04.07.2017 Drogen und Waffen aus Onionland

So tickt das Darknet

Von: Ina Schlücker

Der im Mai erschienene Fachtitel „Darknet. Die Schattenwelt des Internets“ von Otto Hostettler bringt Licht in die kriminellen Machenschaften des Web-Untergrunds.

  • Darknet. Die Schattenwelt des Internets

    In seinem neuen Werk beschreibt der Schweizer Autor Otto Hostettler, wie das Darknet funktioniert.

  • Darknet. Die Schattenwelt des Internets

    Bereits im Mai erschien der Fachtitel „Darknet. Die Schattenwelt des Internets“.

Anschaulich und für Laien verständlich erklärt der Schweizer Autor, was sich hinter dem Darknet verbirgt. Dabei erläutert er zunächst die Funktionsweise des Tor-Browsers (The Onion Browser). Dieser wird dazu benötigt, um die Web-Seiten im Darknet mit der Endung .onion – sogenannte „Hidden Services“– überhaupt aufrufen zu können. Daneben kann der Tor-Browser allerdings auch für das sichere Surfen im offen zugänglichen Internet taugen.

Beschrieben werden außerdem verschiedene im Darknet genutzte Kommunikationsmittel, etwa E-Mail-Dienste wie Sigaint, die mit üblichen Browsern nicht zugänglich sind. Überdies gibt es bei den Suchmaschinen Unterschiede. Denn herkömmliche Suchmaschinen funktionieren im Darknet nicht. Hier suchen die Nutzer mit Duck Duck Go, Grams, Torch oder Not Evil.

In einem weiteren Kapitel geht Hostettler näher auf die im Darknet genutzten Bezahlverfahren ein, allen voran Blockchain und die Kryptowährung Bitcoin. Insbesondere die recht komplexe Funktionsweise von Blockchains als eine Art öffentliches Kassenbuch wird verständlich erläutert.

Darknet nicht per se böse

Generell macht Hostettler deutlich, dass Tor-Browser und Darknet nicht per se für kriminelle Machenschaften genutzt werden. Vielmehr sind Regimekritiker, Journalisten oder auch private User damit anonym im Internet unterwegs, ohne US-amerikanischen Datenkraken und Nachrichtendiensten täglich Tausende persönlicher Informationen zu übermitteln.

Neben der legalen Seite beschäftigt sich Otto Hostettler vor allem sehr intensiv mit der grenzenlosen Parallelwirtschaft im Darknet, wo regelmäßig zahlreiche neue anonyme Marktplätze aus dem Boden sprießen, sobald eine Handelsplattform wie der virtuelle Schwarzmarkt „Silk Road“ im Jahr 2013 von der Strafverfolgung ausradiert wird. In diesen „Darkshops“, die ähnlich funktionieren wie die professionellen Webshops von Amazon, Ebay & Co., lassen sich alle erdenklichen Wünsche erfüllen: Drogen, Medikamente oder Waffen gibt es käuflich zu erwerben. Daneben kann man für wenige Bitcoins seine eigenen Cyber-Angriffe auf Privatpersonen oder Unternehmen bestellen, quasi als „Crime as a Service“. Gleichzeitig tummeln sich Menschen mit krankhaften Trieben auf Portalen für Pädophilie oder Pornografie.

Vor diesem Hintergrund stand Hostettler selbst über ein Jahr lang in Kontakt mit dem Darknet-Drogenhändler „Edelweiss“ in Kontakt. In einem sehr persönlichen Interview berichtet Edelweiss über seine Beweggründe, Gewinnaussichten und die Angst, von der Polizei erwischt zu werden. Letzteres ist allerdings eher unbegründet, wie Otto Hostettler bei seinen Recherchen herausfand. Denn aufsehenerregende Fahndungserfolge blieben zuletzt aus.

Warum dies so ist, beweist ein Blick auf die aktuelle Situation der Ermittlungsbehörden. Hostettler zeigt auf, dass die bisherigen weltweiten Aktionen gegen den kriminellen Darknet-Handel eher kleinere „Stichnadelhiebe“ waren. Mehr Erfolg verspricht sich der Autor von der Nutzung traditioneller Fahndungsmethoden. So könne etwa die gezielte Auswertung von Nutzerprofilen auf mehreren Darknet-Marktplätzen und deren Äußerungen in Foren vielfach konkrete Rückschlüsse auf das Umfeld der Cyber-Kriminellen liefern. Um Täter im Darknet zu enttarnen, braucht es also nicht nur IT-Spezialisten, sondern auch Ermittler, die sich mit Techniken aus dem Bereich Open Source Intelligence (Osint) auskennen. In diesem Zusammenhang verweist Hostettler auch auf die von immer mehr Staaten genutzten Methoden der Vorratsdatenspeicherung oder der Etablierung von Staatstrojanern, womit man bislang jedoch noch keine durchschlagenden Erfolge verzeichnen konnte.

Hier geht es zum Buchtitel.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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