Ringturm der in Wien ansässigen Vienna Insurance Group
Zwecks Standardisierung der Softwareprozesse in den auf 24 Länder verteilten 50 Gesellschaften des Versicherungsunternehmens werden seit einigen Jahren schrittweise die unternehmensweiten Prozesse auf die Business-Management-Software von SAP umgestellt. Bereits im Jahr 2005 gründete der Versicherer zu diesem Zweck die Business Insurance Application Consulting (BIAC), die die Zusammenführung der isolierten Plattformen und der individuell entwickelten Systeme verantwortet. Klaus Lutterschmidt, leitender Ingenieur von BIAC, erläutert das Vorhaben: „Die Ziellösung des standardisierten Versicherungsmanagementsystems auf SAP umfasst die Verwaltung der Verträge, Schäden und Leistungen, Provisionen, Inkassierung, Rückversicherung und Reporting.“
Das Mammutprojekt zur Umstellung auf SAP hat zunächst nennenswerte Auswirkungen auf die Arbeit in den Entwicklungsteams. „Die Pläne sind ehrgeizig und wir arbeiten gemeinsam mit vielen verschiedenen Partnern an der Implementierung“, so Lutterschmidt. „Die Anzahl unserer Entwickler hat dementsprechend stark zugenommen: Prozesse, die vor fünf Jahren für ein Team von 50 Entwicklern geeignet waren, reichen für die jetzige Anzahl von 200 Mitarbeitern nicht mehr aus. Insofern müssen wir an der Organisation der Abläufe und an der Festlegung der Richtlinien arbeiten und diese an die neuen Bedürfnisse anpassen.“
Die Komplexität des Vorhabens und die Tatsache, dass die Entwickler in den verschiedenen Zielunternehmen über verschiedene Erfahrungsstufen verfügen, veranlasst die BIAC, nach einer unterstützenden Analyse- und Messmethode für die SAP-Plattformen zu suchen. Die Wahl fällt auf die Cast Application Intelligence Platform, eine Lösung zur Qualitätsbewertung und Leistungsmessung von Software. Diese untersucht die strukturelle Qualität der vollständigen Applikation über mehrschichtige Architekturen. Aufgrund der ermittelten Daten werden Qualitätsprobleme transparent, bevor sie die Geschäftsprozesse und damit die Unternehmensziele beeinträchtigen können. Dadurch wird das IT-Management in die Lage versetzt, frühzeitig fundierte Entscheidungen bezüglich Qualität und Investitionen in unternehmenskritischen Anwendungen zu treffen.
Bereits 2008 führte die Versicherungsgruppe Cast innerhalb von drei Monaten ein. 2009 integrierte die BIAC unter Leitung von Klaus Lutterschmidt die Quellcodesysteme der Gesellschaft in der Plattform und setzte Managementprozesse auf. Die Verantwortlichen für die technischen Module, die die verschiedenen Entwicklungsteams leiten, wurden hierfür einen halben Tag geschult. „Auch in Zukunft werden wir zahlreiche Implementierungen durchführen, die so preiswert und fehlerfrei wie möglich ausgeführt werden müssen“, beschreibt Lutterschmidt die Anforderungen der Praxis. „Zum Teil wird der Code extern entwickelt, einiges davon ist auf unseren Systemen. Dabei verwenden wir die Plattform, um sicherzugehen, dass der von den Entwicklern produzierte Code unseren Entwicklungsrichtlinien entspricht.“
Die Cast-Lösung erstellt Listen von nicht konformen Objekten und technische Dokumentationen, die zum Abgleich der Ergebnisse genutzt werden. Abweichungen können auf diese Weise frühzeitig erkannt werden. Die Software erfasst Änderungen zwischen zwei Versionen einer benutzerdefinierten Anwendung, erstellt detaillierte technische Dokumentationen der Produktanpassung und schätzt deren Kosten ab. Ebenfalls beschleunigt die Lösung die Entwicklung neuer Software-Module, indem sie prüft, welche Teile der bereits bestehenden benutzerdefinierten Anwendung geändert werden sollten.
„Es geht im Wesentlichen darum, Leistungsprobleme so früh wie möglich zu erfassen. Diese werden durch die Analyse der strukturellen Qualität festgestellt”, so Lutterschmidt. „Zu bestimmten Zeitpunkten müssen die Entwickler Qualitätsprüfungen vornehmen und den Code dann gemäß den Ergebnissen der Prüfung speichern.“ Dabei helfen die Leistungsindikatoren der Plattform dem Qualitätssicherungsteam, eine detaillierte und vollständige Übersicht über den Status der Implementierung zu erhalten. Die Reports wiederum können anwendungsgemäß strukturiert werden, und man kann in die Darstellung hineinzoomen, um zu prüfen, ob die Entwicklungsrichtlinien auch wirklich eingehalten wurden.
Die Vienna Insurance Group
Die Gruppe mit Sitz in Wien ist mit einem Prämienvolumen von ca. 8,6 Mrd. Euro und rund 25.000 Mitarbeitern einer der größten internationalen Versicherungskonzerne in der Region Zentral- und Osteuropa. Durch eine fokussierte Internationalisierungsstrategie schaffte die Versicherung den Sprung von einem nationalen Versicherungsunternehmen zu einem internationalen Konzern mit mehr als 50 Versicherungsgesellschaften in 24 Ländern.
Im Internet: www.vig.com
Bildquelle: Vienna Insurance Group/Robert Newald