07.08.2017 Die IT braucht Frauen

So gelingt der Start in der IT-Branche

Von: Ina Schlücker

Drei Mitarbeiterinnen des IT-Dienstleisters Adacor erklären, wie sich die Arbeit als Frau im eher männlich dominierten IT-Umfeld gestaltet.

  • Frauen in der IT-Branche

    So starten Frauen in der IT-Branche durch: Drei Mitarbeiterinnen von Adacor geben Einblick in ihren beruflichen Alltag.

  • Kiki Radicke, Adacor

    Kiki Radicke, Leiterin Marketing und Recruiting bei Adacor, ist eher zufällig in der IT-Branche „gelandet“.

  • Silke Suck, Adacor

    Silke Suck, Systemadmin bei Adacor: "Unsere Geschäftsführer achten sehr auf eine Atmosphäre, in der diskriminierendes Verhalten gegenüber Frauen nicht geduldet wird."

  • Sarah Weber, Adacor

    Sarah Weber, Werksstudentin bei Adacor, schreibt gerade ihre Masterarbeit in Bioinformatik.

Der Hosting-Dienstleister Adacor sieht weibliche Talente als optimale Ergänzung im immer noch eher männlich dominierten IT-Umfeld. Darüber, was es damit auf sich hat und wie sich die Arbeit als Frau in der IT gestaltet, geben Kiki Radicke, Leiterin Marketing und Recruiting, die Systemadministratorin Silke Suck sowie die Werksstudentin Sarah Weber im Interview mit IT-DIRECTOR Auskunft.

IT-DIRECTOR: Wie sind Sie zur IT gekommen? Warum haben Sie sich für einen Beruf innerhalb der ITK-Branche entschieden?
S. Weber:
Meine Freude an der Informatik habe ich als Teenager entdeckt. Während meines Biologiestudiums gab es eine Schlüsselsituation: Bei einer mühsamen und langwierigen Auswertung kam mir die Idee, dass ein Script sehr viel vereinfachen würde. Da wusste ich plötzlich: Das will ich machen!

S. Suck: Ich habe bereits als Kind gerne und viel Computer gespielt – das war Mitte der 80er-Jahre. Da war der C64 für mich von großem Interesse. In der Oberstufe konnten wir Informatik als Grundkurs wählen, was genau mein Ding war. Anschließend hat es mich zunächst in die Chemie verschlagen. Allerdings bin ich als Chemielaborantin nie so wirklich glücklich gewesen, sodass ich mich dann für ein Informatikstudium und damit für einen beruflichen Neuanfang entschieden habe.

K. Radicke: Als Leiterin Marketing und Recruiting bin ich eher zufällig in der IT-Branche „gelandet“. Spannend sind für mich hier besonders die Themen Recruiting und Employer Branding.

IT-DIRECTOR: Welche Etappen beinhaltete Ihr Ausbildungsweg zur IT-Spezialistin?
S. Suck:
Nach vier Semestern Diplom-Informatikstudium habe ich mich mit einem Geschäftspartner selbstständig gemacht. Einer unserer größten Kunden war ein Tochterunternehmen eines Konzerns im Ruhrgebiet. Meine Aufgabe war die Wartung von ISDN-Downlink-Servern mit Linux an den verschiedensten Standorten. Während dieser Zeit habe ich außerdem Fachliteratur übersetzt und das erste Mal eine heterogene Windows/Linux-Umgebung administriert. Das war eine sehr spannende und lehrreiche Zeit, in der ich mir die Grundlagen der Systemadministration durch „Learning by Doing“ angeeignet habe. Seitdem habe ich in verschiedenen Positionen immer weiter gelernt – und tue das immer noch.

S. Weber: Ich habe mein Studienfach zunächst danach ausgewählt, was mir in der Schule am meisten Spaß gemacht hat. Deshalb habe ich zuerst einen Bachelor in Biologie gemacht und ein Masterstudium in Bioinformatik angeschlossen. Momentan schreibe ich meine Masterarbeit.

IT-DIRECTOR: Welche IT-Themen machen Ihnen am meisten Spaß? Auf welche ITK-Bereiche legen Sie Ihr berufliches Augenmerk?
S. Weber:
Für mich sind das Skripte und Algorithmen. Es ist einfach ein tolles Gefühl, ein Skript zu schreiben, das direkt beim ersten Anwendungsversuch funktioniert. Gleichzeitig macht mir aber auch das Suchen und Finden von Fehlern in Skripten Spaß.

S. Suck: Nachdem ich ursprünglich hauptsächlich in der Linux-Welt zu Hause war, bereitet mir mittlerweile auch das Arbeiten mit Windows Freude. Ich liebe es, immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert zu werden. Wenn ich zwei Stunden an einem Problem gesessen habe und es dann irgendwann löse – dann ist das eine tolle Belohnung.

