06.04.2017 Frauen in der IT

Tipps für erfolgreiche Teamarbeit

Von: Ina Schlücker

Im Interview gibt Virginie Hollebecque, Managing Director bei dem Netzwerk­spezialisten Ciena, Tipps für eine erfolgreiche Teamarbeit und erläutert, wie Frauen in der IT-Branche Karriere machen können.

Virginie Hollebecque, Ciena

Virginie Hollebecque, Ciena

IT-DIRECTOR: Frau Hollebecque, Sie arbeiten bei Ciena verstärkt länderübergreifend zusammen. Worauf sollte man bei der Führung multikultureller und multinationaler Teams besonders achten?
V. Hollebecque:
Es braucht Zeit, die Besonderheiten einer Kultur und eines Landes mit seinem Lebensstil und seinen sozialen Konventionen zu verstehen. Manager müssen diese Zeit investieren, um Vertrauen aufzubauen. Führungskräfte sollten die wesentlichen kulturellen Eigenheiten verstehen und zwar nicht nur in den verschiedenen Teams, sondern auch innerhalb des Kundenstamms. Meiner Ansicht nach geht dies am besten, wenn man seinen Teams zuhört und ihnen das Gefühl gibt, dass ihre Meinung zählt. Ebenso wichtig ist es, in den lokalen Märkten auf dem Laufenden zu bleiben. Nur so lässt sich verstehen, was das Team des einen Landes von dem eines anderen unterscheidet.

IT-DIRECTOR: Wie schafft man es, alle Teammitglieder – trotz unterschiedlicher Schwächen und Stärken – gleichermaßen zu motivieren?
V. Hollebecque:
Vielfalt kann eine entscheidende Stärke sein. Dennoch müssen auch die Mitarbeiter aus verschiedenen Regionen die Möglichkeit haben, sich auszutauschen – über Erfolge, Probleme, Frustrationen und Erkenntnisse. Oft überraschen die ähnlichen Erfahrungen und Muster in Ländern, die geografisch und kulturell sehr unterschiedlich sind. Das kann Teams stark motivieren, um bei gemeinsamen Herausforderungen eng zusammenzuarbeiten.

IT-DIRECTOR: Welche „weichen“ Faktoren sind erfolgsversprechend? In welchen Momenten muss man auch mal strenge Disziplin einfordern?
V. Hollebecque:
Ein wichtiger weicher Faktor ist es, zu ermutigen und das eigene Team zu fördern. Dazu braucht es aber eine effektive Kommunikation, damit die gewünschten Ergebnisse entstehen. Läuft es einmal nicht ganz nach Plan, müssen wir konstruktiv mit den Teams und den einzelnen Personen zusammenarbeiten. So können alle aus den Fehlern lernen und es das nächste Mal besser machen.

IT-DIRECTOR: Sie haben die Initiative Women@Ciena mitbegründet. Was steckt dahinter?
V. Hollebecque:
Es handelt sich um eine Initiative zur Förderung von Frauen. Das Programm unterstützt sie dabei, sich bestmöglich zu entfalten und ihren Karriereweg zu gehen. Das beginnt beim On-Boarding neuer Talente und setzt sich fort über Coaching- und Mentoring-Programme. Die Karriereplanung ist ein wichtiger Bestandteil. In regelmäßigen Abständen schauen wir, wohin sich Mitarbeiterinnen entwickeln und welche Aufstiegschancen sie ergreifen können.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 03/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Mit dem Programm schaffen wir außerdem eine Unternehmenskultur, die alle Mitarbeiter inspiriert und mitwirken lässt, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Religion. Unsere lokalen Programme sind dazu gedacht, mehr Frauen für unser Unternehmen zu gewinnen. Sie können sich bei uns weiterentwickeln und natürlich wollen wir sie auch an uns binden.

IT-DIRECTOR: Welche Karrierechancen für Frauen sehen Sie generell in der ITK-Branche?
V. Hollebecque:
Sie habe alle Chancen, ohne Einschränkungen. Allerdings sollten Frauen viel Wert auf das Mentoring legen. Konkret heißt das, so viele Führungskräfte wie möglich zu treffen. Gerade die IT-Branche ist in dieser Hinsicht sehr offen. Viele Chancen entstehen erst aus persönlichen Gesprächen. Mit den Ausbildungsangeboten im Internet können sie zudem erkennen, welches technische Fach ihnen am meisten liegt.

IT-DIRECTOR: Was sollten Unternehmen künftig tun, um Frauen IT-Berufe schmackhaft zu machen?
V. Hollebecque:
Moderne Unternehmen zeigen, dass sie Frauen fördern. Eine Möglichkeit hierfür ist ein internes Diversitäts- und Inklusionsprogramm. Es unterstützt Frauen dabei, Positionen im Management oder als Fachexpertin anzustreben. Das bezieht sich auch auf solche Bereiche, in denen bisher vor allem Männer gearbeitet haben. Auch die Inspiration durch weibliche Führungskräfte spielt eine große Rolle. Sie sind es, die in anderen Frauen den Wunsch wecken, etwas zu bewegen. Eine weitere große Motivation entsteht, wenn Frauen sehen, was sie mit ihrer Arbeit für die Gesellschaft leisten können.

IT-DIRECTOR: Inwiefern lassen sich aus Ihrer Sicht für weibliche IT-Führungskräfte in der Praxis Beruf und Familie vereinbaren?
V. Hollebecque:
Unternehmen haben einiges zu bieten, um Mitarbeiter mit unterschiedlichen Lebenssituationen zu unterstützen. Sie können z.B. flexible Arbeitszeitmodelle für Mütter oder Väter anbieten sowie für Mitarbeiter, die kranke Ehegatten, Kinder oder Eltern pflegen. Wiedereingliederungskonzepte für junge Eltern und Home-Office-Regelungen sind weitere Instrumente, damit sich Beruf und Familie vereinbaren lassen.

Bildquelle: Ciena

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