17.03.2017 Digitale Transformation

Unternehmen bejahen Digitalisierung

Interview mit Dr. Rolf Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung Deutschland & Head of Central Europe bei Fujitsu, über den jüngsten Fit4Digital-Report des Anbieters und die Chancen der Digitalisierung

  • Digitaler Wandel

    Deutsche Unternehmen stehen dem digitalen Wandel grundsätzlich optimistisch gegenüber.

  • Dr. Rolf Werner, Fujitsu

    Dr. Rolf Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung Deutschland & Head of Central Europe bei Fujitsu

IT-DIRECTOR: Herr Werner, wie stehen deutsche Unternehmen zur digitalen Transformation? Gibt es für sie ein Anlass zur Sorge oder zur Hoffnung?
R. Werner:
Deutsche Unternehmen stehen dem digitalen Wandel grundsätzlich optimistisch gegenüber. In unserer kürzlich veröffentlichten Studie „Fit4Digital“ zur digitalen Disruption zeigte sich, dass rund 82 Prozent der Führungskräfte deutscher Firmen davon überzeugt sind, dass die Digitalisierung in erster Linie neue Erfolgschancen eröffnet. Aber natürlich machen sie sich auch Gedanken darüber, was die Digitalisierung für ihre Zukunft bedeutet. Über ein Drittel ist beispielsweise der Auffassung, dass ihr Unternehmen im Jahr 2021 aufgrund des digitalen Wandels nicht mehr in der gegenwärtigen Form existieren wird.

IT-DIRECTOR: Wo sehen Sie die derzeit größte Herausforderung der Digitalisierung?
R. Werner:
Es gibt immer noch viele Fallstricke und Unwägbarkeiten beim digitalen Umbau innerhalb deutscher Unternehmen. Die Erfahrung zeigt, dass viele Firmen u.a. aufgrund falscher Zielsetzungen durch den IT-Umbau keinen signifikanten Wettbewerbsvorteil erzielen. Um wirklich digital zu arbeiten, müssen Unternehmen durchgehend digitale Strukturen besitzen. Das funktioniert natürlich nur, wenn Front- und Backend-Infrastruktursysteme nahtlos miteinander verknüpft sind.

Neben der IT gilt es aber auch einen weiteren wichtigen Faktor zu beachten: Ohne Führungskräfte, die vorangehen und ihre Mitarbeiter eng einbinden, ist das Risiko des Scheiterns bei der digitalen Transformation hoch. Dazu müssen CIOs eine digitale Agenda vorgeben, zu der auch die CEOs einen Beitrag leisten müssen. Denn unzureichende Abstimmungen und unklare Zuständigkeiten bzw. Vorgaben sind in der Praxis klassische Stolpersteine. Denn obwohl es in erster Linie um Technologien geht, bleibt der Mensch doch ein maßgeblicher Faktor.

IT-DIRECTOR: Was sind die wichtigsten aktuellen und zukünftigen Folgen der Digitalisierung auf Unternehmen?
R. Werner:
Hier gilt es, mehrere Ebenen zu betrachten – einerseits das Angebot eines Unternehmens und seine internen Strukturen und Prozesse, andererseits natürlich die zugrundeliegende IT. Allen gemein ist jedoch, dass der Wandel vor kaum einem Bereich haltmachen wird. Fast alle klassischen Geschäftsmodelle geraten unter Druck und müssen über kurz oder lang verändert werden. Bezüglich der IT gilt es, klassische IT mit verschiedenen Cloud-Services zu kombinieren. Daher sollten IT-Verantwortliche bei der Wahl der Cloud-Services auf Standards wie Openstack achten, da dies die Integration deutlich erleichtert.

IT-DIRECTOR: Wie wappnen sich deutsche Unternehmen für den digitalen Wandel? Welche Faktoren spielen für sie eine wichtige Rolle?
R. Werner:
Wer vorne bleiben will, muss digitalisieren. Dabei sind die deutschen Firmen im internationalen Vergleich bei weitem nicht so schlecht aufgestellt, wie oft behauptet wird. Häufig findet die Digitalisierung in Unternehmen aller Größenordnungen von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt Schritt für Schritt im Hintergrund statt. Die Cloud ist aufgrund ihrer Flexibilität für die meisten Unternehmen die ideale Basis für den digitalen Wandel. IT-Verantwortliche in Deutschland galten lange im internationalen Vergleich als Skeptiker gegenüber der Cloud – nicht zuletzt aufgrund von Sicherheitsbedenken. Doch diese Einstellung hat sich auch dank umfassender Sicherheitsmaßnahmen und Angeboten, die auch strikten Datenschutzanforderungen genügen, gewandelt: Mittlerweile stellt sich meist nicht mehr die Frage, ob Cloud oder nicht, sondern, welche Cloud für was.

IT-DIRECTOR: Wie unterstützen Sie die Kunden bei diesem komplexen Thema?
R. Werner:
Viele Unternehmen setzen bei dem digitalen Wandel auf erfahrene Partner, weil sie keine Alleingänge machen möchten. Daher erweitern wir unser Angebot um eine breite Palette an Cloud-Services, sodass unsere Kunden die komplette Auswahl an – wahlweise auch hierzulande – erbrachten IT-Dienstleistungen haben. Unser neues Cloud-Angebot K5 beispielsweise basiert auf Openstack, einer Open Source-Technologie. Damit ist sie die erste Cloud-Plattform, die eine nahtlose Integration traditioneller IT-Umgebungen in neue cloud-basierte Technologien ermöglicht. Sie reduziert Komplexität, beschleunigt Innovation und verkürzt die Zeit für den Aufbau neuer cloud-basierter Services. Ab April stellen wir die Cloud-Services auch über hochverfügbare Rechenzentren in Deutschland bereit.

IT-DIRECTOR: Würden Sie sagen, dass die Unternehmen hierzulande die Digitalisierung gut im Griff haben?
R. Werner:
Manche ja, manche nein. Die meisten Unternehmen in Deutschland haben bereits Maßnahmen ergriffen, um die digitale Transformation zu bewältigen. Dennoch besteht bei einigen Unternehmen noch erheblicher Nachholbedarf. Die eingangs zitierte Studie zeigt auf, dass 37 Prozent der Befragten in Deutschland in einer veralteten Infrastruktur und in die Jahre gekommenen Techniken Schwachpunkte sehen. Insgesamt haben meines Erachtens die meisten Verantwortlichen die existenzielle Bedeutung der Digitalisierung für ihre Unternehmen erkannt und scheinen die Digitalisierung im Griff zu haben – aber das Tempo, mit dem sie angegangen wird, variiert doch erheblich.

Bildquelle: Thinkstock/iStock, Fujitsu

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