Leon Adato, Head Geek bei dem Software-Anbieter Solarwinds
Jeder IT-Profi ist höchstwahrscheinlich bestens mit der Installation neuer Geräte wie etwa von Servern, Routern, Switches usw. vertraut. Das Hinzufügen von Unterkomponenten, z.B. Festplatten und Schnittstellen, ist wahrscheinlich ebenfalls ein Kinderspiel. Es ist auch gut möglich, dass man als IT-Profi schon jede Menge Berichte erstellt und Datenexporte durchgeführt hat. Auch Warnungen werden kein Fremdwort sein.
Doch was macht man mit diesen Warnungen? Die meisten IT-Profis, die Überwachungstools verwenden, richten die Weiterleitung von Warnungen per E-Mail oder SMS an ihre mobilen Geräte ein. Wer besonders ehrgeizig ist, könnte sogar eine automatisierte Ticketerstellung für das im Unternehmen verwendete Störfallsystem in Betracht ziehen. Danach passiert in der Regel folgendes: Ein Überwachungstool erkennt einen Fehler, eine Benachrichtigung wird versendet, die verantwortliche Person wird tätig und das Problem wird (letztlich) behoben.
Aber warum? Warum sollte man Menschen stören, wenn auch ein Computer diese Aufgabe erledigen kann? Tatsache ist, dass es für viele Warnungen eine einfache Lösung gibt, die oft innerhalb des Überwachungstools selbst automatisiert werden kann. Dadurch können viele Arbeitsstunden und Ressourcen eingespart werden. Das steigert wiederum den Reingewinn. Hier greifen folgende Beispiele:
Warnung: XYZ-Dienst ausgefallen
Automatisierte Antwort: Neustart des Geräts versuchen
Warnung: Datenträger zu mehr als XX Prozent belegt
Automatisierte Antwort: Standard-TEMP-Ordner leeren
Warnung: IP-Adresskonflikt festgestellt
Automatisierte Antwort: Port des neueren Geräts herunterfahren
Solche Aufzählungen lassen sich beliebig fortsetzen. Falls eine automatisierte Problemlösung nicht erfolgreich ist, lösen die entsprechenden Überwachungstools eine sekundäre Aktion aus, nämlich die oben erwähnten E-Mails, SMS-Nachrichten oder Tickets. Im schlimmsten Fall wird eine E-Mail, eine SMS oder ein Ticket um einige Minuten verzögert. Die Verzögerung ist dann aber darauf zurückzuführen, dass das Überwachungssystem sofort jene Aktion ausgeführt hat, die ein Techniker ausgeführt hätte – nach der Benachrichtigung. Die potentielle Behebung des Problems erfolgt demnach bei Verwendung einer automatisierten Antwort sogar ein paar Minuten schneller.
Die Möglichkeiten der Automatisierung sind damit jedoch noch lange nicht erschöpft. Mithilfe aktueller Überwachungstools können IT-Profis sofort bei Auftreten des Alarms automatisch mit der Erfassung zusätzlicher erforderlicher Informationen beginnen und diese dann entsprechend einbinden. Hierzu weitere Beispiele:
Warnung: CPU-Auslastung über XX Prozent
Automatisierte Antwort: Die 10 wichtigsten Prozesse identifizieren, sortiert nach der CPU-Auslastung
Warnung: RAM-Auslastung (Neuigkeiten – Alarm) über XX Prozent
Automatisierte Antwort: Die 10 wichtigsten Prozesse identifizieren, sortiert nach der RAM-Auslastung
Warnung: VM verwendet mehr als XX Prozent der Hostressourcen
Automatisierte Antwort: VM anhand des Namens identifizieren
Warnung: Datenträger nach dem Leeren der TEMP-Ordner immer noch zu mehr als XX Prozent belegt
Automatisierte Antwort: Datenträger nach den zehn wichtigsten Dateien (sortiert nach der Dateigröße), die in den letzten 24 Stunden hinzugefügt oder aktualisiert wurden, durchsuchen
Welche Auswirkungen kann diese Art von Überwachungsautomatisierung haben? Fallbeispiel: Ein Unternehmen hat kürzlich die oben beschriebenen automatisierten Antworten im Zusammenhang mit Datenträgern implementiert – d.h. Leeren der TEMP-Ordner und erneute Warnmeldung nach 15 Minuten, falls die Datenträger weiterhin voll sind; Hinzufügen der zehn wichtigsten Prozesse zur Warnung wegen hoher CPU-Auslastung.
Das Ergebnis waren 30 bis 70 Prozent weniger Warnungen im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres. Das entspricht 43 bis 175 weniger Warnungen pro Monat. Darüber hinaus registrierten die Supportmitarbeiter das Ergebnis und reagierten schneller auf die restlichen Warnungen, da sie wussten, dass die automatisierten Anfangsmaßnahmen bereits durchgeführt wurden. Die Warnungen im Zusammenhang mit der CPU nahmen zwar nicht ab, aber die Reaktion der Supportmitarbeiter wurde wiederum verbessert. Denn die Tickets enthielten jeweils detaillierte Informationen zum jeweiligen Problem. In einem Fall konnte das Unternehmen einen Patch von einem Anbieter anfordern, da schließlich ein langfristiges Problem bei der Software nachgewiesen werden konnte.