13.02.2017 Interview mit der M2M Alliance

Standards für Industrie 4.0

Von: Ina Schlücker

Ohne Standards gibt es für Industrie 4.0 kaum Chancen auf Erfolg, erklärt Dr. Andreas Fink, Vorsitzender der M2M Alliance, im Interview.

  • Industrie 4.0 in der Praxis

    Welche Industrie-4.0-Strategie führt zum Ziel?

  • Dr. Andreas Fink, M2M Alliance

    Dr. Andreas Fink, Vorsitzender der M2M Alliance

IT-DIRECTOR: Herr Fink, welche sind die wichtigsten Eckpunkte von unternehmensweiten Industrie-4.0- bzw. Internet-of-Things-Strategien?
A. Fink:
Bei unternehmensweiten Industrie-4.0- oder auch Internet-of-Things-Strategien, die auch wirklich Erfolg versprechen, sind viele verschiedene Bereiche beteiligt. Vom CIO über die IT-Sicherheit und den CTO bis hin zum CEO müssen alle Abteilungen und Personen involviert sein. Bei einer Vernetzung auf Systemebene – also beispielsweise bei Maschinen und Prozessketten – ist ein erweitertes Sicherheitskonzept erforderlich.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielen technologische Standards in diesem Zusammenhang? Mit welchen Standards wurden bereits positive Erfahrungen gesammelt?
A. Fink:
Ohne Standards gibt es keine Chance auf Erfolg – jedenfalls nicht auf längere Sicht. Ist man abhängig von der Insellösung eines einzelnen Anbieters, kann das eine Weile gut gehen, muss auf Dauer aber im Scheitern des gesamten Projektes enden. Ein Problem ist, dass es noch zu viele Standards gibt. Um das zu ändern, setzt sich die M2M Alliance an verschiedenen Stellen ein, wie z.B. bei der Working Group mit der OPC Foundation oder als Mitglied im Industrial Internet Consortium (IIC).

IT-DIRECTOR: Wer trifft gemeinhin die Entscheidung über die für Industrie-4.0- und IoT-Projekte notwendigen Investitionen?
A. Fink:
Im Idealfall ist das der „Head of Digital Transformation“. Bei kleineren Unternehmen hat sich ein Zusammenspiel von IT-Führung und ERP-Verantwortung bewährt.

IT-DIRECTOR: Inwiefern müssen die vorhandenen ERP-Systeme an die neuen Anforderungen angepasst werden?
A. Fink:
Die zusätzlich vernetzten Maschinen müssen in die vorhandene ERP-Struktur eingebunden werden, um beispielsweise durch Big Data Analytics für einen Nutzen im Bereich Wartung zu sorgen. Unbedingt zu beachten ist, dass agile Ansätze erforderlich sind. Kleinere Tool-Bausteine mit definierten Schnittstellen versprechen mehr Erfolg als eine „All-In-One-ERP-Super-Suite“.

IT-DIRECTOR: Welche Stolpersteine gilt es dabei zu überwinden?
A. Fink:
Insbesondere durch den agilen Ansatz sind zunächst zusätzliche Aufwendungen notwendig, bevor sich der Nutzen bemerkbar macht. Zudem ist der Return On Investment (ROI) aufgrund fehlender Erfahrung oft nicht genau zu benennen. Eine weitere Herausforderung ist, dass klassische IT-Sicherheitskonzepte nur teilweise anwendbar sind.

IT-DIRECTOR: Stichwort Sicherheit: Mit welchen Methoden und Technologien sollten die Anwenderunternehmen ihre Industrie-4.0- bzw. Internet-of-Things-Umgebungen absichern?
A. Fink:
Zum einen lautet die Devise: „Secure by Design“. Anstatt alles wild zu verbinden, sollte man nur die wirklich notwendigen Schnittstellen nach „Außen“ sichtbar machen. Zum anderen sollte man verifizierte Standards nutzen.

Bildquellen: Thinkstock/iStock, M2M Alliance

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