IT-DIRECTOR: Wie ist es derzeit um den prozentualen Anteil weiblicher IT-Mitarbeiter bzw. weiblicher IT-Führungskräfte in Ihrem Unternehmen bestellt?
K. Radicke:
Bei Adacor arbeiten zurzeit sieben weibliche IT-Fachkräfte und eine Auszubildende. Bei insgesamt 32 IT-Mitarbeitern ist das eine Frauenquote von 25 Prozent. Wir liegen damit über dem Branchendurchschnitt, was den Frauenanteil in IT-Berufen angeht: Dieser betrug laut Branchenverband Bitkom 2016 etwa 15 Prozent. Wir arbeiten vor allem im IT-Bereich verstärkt mit sich selbst organisierenden Teams. In dieser flachen Hierarchie gibt es keine wirklichen Vorgesetzten, sondern eher verschiedene Rollen, wie Scrum Master, Product Owner oder Key Accounter: Diese werden von Frauen und Männern gleichermaßen übernommen.

IT-DIRECTOR: Wie fühlt es sich an, in einem häufig als "reine Männerdomäne" beschriebenen Jobumfeld zu arbeiten?
S. Suck:
Ziemlich normal. Die Geschäftsführer achten sehr auf eine Atmosphäre, in der diskriminierendes Verhalten gegenüber Frauen nicht geduldet wird. Mit Kunden ist das manchmal eher unterschwellig ein Thema. Da merke ich beispielsweise, dass die Kommunikation irgendwie problematisch ist. Wenn ich mitbekomme, dass es mit den männlichen Kollegen klappt, liegt manchmal der Verdacht nahe, dass der Grund darin bestehen könnte, eine Frau zu sein. Aber es ist tatsächlich sehr selten, was vielleicht auch daran liegt, dass wir im B2B-Umfeld arbeiten. Wir haben es in der Regel mit Profis zu tun.

S. Weber: Auch ich erlebe die Arbeit bei Adacor so, dass das Geschlecht eher eine untergeordnete Rolle spielt. Generell wünsche ich mir, dass jeder, egal ob Mann oder Frau, als individueller Mensch mit Stärken und Schwächen betrachtet wird.

IT-DIRECTOR: Was raten Sie anderen Frauen, die sich für einen Job im IT-Umfeld entscheiden?
S. Weber:
Sich von niemandem abschrecken lassen. Wichtig ist, dass sie Spaß an Informatikthemen haben. Wenn das so ist, dann gilt es, dran zu bleiben!

S. Suck: Ja, genau: Vertraut euch selbst – ihr seid gut und wisst, was ihr tut. Und: Macht den Mund auf. Werdet ihr mit Sexismus konfrontiert, macht klar, dass das nicht okay ist.

IT-DIRECTOR: Worauf sollten Frauen bei der Wahl des Arbeitgebers vor allem achten?
S. Suck:
Sinnvoll ist sicher, zu prüfen, ob Frauen bei der Firma arbeiten. Sind es mehr als der Branchendurchschnitt von 15 Prozent, ist das schon mal ein gutes Zeichen. Darüber hinaus, kann „frau“ sich ansehen, wie es generell mit der Diversität aussieht.

K. Radicke: Familienfreundlichkeit und Entwicklungsmöglichkeiten sind ebenfalls wichtige Themen in diesem Zusammenhang. Frauen sollten darauf achten, dass Gleichstellung gegeben und Wiedereingliederung möglich ist. Empfehlenswert ist auch, zu schauen, welche Möglichkeiten es beispielsweise bei Betreuungsengpässen gibt, Stichwort Eltern-Kind-Büro.

IT-DIRECTOR: Welche speziellen Karrierechancen für Frauen sehen Sie in der IT-Branche?
K. Radicke:
Es werden zunehmend kommunikationsstarke Rollen gebraucht, vor allem in agil arbeitenden Unternehmen. Soft Skills wie diplomatisches Gespür, Kreativität und Fingerspitzengefühl sind wichtig, um die Zusammenarbeit und Vermittlung zwischen den verschiedenen Abteilungen oder mit den Kunden zu bewerkstelligen. In diesem Zusammenhang ergeben sich vor allem für Frauen viele spannende Positionen.

IT-DIRECTOR: Inwiefern lassen sich für weibliche IT-Führungskräfte in der Praxis Beruf und Familie vereinbaren?
K. Radicke:
Als eine der modernsten und am ehesten digital aufgestellten Branchen ist die IT dafür prädestiniert, Beruf und Familie zu vereinbaren – und zwar für Frauen und Männer. Allerdings spielt der Arbeitgeber eine entscheidende Rolle, z.B. durch flexible Arbeitszeiten, Möglichkeiten für Home Office oder zum Abfangen von Betreuungsengpässen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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