im Auftrag von 1&1 Telecommunication. „Die Studie zeigt, dass Deutschland seiner Technologieführerschaft nicht gerecht wird: Mit einer Glasfasernetzabdeckung von unter zehn Prozent liegen wir weit unter dem EU-Durchschnitt von 21 Prozent“, erklärt Dirk Brameier, Geschäftsführer Technik von 1&1 Versatel.

Dabei wird der Gigabit-Bedarf der deutschen Wirtschaft laut Studie in den kommenden Jahren deutlich steigen: Im Jahr 2025 werden über 75 Prozent aller Nachfrager in Deutschland Bedarf an Bandbreiten von mindestens 500 Mbit/s im Down- und 300 Mbit/s im Upload und damit nach echten Glasfaseranschlüssen haben. Entsprechend sind auch zahlreiche Unternehmen darauf angewiesen, dass Glasfaser in ihr Gebäude gelegt wird.

Um einen flächendeckenden Ausbau zu ermöglichen, sollten sich Telekommunikationsanbieter vom reinen Tiefbau verabschieden. Denn der Ausbau ist sowohl für nachfragende Firmen und Kommunen als auch für die TK-Unternehmen nur zu vernünftigen Konditionen sinnvoll – was mit herkömmlichen Ausbauverfahren oftmals nicht machbar ist. Daher gilt es, eine Mischung verschiedener alternativer Verlegemethoden zu nutzen, um die optimale Antwort für die Erfordernisse vor Ort zu haben und Unternehmen eine attraktive Lösung bieten zu können.

Neue Technologien für den Glasfaserausbau

Bei 1&1 Versatel kommen daher neben dem klassischen Tiefbau und Spülbohrverfahren verschiedene Trenching-Verfahren zum Einsatz. „Der Glasfaserausbau scheitert derzeit noch vielfach an den Ausbaukosten, da insbesondere der Tiefbau mit sehr hohen Kosten verbunden ist. Genau hier setzen neue Verfahren, wie beispielsweise Nano-Trenching, an“, erläutert Dirk Brameier.

Mit Mikro- und Nano-Trenching können Glasfaserkabel vergleichsweise kostengünstig und schnell verlegt werden. Dabei wird in einer Art „Schnellverfahren“ eine schmale Rille entlang der Fahrbahn in den Straßenbelag gefräst, in den das Kabel verlegt wird. Anschließend wird der Spalt aufgefüllt und mit einer dünnen Betonschicht versiegelt. Gegenüber herkömmlichen Technologien können die Kosten um bis zu 30 Prozent gesenkt werden. Die genaue Höhe der Ersparnis ist jedoch von den Vorgaben und Auflagen abhängig, die seitens der städtischen Tiefbauämter erfüllt werden müssen. Neben dem Kostenfaktor ist insbesondere die erhöhte Ausbaugeschwindigkeit bei Trenching-Verfahren von Vorteil. So können Streckenabschnitte mit Nano-Trenching ca. 30-mal schneller erschlossen werden. Außerdem soll das Verfahren den Straßenverkehr kaum beeinträchtigen: Da Strecken nie vollständig gesperrt werden müssen, kann der Verkehr während des Ausbaus weiterfließen.

In Deutschland wurde Nano-Trenching im Dezember 2016 erstmals von 1&1 Versatel als Pilotprojekt in Essen durchgeführt. „Wir konnten innerhalb von drei Tagen eine Glasfaserleitung mit rund 1.200 Metern Länge verlegen“, veranschaulicht Dirk Brameier. „Künftig möchten wir zahlreiche weitere Trenching-Projekte durchführen. So könnte zum Beispiel der Glasfaserausbau in Gewerbegebieten mit dem Verlege-Technologiemix und vereinfachten Genehmigungsverfahren wirtschaftlicher und schneller realisiert werden.“

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