Immer dabei: Das Smartphone
Private Endgeräte im Unternehmen nutzen? Für traditionell orientierte IT-Abteilungen ist das ein rotes Tuch, für Trend Micro dagegen ein Schlüsseltrend in der Enterprise-IT der nächsten Jahre. Laut dem "Consumerization Report 2011" des japanischen Unternehmens erlaubt mehr als die Hälfte (59%) der in Deutschland befragten Unternehmen den Einsatz privater IT-Geräte. In den USA sind es schon drei Viertel.
Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Die Experton Group hat im Auftrag des ITT-Dienstleisters Computacenter deutsche IT-Entscheider zur beruflichen Nutzung von Konsumentengeräten (Consumerization) und von privat angeschafften Endgeräten (Bring Your Own Device, BYOD) befragt. Vor allem attraktive und leistungsfähige Mobilgeräte sind sehr beliebt. Das Ergebnis: Die geschäftliche Nutzung von Consumer-Smartphones und -Tablets ist laut dem Report 2011 um etwa 43 beziehungsweise 38 Prozent gestiegen
Anwenderbedürfnisse ändern sich
Solche Zahlen sind für den Kommunikationskonzern Verizon ein Grund, "Consumerization of IT" zum Toptrend für 2012 auszurufen. "Viele Unternehmen versuchen, das Benutzerzufriedenheit und die Produktivität zu verbessern, indem sie die IT-Richtlinien an die Consumerization anpassen," beschreibt Verizon-Chefstratege Mike Palmer den weltweiten Trend.
Da geht es nicht lediglich um das schlichte Mitbringen von Geräten, sondern vielmehr um geschäftliche Anwendungen auf den privaten Smartphones und Tablets. Dazu gehört auch Social Media wie zum Beispiel der in den meisten deutschen Unternehmen noch verpönte Zugriff auf Facebook, Xing oder andere soziale Netzwerke.
Diese abwehrende Haltung ist jedoch auf dem Rückzug. "Die Anwenderbedürfnisse ändern sich. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen mehr Mobilität und Flexibilität, um produktiv arbeiten zu können", meint der Marketingmanager und Fachblogger Michael Gisiger. Wenn die Unternehmens-IT nicht auf diese Bedürfnisse eingeht, helfen sich die Anwender selbst: "Bereits jetzt gibt es funktionierende Lösungen, mit denen sie überall und rund um die Uhr mit jedem Gerät auf Daten und Anwendungen zugreifen können."
Vor allem die Verbreitung von Smartphone/Tablet-Apps zur Steigerung der Produktivität wie Evernote (Notizen), Wunderlist (Todo-Listen) oder iThoughts (Mindmaps) führt zu einer verborgenen Consumerization. Wer einmal mit solchen Apps gearbeitet hat, möchte sie im Beruf nicht mehr missen. Dies setzt die IT Abteilungen unter Druck, eine gemischte geschäftliche und private Nutzung von Smartphones zu ermöglichen.
Bring-Your-Own-Programme im Trend
Doch der Druck kommt nicht nur von den Mitarbeitern, sondern vermehrt auch aus dem eigenen Management. Die alljährliche Citrix Studie BYO Index ergab, dass immer mehr Unternehmen Bring-Your-Own-Programme auflegen. Dabei fördert der Arbeitgeber das Mitbringen privater Endgeräte. Einige Unternehmen geben sogar Zuschüsse zu den teils recht hohen Anschaffungskosten.
Solche Initiativen sind allerdings keine Freundlichkeit der Arbeitgeber, sondern haben einen ernsten Hintergrund. Motive für die Einführung von BYO sind für die Umfrageteilnehmer eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit (57 Prozent), größere Mobilität der Angestellten (51 Prozent), flexiblere Arbeitsmodelle (46 Prozent) und eine Senkung der IT-Kosten (36 Prozent).
Wichtigster Beweggrund für BYOD ist laut der Befragten aber eine veränderte Mentalität bei Berufseinsteigern. Für sie ist es selbstverständlich, auch bei der Arbeit auf eigene Geräte zurückzugreifen. Deshalb sehen viele Unternehmen Consumerization als Versuch, möglichst viele qualifizierte Mitarbeiter anzuziehen.
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