06.02.2017 Durchdacht statt überdimensioniert

So sollte ein RZ-Brandschutzkonzept aussehen

Von: Katrin Strübe, Lea Sommerhäuser

Die brandschutztechnischen Anforderungen moderner Rechenzentren sind hoch: ­Gefragt sind redundante und energiesparende Systeme, die sensibel und gleichzeitig falschalarmsicher funktionieren. Konventionelle Systeme mit Gaslöschtechnik sind allerdings häufig überdimensioniert ausgelegt.

Rechenzentrum

Eine moderne Brandschutzlösung stellt im Hochsicherheitsrechenzentrum die Verfügbarkeit auch im Brandfall sicher.

Interessant sind daher Brandschutzkonzepte speziell für Rechenzentren (RZ), die etwa auf dem Ansatz basieren, bei geringster Rauchdetektion den Schutzbereich frühzeitig in eine brandhemmende, aber begehbare Schutzatmosphäre zu versetzen. Die Brandursache kann dann analysiert und behoben werden – ohne dabei den Betrieb zu stören. Solch eine Brandschutzlösung für Rechenzentren besteht somit zum einen aus einer sensiblen Branddetektion mittels Ansaugrauchmeldern, die permanent aktiv Luftproben auf Rauch­aerosole überprüfen. Zum anderen greift eine Stickstofflöschanlage, die gestuft – ausgerichtet an die ebenfalls gestufte Alarmierung der Branddetektion – in zwei unterschiedliche Sicherheitslagen fahren kann: in eine brandhemmende Sauerstoffkonzentration und in eine löschfähige Restsauerstoffkonzentration unterhalb der Entzündungsgrenze. Dank der gestuften Absenkung durch die Löschmitteleinbringung ist der Löschmittelbedarf geringer und die Zielkonzentration wird schneller erreicht. Teure Druckentlastungsflächen werden somit überflüssig.

Begehbare Raumatmosphäre


Nehme man das Beispiel eines Kabelschmorbrandes: Dieser kann dank solch einer zweistufigen Branddetektion, wie sie etwa Wagner anbietet, durch sensible Ansaugrauchmelder mit Täuschungsalarmsicherheit frühzeitig erkannt werden. Durch ein direktes Absenken des Sauerstoffniveaus auf 17 Vol.-% wird dann eine Brandentwicklung unterbunden. Nach Behebung des Schmorbrandes durch das Personal des betroffenen Unternehmens in einer frei begehbaren Raumatmosphäre ist das Brandrisiko schließlich unter Kontrolle gebracht.

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Sollte es indes zu einem größeren Brandereignis kommen, würde der zweite Alarm solch eines Ansaug­rauchmeldesystems greifen – und die Anlage fährt in die zweite Sicherheitslage von 13,8 Vol.-%. So kann der Brand eingedämmt werden, da die Sauerstoffkonzentration unterhalb der Entzündungsgrenze typischer IT-Materialien liegt. Auch hier zahlt sich letztlich der Zeitvorteil aus, da solch eine Anlage umgehend in der Vorwarnzeit reagiert und die Zeit für eine Evakuierung oder Verzögerung eingespart wird. Auf eine personengefährdende Löschgaskonzentration wie bei konventionellen Gaslöschanlagen kann verzichtet werden.

Weniger Energieverbrauch


Die Bevorratung des Löschmittels soll im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen bis zu 37 Prozent geringer ausfallen. Druckentlastungsflächen können so um bis zu 80 Prozent verkleinert werden. Und in der Gesamtbetrachtung des Energieverbrauchs eines Rechenzen-trums entfallen auf solch eine zweistufige Brandschutzlösung weniger als 0,003 Prozent. Zum Vergleich: Üblicherweise fallen etwa 22 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs allein für die Klimatisierung an.

Bildquelle: Wagner

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