Steigender Bedarf an Speicherlösungen

Transformieren statt kapitulieren

Angesichts des weltweit ungebremsten Datenwachstums steigt der Bedarf an leistungsfähigen Speicherlösungen. Hier werden konventionelle ­Systeme den Anforderungen an modernes Datenmanagement immer seltener gerecht.

Mann, iStockphoto.com/PeskyMonkey

Nach einer aktuellen Befragung von IDC unter 254 deutschen Firmen werden die wachsenden Datenmengen für Unternehmen immer stärker zu einem ernsthaften Problem. Wie die Ergebnisse zeigen, erwarten mehr als drei Viertel der Verantwortlichen in den nächsten zwei Jahren einen jährlichen Datenzuwachs von bis zu 25 Prozent. Immerhin 13 Prozent rechnen damit, dass ihr Datenberg im selben Zeitraum um 25 bis 50 Prozent wächst. Der Datenstrom speist sich aus einer Vielzahl von Quellen. Das stärkste Wachstum messen die Verantwortlichen den mobilen Anwendungen (40 Prozent der Nennungen), Daten aus IT- und TK-Systemen (39 Prozent), Daten aus Anwendungen in der Cloud (36 Prozent) und unstrukturierten Daten (34 Prozent) zu. Die Befragten haben nach Ansicht der Marktforscher deutlich erkannt, dass akuter Handlungsbedarf besteht, sind durch operative Aufgaben aber ausgelastet, so dass kaum Zeit für Innovation bleibt. Als größte Herausforderungen werden der Schutz der Informationen (46 Prozent), die effiziente Speicherung der Daten (43 Prozent) und die Kostenfrage zur Beherrschung der Daten (39 Prozent) genannt.

Diese Ergebnisse legen laut IDC den Schluss nahe, dass IT-Organisationen und -Fachbereiche zwar um das Datendilemma wissen, aber auf dessen Breite und Intensität oftmals lediglich mit punktuellen Lösungsansätzen reagieren. „Die in den Firmen installierten Lösungen und die genutzten Konzepte stoßen zunehmend an ihre Grenzen, um die Daten ausreichend zu erschließen. Hier sind strategische Ansätze gefragt, ansonsten ist ein Scheitern vorprogrammiert. Wir erwarten, dass viele Organisationen hybride Szenarien aus vorhandener und neuer Technologie entwickeln, um sich der Herausforderung Big Data zu nähern. Die ersten Ansätze sind bereits sichtbar“, stellt Matthias Zacher, Senior Consultant bei IDC in Frankfurt, fest.

Nach Meinung der Experton Group gehören traditionelle Speichersysteme schon bald der Vergangenheit an. Stattdessen kommen neue Speichersysteme auf Basis disruptiver Technologien zum Einsatz, die eine höhere Flexibilität, Performance und Skalierbarkeit sowie eine bessere Auslastung und besseres Management bieten. Nach den Worten von Wolfgang Schwab, Program Manager Efficient Infrastructure bei Experton, sind die Speichersysteme der nächsten Generation deutlich wirtschaftlicher als die heutigen Systeme. Sie verfügen über Features wie Auto-Tiering, Cache, Autoskalierung, Storage-Ressourcen-Management und Thin Provisioning. Mit dieser neuen Generation können Anwender ihre Datenbanken ausbauen, ohne dass die Support-Kosten entsprechend in die Höhe gehen. „Es gilt, Kosten und Nutzen einer Migration auf Lösungen der nächsten Generation zu analysieren und herauszufinden, ob und an welcher Stelle man diese Angebote am besten einsetzen könnte. Im nächsten Schritt müssen Initiativen aufgesetzt werden, um die Speichersysteme der nächsten Generation in die Rechenzentrumsarchitektur zu integrieren“, empfiehlt Schwab.

Laut Schwab können die Anwender davon ausgehen, dass die Preise für Storage bis zum Ende des Jahrzehnts um durchschnittlich circa 15 Prozent jährlich zurückgehen und die Speicherdichte um über 30 Prozent pro Jahr zunimmt. Innerhalb eines Jahrzehnts passt dann also Speicher, der bislang 1.260 m2 Platzbedarf hatte, auf gerade einmal einen Quadratmeter, und das bei sehr niedrigen Kosten. Der Stromverbrauch pro Terabyte wird ebenso rasant sinken. Dieser Rückgang wird allerdings durch die zunehmenden Kapazitätsbedarfe, die im zweistelligen Bereich steigen, wieder wettgemacht. IT-Entscheidungsträger müssen sich laut Schwab für diesen schnellen Wandel rüsten und eine neue Strategie entwickeln, die die unternehmensweite Speicherauslastung optimiert.

Ersatz für Storage Arrays

Im Laufe der letzten Jahre haben die Anbieter Speichersysteme mit Hardware und Software der nächsten Generation angekündigt und auch auf den Markt gebracht. Manche haben diese Lösungen als Ersatz für die vorhandenen Storage Arrays angepriesen, andere haben sie als Appliances, Big-Data-Lösungen oder Cloud-Storage-Plattformen vermarktet. „So mancher IT-Manager hat vielleicht gar nicht wahrgenommen, worum es sich da wirklich handelt, da diese Lösungen bei vielen Anbietern die vorhandenen Produktlinien nicht vollständig ersetzten. Oftmals können diese Arrays nicht nur in neuen Umgebungen eingesetzt werden, sondern können auch den bereits vorhandenen Storage-Betrieb dramatisch verbessern“, stellt Wolfgang Schwab fest.

Es steht zu erwarten, dass die Anbieter mit einer ganzen Reihe von Speicherlösungen der nächsten Generation aufwarten, die darauf abzielen, den Personalbedarf zu verringern, problemlos höchste Leistungsfähigkeit und Skalierbarkeit zu bieten, eine schnellere Wertschöpfung zu erreichen und die Betriebskosten zu senken. Die unternehmensweiten Speicherkapazitäten steigen weiterhin um circa 25 Prozent oder mehr pro Jahr. „Ohne geeignete Speicherlösungen der nächsten Generation schießen die Kosten für die riesigen Datenmengen in die Höhe und die Zeitfenster für Sicherungen verschwinden zusehends. Es gilt, sich in Zusammenarbeit mit den strategischen Storage-Partnern mit den Lösungsangeboten der nächsten Generation vertraut zu machen und im Rahmen von Pilotprojekten herauszufinden, wie die Ansätze der einzelnen Anbieter zur Unternehmensausrichtung passen und welcher Partner für den Transformationsprozess infrage kommt“, rät Schwab.

Flash ergänzt Disk

Eine Schlüsselrolle bei der Konzeption neuer Generationen von Speichersystemen, da sind sich Analysten und Anbieter einig, werden Flash-Speicher spielen. Betrug laut Gartner der weltweite Umsatz mit Solid State Disks (SSDs) im Umfeld von Server- und Speichersystemen 2011 nur 2,6 Mrd. US-Dollar, werden es 2016 voraussichtlich bereits 14,2 Mrd. US-Dollar sein. Während im Konsumentenumfeld wohl kein Tablet-PC oder ein vergleichbares Endgerät in Zukunft ohne SSD auskommt, sieht es im Enterprise-Segment, also bei Servern und Speichersystemen, zurzeit noch etwas anders aus. „Hier müssen die drei Faktoren Kapazität, Geschwindigkeit und Preis eine gewisse Ausgewogenheit erreichen. Die Geschwindigkeit ist zwar hervorragend, allerdings sind einigen die Preise noch zu hoch und auch die Kapazität reicht ihnen noch nicht aus. Schon bald aber werden die Preise fallen und die Kapazitäten steigen. Heute bereits haben SSDs ihren Platz in der IT gefunden, alle drei Dell-Array-Familien können sie enthalten, natürlich auch die Server“, erklärt Hans Schramm, Field Product Manager Large Enterprise bei Dell.

Vorteile bieten SSDs nach seiner Ansicht vor allem in einem Storage-Tiering-Konzept, das unterschiedliche Speichertechnologien in einem System nutzt: klein, schnell, aber teuer für Daten mit häufigem Zugriff und groß, langsam, aber günstig für den Rest der Daten. „Die Zuweisung der Daten muss automatisch und dynamisch erfolgen, denn die ,Wichtigkeit‘ der Daten ändert sich, und dem muss ein Tiering-Konzept Rechnung tragen. SSDs werden im Tier 0 ihre Bedeutung weiter ausbauen. Allerdings kämpfen sie in Zukunft dort auch mit Technologien, die noch etwas schneller oder effektiver sind, nämlich mit speziellen Karten im Server oder dem direkten Zugriff auf das Memory des Servers. Das RAM eines Servers wird dann zum Tier 1“, so Schramm.

Namhafte Anbieter von Speichersystemen haben bereits konkrete Konzepte für den Einsatz von Flash-Technologien entwickelt. Ende Oktober hat Fujitsu seine neue Strategie für Flash-basierte Speichersysteme und entsprechende Erweiterungen seines Produktportfolios vorgestellt. Das Unternehmen hat zu diesem Zweck ein Reseller-Abkommen mit Violin Memory abgeschlossen. Im Rahmen der Vereinbarung stellt Fujitsu seinen Kunden die High-Speed-All-Flash-Arrays Violin 6000 zur Verfügung. Damit offeriert der Anbieter seinen Kunden eine Lösung für Anwendungen, deren Antwortzeiten maßgeblich von der Performance der Speichersysteme abhängen.

Die Vereinbarung mit Violin Memory ist nach den Worten von Marcel Schneider, Head of Product Development Group of Storage bei Fujitsu Technology Solutions, einer der Eckpunkte in der mehrstufigen Strategie, mit Hilfe von Flash-Speicher-Technologien generell die Systemleistung zu erhöhen. Im ersten Schritt hat man hoch skalierbare Speicherkapazitäten mit hoher Leistungsfähigkeit kombiniert. Dazu stattete der Anbieter seine festplattenbasierten Speichersysteme der Reihe Eternus DX mit Solid State Drives und einem erweiterten Cache-Speicher aus. Noch in diesem Jahr plant der Hersteller, den Cache-Speicher der Eternus-DX-Systeme weiter auszubauen und damit die Performance nochmals deutlich zu erhöhen.

Im zweiten Schritt optimierte Fujitsu die Performance spezieller Workloads, etwa von VMware und Datenbanken. Zu diesem Zweck integrierte der Hersteller die PCIe-Flash-Karten-Technologie (Peripheral Component Interconnect Express) von Fusion IO in die Serversysteme der Reihe Primergy. Der dritte Eckpunkt der Flash-Storage-Strategie bildet die bereits erwähnte Kooperation mit Violin Memory. Mit der Violin-6000-Familie stellt man den Kunden Speichersysteme mit einer extrem hohen Read-Write-Performance von bis zu einer Million I/O-Operations Per Second (IOPS) zur Verfügung. Optimale Anwendungsszenarien für diese Systeme gibt es beim Zugriff auf große Datenbanken, bei der Server- und Desktop-Virtualisierung sowie bei anspruchsvollen Anwendungen in den Bereichen Business Analytics und Big Data.

Durchbruch mit neuen Technologien

Auch Hitachi Data Systems (HDS) setzt auf eine mehrstufige Strategie beim Einsatz der Flash-Technologie. Die Flash-Planungen des Anbieters erstrecken sich über die Bereiche Server, Storage und Appliances, um die Rechenleistung zu erhöhen sowie um das Caching und die High-Performance-Anwendungsszenarien zu optimieren. Basis hierfür ist der neue, leistungsfähige Flash Memory Controller, den Hitachi Ltd. entwickelt hat. Der Datendurchsatz ist nach eigenen Angaben etwa viermal größer als bei derzeitigen Solid State Drives (SSDs) mit Multi-Level-Cell-Technologie (MLC).

Die Haltbarkeit im Enterprise-Einsatz beträgt laut dem Anbieter über fünf Jahre. Eine sogenannte Inline Zero Block Compression sorgt dafür, dass nicht mehr verwendeter Speicherplatz verfügbar und somit die Kapazität des Flash-Speichers voll umfänglich erhalten bleibt. Daten lassen sich zudem vollständig, dauerhaft und sicher löschen. Insbesondere bei der Indizierung, Onlinetransaktionsverarbeitung (OLTP) von Datenbanken und Entscheidungsanalyse sowie in den Bereichen E-Mailing und Virtual Desktop Infrastructures (VDI) spielt der neue Controller nach Angaben seiner Entwickler seine Stärken aus.

Bereits verfügbar ist die neue Flash-Technologie für die Enterprise-Speicherlösung Virtual Storage Platform (VSP). Laut Hersteller verdreifacht die VSP durch die Flash-Integration in etwa ihre I/O Operations Per Second (IOPS) im Random-Lesezugriff auf einen Wert von etwas über einer Million, die I/O-Response-Zeit sinkt um 65 Prozent. Anwender können so ihre Speicherkonsolidierung und die Anzahl ihrer virtuellen Maschinen (VM) um etwa 100 Prozent erhöhen. Zudem lassen sich die Kapital- und Betriebskosten (Capex/Opex) senken sowie die Quality of Services für offene Systeme und virtualisierte Anwendungen verbessern. Auch die Fähigkeit zum Dynamic Tiering profitiert vom neuen Controller. Insgesamt, so HDS, verdoppelt sich die Leistung der VSP in etwa bei typischen OLTP-Workloads.

„Bisher war der Mehrwert von Flash-Medien aufgrund der Controller-Leistung und der Flash-Charakteristika limitiert, wenn es um die Unterstützung leistungsfähiger und zeitkritischer cloud-basierter Anwendungen ging. Unternehmen mussten daher Kompromisse bei Kosten, Kapazität und Haltbarkeit eingehen“, erklärt Jürgen A. Krebs, Director Business Development & Director Field Marketing bei Hitachi Data Systems. „Der neue Flash Memory Controller ermöglicht uns, eine Reihe von Produkten auf den Markt zu bringen, die alle eines gemeinsam haben: Sie sind von Anfang an entwickelt worden, um Rechenleistung für Big-Data-Szenarien und erfolgskritische Anwendungen und Datenbanken zu erhöhen.“

Bildquelle: iStockphoto.com/PeskyMonkey

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