24.07.2017 Studie von Usu

Steuerung für die Cloud

Von: Martin Landis

Eine aktuelle Studie rund um die Public Cloud zeigt, wie Computing-Services in den Unternehmen heutzutage genutzt und gesteuert werden.

Richtlinien geben zwar einen Rahmen vor, doch die Auswahl der passenden Cloud-Provider wird selten zentral gesteuert.

Immer mehr Unternehmen nehmen Computing-Services von Public-Cloud-Anbietern wie z.B. Microsoft Azure oder Amazon AWS in Anspruch – und der Markt wächst rasant. Überzeugend an den Angeboten sind nicht nur Kosten, Qualität und Flexibilität, sondern auch die Einfachheit, mit der diese Angebote per Self-Service in Anspruch genommen werden können. Oft gibt es aber auch eine Kehrseite: Datenschutzrichtlinien werden nicht eingehalten, Risikobewertungen unterbleiben, nicht mehr benötigte Ressourcen werden vergessen und verursachen weiterhin Kosten usw.

Eine aktuelle Studie der Usu AG beschäftigt sich mit der Frage, ob und in welchem Umfang Public-Cloud-Services in Unternehmen genutzt werden und wie die Unternehmen deren Nutzung überwachen und steuern. Dazu wurden rund 100 Unternehmen aus der DACH-Region befragt, mit folgenden Ergebnissen:

1. Public-Cloud-Services sind etabliert

Aktuell nutzen 54 Prozent der befragten Unternehmen Public-Cloud-Services und weitere 17 Prozent planen, dies zu tun. Damit werden zukünftig schon mehr als 70 Prozent aller Unternehmen auf Public-Cloud-Services setzen. Bei etwa einem Drittel der Unternehmen kommen heute noch keine Public-Cloud-Services zum Einsatz. Der hauptsächliche Hinderungsgrund hierfür ist die Einschätzung, dass der Datenschutz in der Public Cloud nicht ausreichend sei.

2. Marktführer sind US-Anbieter

Zum Einsatz kommen vor allem Cloud-Services der US-amerikanischen Unternehmen Microsoft (Azure) und Amazon (AWS). Deutsche Provider spielen nur eine untergeordnete Rolle. Die Unternehmen setzen dabei nicht nur auf einen Cloud-Anbieter. 44 Prozent aller Unternehmen nutzen Cloud-Services von bis zu vier Providern gleichzeitig.

3. Providerwahl kaum reglementiert

In den meisten Unternehmen lässt die IT den Nutzern von Public-Cloud-Services bei der Wahl ihres Providers freie Hand. Richtlinien geben zwar einen Rahmen vor, doch die Auswahl der dazu passenden Provider wird selten zentral gesteuert. Das wichtigste Kriterium ist laut Studie dabei der Datenschutz. Dieses Ergebnis ist bemerkenswert, weil von den Unternehmen in DACH vor allem US-amerikanische Provider genutzt werden. Offensichtlich werden von vielen Unternehmen Provider wie Amazon und Microsoft als unbedenklich für den Datenschutz eingestuft.

4. Services werden sowohl temporär als auch permanent genutzt

Für den Einsatz der Public-Cloud-Services haben sich in den Unternehmen zwei Schwerpunkte herauskristallisiert: Dies sind zum einen permanent betriebene, produktive Anwendungen, zum anderen sind es Entwicklungs- und Testzwecke. Dabei werden die Cloud-Ressourcen je nach Bedarf flexibel gestartet, verändert und auch wieder gestoppt. Vergleichsweise selten werden die Public-Cloud-Services für produktive Workloads eingesetzt. Damit gemeint ist der Einsatz von Cloud-Ressourcen für temporäre, rechenintensive Aufgaben.

5. Manuelle Steuerung der Cloud-Ressourcen

In über 80 Prozent der befragten Unternehmen werden die Cloud-Ressourcen manuell über die Self-Service-Tools der Provider gesteuert. Lediglich 19 Prozent haben die Steuerung ausgehend vom Auftrag über ein internes IT-Self-Service-Portal bis hin zur Veränderung der Cloud-Ressourcen in der Infrastruktur des Providers durchgehend automatisiert.

6. Nicht jeder nutzt sein IT-Servicemanagement-Tool (ITSM)

Aktuell setzen nur 35 Prozent der Unternehmen ihr IT-Servicemanagement-Tool ein, um die genutzten Cloud-Ressourcen zu verwalten. Weitere neun Prozent planen, dies zukünftig zu tun, sodass in naher Zukunft knapp die Hälfte der Unternehmen ihr ITSM-Tool zur Verwaltung einsetzen wird.

7. Neue Cloud-Management-Tools

Einige der ITSM-Tool-Hersteller haben ihr Produkt mit spezifischen „Cloud Brokering“-Funktionen zur automatisierten Verwaltung von Public-Cloud-Ressourcen erweitert. Seit einigen Jahren tauchen aber zusätzlich spezialisierte Tools zur Verwaltung von Public-Cloud-Ressourcen am Markt auf. Sie werden häufig als „Hybrid Cloud Management Tools“ oder „Multi Cloud Management Tools“ bezeichnet. Aktuell setzen 31 Prozent der Unternehmen Cloud-Management-Tools ein. Weitere 13 Prozent planen, dies in Zukunft zu tun.

8. Die Mehrheit setzt auf Tools

Grundsätzlich kann die Verwaltung der Cloud-Ressourcen mit dem ITSM-Tool oder auch mit einem der oben beschriebenen Cloud-Management-Tools durchgeführt werden. Mit 72 Prozent setzen gemäß der Erhebung nahezu drei Viertel aller Unternehmen auf den Einsatz eines Tools oder planen dies in naher Zukunft. Nur eine Minderheit von 28 Prozent hat diesbezüglich keine Pläne.

Die Nutzung von Public-Cloud-Services ist mittlerweile weit verbreitet in den Unternehmen der DACH-Region. 70 Prozent nutzen diese Services schon oder planen, dies zu tun. Und nahezu alle Unternehmen erwarten, dass die Nutzung weiter ansteigen wird. Bei der Auswahl der Provider ist laut Studie der Datenschutz das wichtigste Kriterium. Trotzdem werden vor allem die Cloud Services amerikanischer Unternehmen gewählt. Zudem findet die Steuerung und Verwaltung der Cloud-Ressourcen heute vorwiegend noch manuell statt. Obwohl etwa die Hälfte aller Unternehmen bereits ein Tool für diese Aufgaben einsetzt, ist der Automatisierungsgrad noch sehr gering.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 06/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Nicht zuletzt setzen über 70 Prozent der Befragten in naher Zukunft auf den Einsatz von Tools zur Steuerung und Verwaltung der Cloud-Ressourcen. Und aufgrund der angekündigten wachsenden Nutzung von Cloud-Services kann auch mit einem wachsenden Bedarf an Tools zur automatisierten Steuerung und Verwaltung gerechnet werden.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

©2017 Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH